'Werder-Wolf': "Werder ist für mich die Nummer eins im Norden"

Torhüter Raphael Wolf mit dem Derby-Schal, den es ab Mittwoch in der WERDER FAN WELT zu kaufen gibt (Foto: Rospek).
Profis
Dienstag, 25.02.2014 // 13:04 Uhr

Sein erstes Spiel von Beginn an im Werder-Trikot lief alles andere als wünschenswert. 4:4 hieß das Endergebnis am 14. Spieltag beim Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim. Für Raphael Wolf kein Problem, der den mannschaftlichen Erfolg immer persönlichen Zielen überordnet. Neun Spieltage später kommt es für den Teamplayer und ehemaligen HSV-Spieler zu seinem allerersten Derby im Profibereich. Grund genug, bei dem 25-Jährigen nachzufragen, was er sich von dem 100. Nordderby verspricht, auf welche alten Weggefährten er am kommenden Samstag trifft und bei wem sich Werder bedanken kann, dass Wolf heute das Tor hütet.

WERDER.DE: Ihr habt mit zehn Mann einen Punkt in Frankfurt erkämpft. Du hattest auch durch deine starken Paraden einen großen Anteil an dem Erfolg. Wie ist die Gefühlslage in der Mannschaft?

Raphael Wolf: „Wir haben einen Punkt mitgenommen. Natürlich haben wir uns den Spielverlauf ein bisschen anders vorgestellt, aber - den Umständen entsprechend - geht dieser Punkt in Ordnung. Jetzt liegt der Fokus ganz klar auf das Nordderby. Der Trainer hat nach der kurzen Trainingseinheit am Montag gesagt, dass das Spiel gegen Frankfurt jetzt keine Rolle mehr spielt, sondern nur noch das Derby gegen den HSV."

WERDER.DE: Du spricht das Nordderby an. Für viele Fans ist es das wichtigste Spiel im Jahr. Freut sich die Mannschaft schon auf den kommenden Samstag?

Raphael Wolf: „Klar haben wir in der Mannschaft schon öfter über diese Partie gesprochen. Konkreter wurde es dann schon auf der Rückreise aus Frankfurt. Es sind auf jeden Fall alle Spieler hoch motiviert, das hat man schnell gemerkt. Ich denke, die Vorfreude überwiegt."

WERDER.DE: Es wird ein spannendes Duell erwartet. Der HSV hat zuletzt zuhause gegen Dortmund gewonnen, ihr habt euch in den letzten beiden Partien jeweils einen Punkt erkämpft. Welche Mannschaft ist denn im Moment selbstbewusster?

Raphael Wolf: „Wir spielen zuhause, da muss man immer mit einer breiten Brust auftreten. Klar, der HSV hat seine Chance genutzt, gegen Dortmund wichtige Punkte einzufahren, aber wir spüren dadurch keinen größeren Druck. Wir wollen ganz klar, mit unseren Fans im Rücken, drei Punkte holen."
 

WERDER.DE: Es wird für dich das erste Nordderby im Profibereich sein. Bist du schon nervös?

Raphael Wolf: „Nein, gar nicht. Aber natürlich ist so ein Spiel für jeden Profi eine tolle Sache. Wir können da was ganz Großes reißen. Man merkt schon im Umfeld, welche Bedeutung so ein Spiel für die Fans und alle Bremer hat. Jetzt ist es wichtig, eine gute Trainingswoche zu absolvieren und die Mentalität voll auf Sieg zu stellen."
 

WERDER.DE: Doch ganz ohne Derbyerfahrung bist du nun auch nicht, immerhin hast du in deiner Jugend eine Zeit lang beim HSV gespielt. Wie haben sich denn da die Duelle HSV gegen Werder angefühlt?

Raphael Wolf: „Ich habe im Trikot vom HSV schon einige Spiele gegen Werder absolviert. Zum Beispiel in der B- und A-Jugend oder bei den Amateuren. Da war es auch damals schon etwas ganz Besonderes, die Jugendtrainer haben in Ansprachen die Bedeutung dieses Duells klar gemacht. Es war immer toll gerade gegen Werder zu spielen, das hat viel Spaß gemacht."
 

WERDER.DE: Also kennst du jetzt beide Vereinsseiten. Welche gefällt dir denn besser?

Raphael Wolf: „Ganz klar - Werder ist für mich die Nummer eins im Norden. Für mich zählt nur Werder, und dieser Verein hat mir die Chance gegeben in der Bundesliga zu spielen, dafür bin ich sehr dankbar und stolz. Ich fühle mich mit meiner Familie hier sehr wohl, die Stadt ist gemütlich. Dieser Umstand hat es mir von Beginn an leicht gemacht, mich hier wohlzufühlen. Außerdem hat mir der Verein trotz schwerer Zeiten, in denen ich lange verletz war, immer das Gefühl gegeben, meine Chance zu erhalten und Fuß zu fassen. Das Umfeld ist ein ganz großes Plus bei Werder."

WERDER.DE: Kennst du denn noch Spieler oder Verantwortliche beim HSV?

Raphael Wolf: „Natürlich kenne ich noch ein paar Leute. Mir fallen da Rodolfo Cardoso, Otto Addo oder Hamburgs Pressesprecher Jörn Wolf ein. Von den Spielern kenne ich noch Marcell Jansen oder Rafael van der Vaart. Aber da bestehen keine dicken Freundschaften. Man kennt sich und begrüßt sich auch - mehr nicht."

WERDER.DE: Du bist jetzt 25 Jahre alt. Eigentlich liegt deine beste Zeit als Torhüter noch vor dir, da Torhüter ja erfahrungsgemäß länger als Profi aktiv sind. Was sind deine kommenden Ziele?

Raphael Wolf: „Ich möchte so viele Spiele in der Bundesliga machen wie möglich. Da gehört es natürlich auch dazu, dass ich verletzungsfrei bleibe. Außerdem möchte ich mit Werder Schritt für Schritt wieder sportlich erfolgreichere Zeiten erleben. Wir wollen uns wieder nach vorne kämpfen. Das sind meine Ziele."
 

WERDER.DE: Und diese Ziele mit Werder willst du mit Sicherheit auch weiter als Torwart verfolgen. Das war ja auch nicht immer so, oder?

Raphael Wolf: „Nein, das stimmt. Ich war früher in meiner Jugendzeit eigentlich immer Stürmer. Aber als wir dann einmal bei einem Hallenturnier waren, das Hansi Müller (aktuell im Aufsichtsrat des VfB Stuttgart; Anm. d. Red.) organisierte, verletzte sich unser Torwart. Einer musste nun ins Tor und da hab ich mich freiwillig ins Tor gestellt. Das habe ich dann wohl ganz ordentlich gemacht und Hansi Müller kam im Anschluss an das Turnier zu mir und hat mir gesagt, dass ich ein guter Torwart bin."

WERDER.DE: Also müssen wir uns nun bei Hansi Müller bedanken?

Raphael Wolf: „Gewissermaßen ja (lacht). Ich hab mich danach zwar wieder als Stürmer versucht, bin dann aber schnell ins Tor zurückgegangen. Dort hat es mir einfach mehr Spaß gemacht."

WERDER.DE: Dein Torwartspiel zeichnet ja vor allem eine große Ruhe aus, was man auch als eine deiner Stärken bezeichnen könnte. Privat bist du ja auch eher ein ruhiger Typ. Wie kommt das?

Raphael Wolf: „Ich bin ganz normal in einem bodenständigen Haushalt aufgewachsen. Ich wurde als kleiner Junge schon immer sehr von meiner Familie unterstützt und habe sehr viel Zeit auf dem Fußballplatz verbracht. Mit 15 Jahren bin ich dann in das Internat vom HSV gewechselt. Also 800 Kilometer von zuhause entfernt. Da musste ich früh viel alleine klar kommen und auch mal in komplizierten Situationen die Ruhe bewahren. Ich bin froh, dass ich diese Chance wahrnehmen konnte."

WERDER.DE: Aber dein Gemüt passt dann ja so gar nicht zu deinem Nachnamen. Denn der Wolf ist ja eher ein bissiges Tier...

Raphael Wolf: „Mir gefällt der Name, und ich finde, er passt gar nicht so schlecht. Ich habe hier bei Werder auch schon ganz oft gehört, dass man mich ‚Werder-Wolf‘ nannte. Ich finde, das hört sich doch gut an."

WERDER.DE: Abschließende Frage, ‚Rapha‘: Was wünscht du dir von der Partie am kommenden Samstag gegen den HSV?

Raphael Wolf: „Ich wünsche mir, dass wir einfach ein gutes Spiel abliefern und die drei Punkte hier in Bremen behalten. Natürlich wäre ein Zu-Null-Sieg am schönsten, aber der Sieg allgemein steht im Vordergrund. Drei Punkte zuhause im Nordderby zu holen - das wäre eine super Sache!"

Das Interview führte Timo Fresen