Di Santo: ''Wir sind Kämpfer!''

Werders Stürmer Franco Di Santo durfte in dieser Saison schon viermal jubeln - zuletzt gegen Freiburg (Foto: nph).
Profis
Mittwoch, 08.10.2014 // 18:05 Uhr

Als der Ball am vergangenen Samstag nach 78 Minuten zum zweiten Mal im Freiburger Tor zappelte, war Franco Di Santo schon abgedreht. Mit weit ausgestreckter Zunge jubelte er den Werder-Fans in der Ostkurve zu. Jeden Moment würde der obligatorische Freudentanz folgen. Doch: Schiedsrichter Knut Kircher entschied auf Abseits. Kein Tor für Werder, keine drei Punkte, kein Happy End. Franco Di Santo hätte sich über den nicht gegebenen Treffer ärgern können, genauso über den vergebenen Dreier und sogar über den verpassten Sprung an die Spitze der Bundesliga-Torjägerliste. Doch sein Unmut währte nur kurz. Trotz Rückschläge bleibt der Argentinier seiner Natur treu, immer das Positive zu sehen.

Im Interview mit WERDER.DE spricht der 25-Jährige über seine persönliche Entwicklung seit der letzten Saison, harte Arbeit und seine rhythmische Jubeleinlage. 

WERDER.DE: Mit vier Toren und einem Assist bist du aktuell Werders bester Torjäger. Wie zufrieden bist du mit deiner Leistung?

Franco Di Santo: „Natürlich bin ich momentan zufrieden mit meiner Leistung, aber nicht aus persönlichen Gründen, sondern weil ich mit meinen Toren der Mannschaft helfen kann."

WERDER.DE: Nach jedem Treffer von dir folgt eine Tanzeinlage. Was hat es damit auf sich?

Franco Di Santo: (lacht) „Das ist kein bestimmter Tanz, sondern immer einer, der mir in dem Moment einfällt. Das kommt von selbst und ist nicht geplant. Diese Tänze sind Ausdruck meiner Freude. Ich tanze für mein Leben gerne."

WERDER.DE: Was läuft in dieser Saison bei dir anders im Vergleich zur letzten Spielzeit?

Franco Di Santo: „Im letzten Jahr bin ich erst kurz vor Saisonbeginn zur Mannschaft gestoßen. Außerdem habe ich mich zu Beginn verletzt und musste zusätzlich wegen einer Roten Karte draußen sitzen. All das blieb mir jetzt erspart. Ich konnte die gesamte Vorbereitung absolvieren und die ersten Spiele durchspielen. Das war für mich enorm wichtig."

WERDER.DE: Umso ärgerlicher, dass es als Mannschaft noch nicht läuft. Tabellenplatz 18 und noch kein Sieg. Wie schätzt du eure aktuelle Situation ein?

Franco Di Santo: „Ich persönlich habe das Gefühl, dass die Mannschaft unglaublich viel Potenzial hat und der Tabellenplatz das bei Weitem nicht widerspiegelt. Das Team hat vom Training über das Gefüge bis hin zur Spielweise eine Riesenentwicklung durchgemacht. In meinen Augen ist es ein Knoten, der schlichtweg platzen muss. Dann sieht die Welt schnell anders aus. Zu den Plätzen im Mittelfeld sind es wenige Pünktchen. Ich bin mir sicher, dass sobald die Erfolgserlebnisse kommen, die Fragen in Interviews auch wieder andere sein werden. Wir bleiben positiv."

WERDER.DE:  Was glaubst du, fehlt euch momentan um die ersehnten Siege zu holen?

Franco Di Santo: „Wir haben sehr viel mehr Kampfgeist bewiesen, als man uns zugetraut hat. Klar fehlt uns das Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive, um nicht immer wieder einen Rückstand wettmachen zu müssen. Das ist jedes Mal ein enormer Kraftaufwand, sowohl physisch als auch psychisch. Teilweise fehlte uns nur ein Quäntchen Glück wie jetzt gegen Freiburg, das wir leider zu selten haben. Sonst hätten wir eventuell drei, vier Punkte mehr auf dem Konto. Aber dieses Glück wird die Tüchtigen irgendwann belohnen, da bin ich mir sicher."

WERDER.DE: Eure Vorbereitung wurde oft gelobt. Sie galt als eine der härtesten mit immens hohem Trainingsaufwand und harter Arbeit. Siehst du dich selbst eigentlich eher als harten Arbeiter oder als Genießer?

Franco Di Santo: (lacht) „Ich bin auf jeden Fall mehr der Arbeiter-Typ. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der nur harte Arbeit zählte. Meine Eltern haben mir gezeigt, dass man nur mit Arbeit etwas erreichen kann. Das habe ich fortgesetzt."

WERDER.DE: Der Trainer hat euch schon mehrfach für die guten Fitnesswerte gelobt und auch in den Spielen fällt auf, dass ihr als Stürmer ein sehr engagiertes Pressing betreibt und viel Kraft aufwendet. Wie fit fühlst du dich?

Franco Di Santo: „Ich persönlich fühle mich wesentlich besser und fitter als zu Beginn der letzten Spielzeit. Natürlich ist es ein sehr persönliches Gefühl, wie fit man sich fühlt, aber ich habe schon das Gefühl, dass das gesamte Team physisch sehr stark ist."

WERDER.DE: In anderthalb Wochen geht es zum Tabellenführer nach München. Was rechnet ihr euch aus? Was ist euer Ziel?

Franco Di Santo: „Grundsätzlich ist es ein Spiel Elf gegen Elf. Im Fußball ist alles machbar. Ich bin davon überzeugt, dass wenn wir unser Gleichgewicht finden und zum eigenen Spiel finden, ist es für jedes Team - auch für Bayern - sehr schwer uns zu besiegen. Wir haben beim letzten Duell zweimal geführt, uns dann aber das Zepter völlig aus der Hand nehmen lassen. Das war bitter. Sie sind wie wir nur Menschen. Warum sollten wir keine Punkte holen können? Sonst können wir gleich zu Hause bleiben. Ich gehe aufs Spielfeld um zu gewinnen und nichts anderes. Das ist meine Natur, ich bin ein Kämpfer. Wir als Mannschaft sind Kämpfer!"

WERDER.DE: An diesem Samstag trifft Argentinien auf Brasilien. Vor der WM warst du im erweiterten Kader. Wie gerne wärst du bei diesem Klassiker dabei?

Franco Di Santo: „Selbstverständlich wäre ich liebend gerne dabei, aber das spielt momentan überhaupt keine Rolle in meinen Gedanken. Ich bin in Bremen, ich fokussiere mich auf Werder und alles andere wäre nur eine zusätzliche Belohnung. Eine Berufung in die Nationalmannschaft ist immer die Konsequenz von guten Leistungen im Verein. Und nur die zählen jetzt."

Das Interview führte Yannik Cischinsky