Überragende Gefühle bei ''Schreihals'' Bargfrede

Philipp Bargfrede ist zuversichtlich, dass es kein weiter Weg mehr bis zum Comeback ist (Foto: nph).
Profis
Mittwoch, 22.10.2014 // 17:05 Uhr

Seit genau einer Woche ist der Profi Bargfrede auch Papa Bargfrede! Vergangenen Mittwoch erblickte Sohn Elias das Licht der Welt. Wie schon der (Groß)Vater Hansi, soll auch das jüngste Mitglied der Bargfredes irgendwann mal auf Torejagd gehen. Bis „der Kleine" die eigenen Fußballschuhe schnürt, dürfte es allerdings noch ein paar Jahre dauern. Bei seinem Vater dürfte es dagegen deutlich schneller gehen, denn nicht nur privat sondern auch sportlich geht es bei Philipp Bargfrede wieder bergauf. Nach der Operation im Mai und längerer Reha ist das betroffene Knie jetzt stabil. Das Comeback rückt näher.

Im Interview spricht der 25-Jährige über seine erste Woche als Papa, die nächsten Schritte und den lautesten Schrei der Familie.

WERDER.DE: Die letzten Wochen waren für dich sicherlich die ereignisreichsten deines bisherigen Lebens, oder?

Philipp Bargfrede: „Das kann man schon so sagen. Erst meine Hochzeit und dann der Nachwuchs. Es ist wirklich ein überragendes Gefühl, wenn man Papa wird. Ich war live dabei als der Kleine letzte Woche gekommen ist. Beiden, Mutter und Sohn, geht es super."

WERDER.DE: Wie genau hast du den Tag der Geburt noch vor Augen?

Bargfrede: „Es war eher die Nacht (lacht). Wir haben die ganze Nacht im Krankenhaus verbracht, morgens um kurz nach Neun ist er dann auf die Welt gekommen. Meine Frau hatte Gott sei Dank eine gute Freundin dabei, die Kinderkrankenschwester ist. Sie konnte ihr ein bisschen mehr helfen als ich, da ich doch sehr mit mir selbst beschäftigt war (lacht). Letztendlich war aber alles super, einfach ein unvergessliches Erlebnis."

WERDER.DE: Wie sehr genießt du die Zeit als frischgebackener Familienvater?

Bargfrede: „Es ist unheimlich schön, den Kleinen zu Hause zu haben. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich nach Hause komme und ihn sehe. Ich könnte ihn die ganze Zeit angucken, egal was er macht - ob er schläft oder wach ist. Man hat mit ihm aber auch schon ordentlich zu tun."

WERDER.DE: Nimmst du diese positiven Erlebnisse auch mit zum Training?

Bargfrede: „Wie ich schon gesagt habe, freue ich mich jedes Mal, wenn ich nach Hause komme, aber hier konzentriere ich mich voll auf Werder und mein Training. Mein Knie ist wirklich super. Es geht gut voran. Ich bin mit dem Lauftraining angefangen und habe keinerlei Probleme. Ich hatte vorher ja auch nie Schmerzen, das Problem war nur die Schwellung. Ich habe ein sehr gutes Gefühl und hoffe, dass es ziemlich zügig weitergeht."

WERDER.DE: Was sind jetzt die nächsten Schritte? Wie sehen die nächsten Tage und Wochen bei dir aus?

Bargfrede: „Erstmal muss ich einzelne kleine Schritte gehen, ehe ich das komplette Paket angehen kann. Momentan sind das Torschüsse oder spezifische Bewegungsabläufe zum Beispiel. Logischerweise kann man nicht in zwei Wochen wieder von null auf hundert alles machen und voll da sein. Da muss ich Bedacht walten lassen und vor allem geduldig sein. Ich war sehr lange draußen, bisher fast fünf Monate."

WERDER.DE: Prognosen, wann du wieder in der Bundesliga auf dem Platz stehen kannst, willst du also keine abgeben...

Bargfrede: „Selbstverständlich möchte ich so schnell wie möglich wieder zurückkommen, aber da ich schon wieder so lange draußen bin, macht es keinen Sinn eine Prognose abzugeben. Man braucht viel Geduld, um nicht zu viel zu machen und möglicherweise einen Rückschlag zu erleiden. Ich habe ein gutes Gespür dafür, in meinen Körper hinein zu horchen und leider eine gewisse Erfahrung."

WERDER.DE: Gibt es ein Spiel, das du dir gesetzt hast, bei dem du unbedingt wieder dabei sein willst?

Bargfrede: „Bei jedem Spiel denke ich das. (lacht)"

WERDER.DE: Vor gut einem Jahr bist du mit uns für ein Interview über den Freimarkt gelaufen. Damals warst du in einer ähnlichen Situation, kamst kurze Zeit später mit einem starken Comeback zurück. Denkst du an daran zurück und schöpfst du Mut daraus?

Bargfrede: „Dieses Beispiel gibt mir Zuversicht und macht mich optimistisch. Die Erinnerungen daran sind da, aber ich darf deshalb nicht weniger machen als letztes Mal. Ich habe ein hartes Stück Arbeit vor mir, ganz besonders was die Fitness betrifft. Hier habe ich einiges nachzuholen, um auf ein vernünftiges Level zu kommen. Ich hoffe, mein Comeback verläuft dieses Mal genauso positiv wie letztes Mal."

WERDER.DE: Wie erlebst du die aktuelle sportliche Situation?

Bargfrede: „Natürlich bin ich vergleichsweise nah an der Mannschaft dran. Ich bin täglich in der Kabine. Wir müssen einfach weitermachen und am Freitag alles rauholen, was geht. Wir dürfen nicht zu ängstlich agieren. Ich hoffe, dass die Fans trotz der schlechten Phase wieder hinter uns stehen und Geduld mitbringen. Gerade in der Anfangsphase ist es wichtig, dass sie der Mannschaft Rückhalt geben. Dann glaube ich, dass wir ein anderes Gesicht zeigen können und endlich die nötigen Punkte einfahren."

WERDER.DE: Wie schwer ist es, nur die Zuschauerrolle einzunehmen?

Bargfrede: „Natürlich tut der Tabellenplatz weh. Wir sind 18., das kann keinen zufrieden stellen. Das ist keine einfache Situation - für niemanden aus der Mannschaft. Ich habe die Hoffnung, dass wir aus dieser Situation schnell wieder herauskommen und vielleicht schon am Freitag die Wende einleiten."

WERDER.DE: Apropos Wende: Wer schreit denn lauter? Du am Freitag beim Siegtor des SV Werder oder dein Kleiner?

Bargfrede: „Mein Kleiner kann schon ganz schön laut sein, aber wenn wir gewinnen sollten, schreie ich auf jeden Fall lauter (lacht)."