Mit Stolz und tollen Erinnerungen

Sebastian Prödl verabschiedete sich nach seinem letzten Heimspiel im Weser-Stadion von den Fans (Foto: nph).
Profis
Samstag, 16.05.2015 // 20:08 Uhr

Die emotionalsten Szenen erlebten die 42.100 Zuschauer im Bremer Weser-Stadion am Samstag schon vor dem Anpfiff. Denn wenige Augenblicke bevor der Ball zwischen dem SVW und Borussia Mönchengladbach rollte, wurden gleich drei Werder-Spieler, die die Grün-Weißen zum Saisonende verlassen, offiziell verabschiedet. Neben Koen Casteels und Davie Selke gehörte auch Sebastian Prödl zu diesem Trio.

Sieben Jahre trug der Innenverteidiger das Werder-Trikot - und in seinem letzten Spiel an der Weser auch noch einmal die Kapitänsbinde. "Für mich war es schön, die Mannschaft als Kapitän aufs Feld zu führen. Es war eine tolle Zeit hier in Bremen. Vor dem Spiel war es schon sehr emotional, aber während der 90 Minuten habe ich versucht, das auszublenden. Der Abschied fällt schwer, dennoch gehe ich mit Stolz", blickte Prödl zurück.

Werder-Coach Viktor Skripnik wusste die Leistung des österreichischen Nationalspielers nach dem Schlusspfiff zu würdigen. "Basti hatte eine großartige Zeit an der Weser. Er ist ein sehr guter Spieler, der mit Sicherheit auch bei anderen Vereinen seine Qualität zeigen wird. Natürlich ist es traurig, wenn so ein Spieler den Verein verlässt, aber er ist nicht der Erste. Wir werden ihn selbstverständlich vermissen, aber ich hoffe, er vermisst Werder auch", so der Cheftrainer mit einem Schmunzeln.

Davie Selke, selbst vor dem Anpfiff mit Blumenstrauß, Erinnerungsfoto und Applaus aus dem Weser-Stadion verabschiedet, lobte Teamkollege Prödl als „Riesen-Persönlichkeit". „Er hat viel für Werder geleistet, aber jetzt sucht er eine neue Herausforderung", so Selke, der vor und nach der Begegnung mit seinen Gefühlen kämpfen musste. „Als ich vor dem Spiel dort unten stand und verabschiedet wurde, habe ich die Zeit bei Werder nochmal Revue passieren lassen. Noch habe ich nicht realisiert, dass ich hier bald nicht mehr spielen werde. Wenn ich darüber nachdenke, Bremen zu verlassen, dann ist das natürlich auch traurig", erklärte der 20-Jährige. Er habe „Werder viel zu verdanken", so Selke. „Ich gehe mit einem weinenden Auge, aber ich freue mich auch auf die neue Aufgabe."

Neben Selke und Prödl muss Skripnik im Sommer auch Koen Casteels ziehen lassen. Während Prödl seit Jahren Teil der Werder-Familie ist, spielt der Torhüter erst seit fünf Monaten für die Grün-Weißen. Doch trotz der kurzen Zeit in der Hansestadt und im Verein dürfte der baldige Abschied beiden Seiten schwer fallen. Nicht nur wegen der erneut starken Leistung des Belgiers im Kasten, sondern auch, weil sich Casteels stets voll mit der Aufgabe identifizierte und sich so viele Freunde beim SVW machte. „Wir sind froh, dass Koen ein halbes Jahr bei uns spielen durfte", so Skripnik.

Ob Selke, Prödl oder Casteels - sie alle sind ein Teil von Werder, ein Teil dieser außergewöhnlichen grün-weißen Spielzeit, ein Teil der Stadt. „Bremen ist ein Ort, an den ich immer gerne zurückkehren werde. Ich habe hier im Verein und in der Stadt viele Freunde gefunden", sprach Prödl aus, was mit Sicherheit auch für seine beiden Mitspieler gelten dürfte. Mit den beiden und all seinen Freunden wird Prödl am Abend auf die Zeit an der Weser zurückblicken - auf einer Abschiedsparty zu der er nach dem letzten Heimspiel eingeladen hat. "Heute Abend werden wir im Kreise all meiner Freunde auf die gute Spielzeit anstoßen", so Prödl.

Aus dem Weser-Stadion berichten Dominik Kupilas, Yannik Cischinsky und Michael Runge