Wurtz: "Ich gucke mir jedes Werder-Spiel an"

Johannes Wurtz stürmt derzeit für den Zweitligisten SC Paderborn, ab Sommer trägt er wieder das Werder-Trikot (Foto: nph).
Profis
Donnerstag, 06.03.2014 // 15:17 Uhr

Spielen, spielen und nochmals spielen: Johannes Wurtz ist einer von insgesamt drei Werderanern, deren Hauptaugenmerk aus Bremer Sicht darauf liegt, in einem ambitionierten Team möglichst viel Spielpraxis zu bekommen, mit dem Ziel, sich für weitere Aufgaben ab Sommer wieder beim SV Werder empfehlen zu können. Während Niclas Füllkrug bei Greuther Fürth zur Stammkraft aufstieg (mehr dazu im Interview auf WERDER.DE) und der im Februar für knapp fünf Monate zu Ferencvaros Budapest transferierte Mateo Pavlovic unter Coach Thomas Doll in Ungarn reifen soll, durchlebt Johannes Wurtz nach starker Hinrunde beim SC Paderborn aktuell eine kleine sportliche Talfahrt.

Dabei erlebte Wurtz ausgerechnet an einem Freitag den 13., seinen ganz persönlichen Fußball-Höhepunkt. Der an den SC Paderborn ausgeliehene Saarländer markierte im Dezember letzten Jahres in der 74. Minute vor den Augen seiner Familie den goldenen Treffer zum vielumjubelten Sieg beim 1. FC Kaiserslautern. Der Treffer der Bremer Leihgabe war gleichzeitig das erste Tor für den SCP überhaupt auf dem 'Betze'. „Es ist natürlich überragend, hier auf dem Betzenberg bei dieser Kulisse zu gewinnen. Dass ich auch noch den Siegtreffer mache, ist einfach nur top", sagte der 21-Jährige damals direkt nach Spielschluss.

Sein fünfter sollte aber der bis dato auch letzte Treffer im SCP-Dress sein. Zu diesem Zeitpunkt stand der Offensivakteur in jedem Spiel auf dem Platz, was sich nach der Winterpause jedoch änderte. „In der Hinrunde habe ich fast immer gespielt und dabei fünf Tore erzielt. Ich habe mich gefreut, dass ich in der zweiten Liga so gut mithalten konnte und in der Mannschaft sogar eine tragende Rolle innehatte. In der Winterpause war es etwas schwierig, da ich mit Knieproblemen zu kämpfen hatte. Ich muss jetzt gucken, dass ich mich im Training anbiete und wieder ein paar Spiele von Anfang an mache. Ich denke, dass ich mit der Leihe aber einiges richtig gemacht habe", zieht Wurtz seine persönliche Zwischenbilanz.

Die Krux für Wurtz liegt darin, dass die Paderborner in der zweiten Bundesliga aktuell mehr denn je 'on fire' sind. Satte 20 Punkte aus den vergangenen acht Partien geben SCP-Coach André Breitenreiter keinen Grund, an der Stammformation zu rütteln. Und in dieser findet sich Wurtz seit vier Partien nicht mehr wieder. „Wir haben eine richtige Serie hingelegt. Es läuft gut und macht Spaß, wenn man so erfolgreich ist. Allerdings war es nicht unbedingt zu erwarten, dass wir so weit vorne stehen. Als ich nach Paderborn gewechselt bin, stand die Mannschaft auf einem Relegationsplatz gegen den Abstieg. Jetzt stehen wir plötzlich auf einem Relegationsplatz um den Aufstieg. Ich denke, ich konnte insgesamt meinen Teil dazu beitragen. Ich hoffe, es geht für uns so weiter", so der Offensivmann.

Zur schnellen und guten Integration in das Paderborner Team konnte auch Florian Hartherz beitragen. Zu Werders ehemaligem Linksverteidiger pflegt Wurtz ein „richtig gutes Verhältnis. Wir teilen bei Auswärtsfahrten das Zimmer. Außerdem gehen wir jeden Tag gemeinsam mit weiteren Teamkollegen essen", äußert sich der 21-Jährige, der in Paderborn eine Wohnung im sogenannten Paderquellgebiet („Luftlinie 500 Meter zum Trainingsplatz, perfekte Anbindung") bezogen hat.

In dieser Wohnung verfolgt er dann auch gerade mit Hartherz immer wieder die Partien der Grün-Weißen. „Ich gucke mir jedes Werder-Spiel an. Ich hoffe, dass die Jungs durch das gewonnene Nordderby noch einmal neuen Aufschwung bekommen haben und noch ein paar weitere Spiele positiv bestreiten." Und Wurtz kann auch nicht leugnen, ein bisschen Wehmut zu empfinden, wenn er die ehemaligen (und auch wieder zukünftigen?) Kollegen spielen sieht. „Jedes Mal, wenn ich Werder gucke, denke ich: Wie schön wäre es, wenn du da jetzt auch mit den Jungs auf dem Rasen stehen könntest."

Noch bis zum 30. Juni dieses Jahres läuft die Ausleihe des Angreifers. Laut Vertrag geht es dann zurück an den Osterdeich. „Ich weiß noch nicht, wie es im Sommer genau weitergeht. Wenn ich bei Bremen Stammspieler werden könnte, wäre das top. Wenn ich in der zweiten Liga Leistungsträger werden könnte, wäre das ebenfalls gut. Welchen Weg ich gehen muss, das entscheide ich in ein paar Monaten."

Vielleicht könnte es helfen, dass Frank Baumann, Werders Direktor Profifußball und Scouting, nach Angaben von Wurtz „zwischendurch immer mal wieder angerufen hat". Am Ende ist klar: Beide Parteien würden profitieren, wenn folgender Fall bei Johannes Wurtz eintritt: spielen, spielen und nochmals spielen.

von Timo Volkmann