"Ich bin noch ein Prozent heißer als alle anderen"

Fin Bartels an der Bremer Schlachte. "Bremen ist klein und urig - wir fühlen uns hier sehr wohl."
Profis
Mittwoch, 19.11.2014 // 13:14 Uhr

Hallo Fin. Du bist inzwischen fast ein halbes Jahr in Bremen und bei Werder - hast du dich gut eingelebt?

Fin Bartels wechselte im Sommer vom FC St. Pauli zu Werder. Mit seinem Ex-Klub hat der gebürtige Kieler bereits brisante Derby-Erfahrungen gesammelt. Am Sonntag steht für den 27-Jährigen dann das erste Nordderby mit Werder an. Wie sich der Mittelfeld-Mann in Bremen eingelebt hat, wie er sich auf das Spiel beim HSV vorbereitet und welche Rituale er am Sonntag auf keinen Fall vergessen darf, hat er WERDER.DE im Interview verraten.

Fin Bartels: „Absolut. Wir haben uns von Anfang an sehr gut zurechtgefunden. Ich wurde von der Mannschaft super gut aufgenommen, hab mich schnell zurechtgefunden und fühle mich im Verein und wir als Familie in der Stadt sehr wohl. Bremen passt einfach gut zu uns.

"Bremen passt zu uns" - wie meinst du das?

Fin Bartels: „Meine Frau und ich kommen aus Kiel, wir fühlen uns daher in beschaulichen Städten sehr wohl. Hier gibt es viele kleine, urige Fleckchen wie zum Beispiel das Schnoor oder die Schlachte. Das ist toll und das habe ich in dieser Form noch nirgendwo anders gesehen.

Schnoor, Schlachte, Innenstadt - sind das die Plätze, an denen man dich in der Freizeit antrifft?

Fin Bartels: „Ich war mittlerweile schon häufiger in Bremen unterwegs, habe mir einiges angeschaut. Aber mit Kindern ist man eher im Park oder auf Spielplätzen unterwegs und nicht im Stadtkern. Und da wir hier in einem kleinen Häuschen mit Garten wohnen, ist das mein Lieblingsplatz. In den eigenen vier Wänden kann ich super zur Ruhe kommen und die Seele baumeln lassen. Ich kann also ein rundum positives Zwischenfazit ziehen.

Vermutlich fällt dein Fazit auch deshalb so positiv aus, weil es für dich auch sportlich sehr ordentlich läuft ...

Fin Bartels: „Es ist ja nicht ganz einfach, wenn man zu einem neuen Verein kommt. Da muss man sich erstmal umschauen. Und die Qualität im Training ist hier schon hoch, da musste ich mich erst dran gewöhnen. Aber das hat sehr gut geklappt und ich habe meinen Platz in der Truppe gefunden. Jetzt versuche ich, mit guten Leistungen dazu beizutragen, dass wir uns stetig verbessern und Schritt für Schritt weiter nach oben kommen. Wir sind als Team auf einem guten Weg und ich persönlich bin es auch.

Und am Sonntag kommt es zu einem echten Höhepunkt.

Fin Bartels: „Die Vorfreude bei mir und bei der gesamten Mannschaft ist riesig. Die Tickets sind schon alle weg, jeder freut sich riesig auf das Derby. Aufgrund der aktuellen Situation beider Teams ist vielleicht noch ein Tick mehr Brisanz drin. Ich bin einfach heiß drauf und wegen meiner Hamburger Vergangenheit brenne ich vielleicht noch ein Prozent mehr als alle anderen. Ich hatte mit St. Pauli schon zwei super Derbys, die ich beide nicht verloren habe. Das soll auch am Sonntag so bleiben.

Wo du deine Derbys mit Pauli ansprichst - unterhaltet ihr euch in der Kabine eigentlich über eure schönsten Derby-Erfahrungen?

Fin Bartels: „Klar. Da erzählt dann der eine vom letzten Spiel oder ich berichte über meine Erfahrungen mit Pauli. Wenn man sich an positiven Dingen festhält, kann das ja nicht verkehrt sein. Aber wir wollen unbedingt daran anknüpfen, wie es letztes Jahr gelaufen ist. Ich glaube, dann können wir uns nicht beschweren und werden vor dem nächsten Spiel sicher hauptsächlich darüber sprechen."

Die Spiele zwischen Werder und dem HSV elektrisieren die Fans traditionell schon lange vor dem Spieltag. Bekommt man das als Spieler eigentlich mit?

Fin Bartels: „Ich werde schon seit einigen Tagen überall auf das Spiel angesprochen. Egal ob beim Bäcker, im Supermarkt oder an der Tankstelle, es wird einem Mut gemacht. Das ist auch der große Unterschied zwischen den Derbys mit Pauli und jetzt mit Werder - bei Pauli war es das kleine gallische Dorf, hier ist die ganze Stadt heiß auf das Spiel und jeder will das Beste für Werder. Wir wissen alle, worum es geht."

Wie schafft man es da, sich konzentriert vorzubereiten und kühlen Kopf zu bewahren, wenn das Spiel so omnipräsent ist?

Fin Bartels: „Es ist klar, dass da viele Emotionen im Spiel sein werden und es heiß hergehen wird. Aber als Spieler darf man sich davon nicht verrückt  machen lassen. In der Trainingsarbeit muss alles normal ablaufen - man muss den Gegner analysieren und sein Spiel verbessern. Bei aller Brisanz muss man kühlen Kopf bewahren, die Marschroute normal verrichten und nicht überdrehen. Wir sind nach der langen Durststrecke zu Saisonbeginn und den drei Siegen zuletzt voller Selbstvertrauen und werden mit breiter Brust nach Hamburg fahren.

Die besagten drei Siege habt ihr unter der Leitung eines neuen Trainerteams eingefahren. Wie ist dein Eindruck von Viktor Skripnik und seinem Team?

Fin Bartels: „Die vier sind heiß auf diesen Job und haben eine wahnsinnige Erfahrung als Spieler - da hört man dann ganz genau hin und weiß, dass das stimmen muss, wenn die das sagen. Das gesamte Team arbeitet jeden Tag sehr akribisch, bereitet sich auf alles vor und bringt uns ihre Spielphilosophie nahe. Die Energie im Trainerteam macht Spaß und das steckt auch an. Die positive Stimmung beflügelt uns.

Wann muss denn am Sonntag passieren, damit die positive Stimmung weiter anhält?

Fin Bartels: „Es muss sich gar nicht viel ändern. Die Fans werden uns wieder wie verrückt nach vorne peitschen und wir müssen mit breiter Brust auftreten und den Kampf annehmen, der aufkommt. Wir werden keinen Schritt zurückweichen und versuchen unser Spiel durchzudrücken. Es wird wichtig sein, dass wir an uns und unser Spiel glauben."

Damit am Sonntag nichts schief geht - wann gibt es denn im Hause Bartels die Wraps?

Fin Bartels: „Woher weißt du das denn? Hab ich dir das mal erzählt? (lacht)

Im Sommer hast du uns mal gesagt, dass das deine absolute Leibspeise ist und die Wraps dir Power geben.

Fin Bartels: „Die gibt es tatsächlich einmal die Woche bei uns. Diese Woche war das bislang noch nicht der Fall, aber heute wird eingekauft und dann gibt's die so, dass es zum Spiel hin richtig power gibt (lacht).

Gibt es bei dir noch weitere Rituale?

Fin Bartels: „Eigentlich bin ich nicht abergläubisch, aber dafür mache ich echt viele Sachen. Ich küsse den Ring an meinem Finger, ziehe Stutzen und Schuhe rechts immer zuerst an. Ich überlege auch immer, was ich vor dem letzten Spiel alles gemacht habe, wenn es da gut lief."

Gegen Stuttgart lief es ja sogar sehr gut. Hast du alle Dinge zusammenbekommen, die du da gemacht hast?

Fin Bartels: „Dadurch, dass es fast immer das gleiche ist, passt das schon. Außerdem habe ich eben ja auch die Pfoten des Esels festgehalten. Wenn es danach geht, kann am Sonntag nichts passieren."

 

Das Interview führte Dominik Kupilas