"Vorne nichts, in der Mitte nichts, hinten nichts"

Cedrick Makiadi hatte sich seine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte auch ganz anders vorgestellt (Foto: getty).
Profis
Samstag, 22.03.2014 // 00:38 Uhr

Die Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte hatten sich insbesondere Robin Dutt und Cedrick Makiadi ganz anders vorgestellt. Vier Jahre waren die heutigen Bremer beim SC Freiburg als Trainer beziehungsweise als Spieler aktiv, zwei davon gemeinsam. Doch das, was sie am Freitagabend an der Dreisam mit dem SV Werder erlebten, glich einem Rückschritt, der so nicht unbedingt eingeplant war. Immerhin blieben die Grün-Weißen in den vergangenen fünf Auftritten ohne Niederlage. Bis das 1:3 am Freitagabend in Freiburg kam, verbunden mit einer eher dürftigen Leistung.

So polterte auch Thomas Eichin in seiner Geburtsstadt nach Abpfiff: „Das war hinten nichts, in der Mitte nichts und vorne nichts." Der Frust musste zunächst raus bei Werders Geschäftsführer, ehe der 48-Jährige weiter ins Detail ging: „Wir haben es einfach taktisch falsch gemacht. Während wir vorne draufgegangen sind, sind wir hinten nicht nachgerückt. So hatten wir überhaupt keine Möglichkeit, im Mittelfeld in die Zweikämpfe zu kommen. Da kannst du laufen, wie du willst, da läufst du dir Blutblasen. In der zweiten Halbzeit haben wir es versucht zu korrigieren. Da sind wir aber schnell in einen Konter gelaufen und haben prompt das 0:2 bekommen. Danach wurde es schwierig, da hat uns der Mut gefehlt. Es war eine schlechte Leistung."

Wie die anderen Protagonisten die „schlechte Leistung" beurteilten, welche Gründe sie dafür aufführten und welcher Vorteil darin liegt, dass bereits am kommenden Samstag der VfL Wolfsburg im Weser-Stadion gastiert, hat WERDER.DE mit den Aussagen aus der Mixed Zone zusammengetragen.

Zum Spielverlauf:

Robin Dutt: „Das war ein ganz schwaches Spiel. Wir haben den Platz groß gehalten anstatt ihn klein zu machen und so Druck auszuüben. So hat Freiburg ganz einfach ins Spiel gefunden. In der zweiten Hälfte wollten wir das Spiel korrigieren und Forechecking spielen. Aber dann haben wir uns keine Torchancen erzwungen und wurden stattdessen eiskalt ausgekontert. Der Sieg ist für Freiburg klar und deutlich ausgegangen, er ist hochverdient. Das einzig Positive ist, dass wir uns nach dem 0:3 nicht haben hängen lassen."

Cedrick Makiadi: „In der ersten Halbzeit ist unsere Taktik nicht aufgegangen. Es war bei uns ein zu großer Abstand zwischen den Reihen. In der zweiten Halbzeit wollten wir es dann besser machen, früher attackieren, aber dann sind wir in die Freiburger Konter gelaufen und haben noch zwei weitere Tore bekommen. Freiburg hat am Ende verdient gewonnen."

Aaron Hunt: „Es gab heute viele Gründe, wieso wir das Spiel verloren haben. Wir haben schlecht gespielt, sind nicht ins Pressing gekommen und es hat immer irgendwo etwas gefehlt. So haben wir auch in der Höhe verdient verloren und leider da angeknüpft, wo wir gegen Stuttgart aufgehört haben. Vielleicht war sich der eine oder andere auch schon zu sicher."

Zlatko Junuzovic: „Wir haben absolut keinen Zugriff auf das Spiel bekommen. Wir wollten Pressing spielen, haben es aber nicht geschafft, die langen Bälle der Freiburger zu unterbinden."

Zum Spielausgang:

Nils Petersen: „Wir reden nach fünf ungeschlagenen Spielen von Selbstvertrauen und legen dann solch einen Auftritt hier hin. Da müssen wir uns alle hinterfragen. Man kann in Freiburg ohne Frage verlieren, aber nicht in dieser Art und Weise. Wir waren ein dankbarer Gegner. Freiburg hatte vor dem Spiel wesentlich mehr Druck als wir und ist damit wesentlich besser umgegangen. Das müssen wir uns ankreiden lassen. Wir sind unserem eigenen Spielstil nicht treu geblieben."

Sebastian Prödl: „Gegen Freiburg darf man so nicht auftreten. Wir müssen in erster Linie unseren Einsatz kritisieren. Die Freiburger sind wieder näher an uns herangerückt. Wir haben zuletzt fünf Mal in Folge nicht verloren. Daran müssen wir jetzt wieder glauben."

Cedrick Makiadi: „Mit einem Sieg hätten wir die Weichen stellen können. Wir hätten uns noch mehr von den Abstiegsrängen absetzen können. Es tut mir für den gesamten Verein sehr leid, dass wir diese super Chance nicht nutzen konnten."

Raphael Wolf: „Wir haben den Freiburgern in deren Stadion zu viel Spielfreude zeigen lassen. Es ist sehr bitter, nach langer Zeit mal wieder drei Gegentore kassiert zu haben."

Zur taktischen Umstellung in der Offensive:

Thomas Eichin: „Wir haben versucht, mit Aaron einen spielerischen Stürmer mit einzubauen. Wir wollten etwas mehr Ballbesitz haben. Das war aber nicht der Grund für die Niederlage. Die Räume zwischen Angriff und Abwehr waren einfach zu groß. Als die Freiburger im Ballbesitz waren, haben sie uns gnadenlos ausgekontert."

Zur momentanen Situation:

Robin Dutt: „Ich habe immer davor gewarnt, dass wir mit 29 Punkten nicht durch sind. Letztes Jahr gab es mit Werder und Düsseldorf auch zu diesem Zeitpunkt zwei Vereine, die so einen Vorsprung hatten. Eine Mannschaft ist davon bekanntlich abgestiegen. Jetzt weiß wieder jeder, dass wir bis zum letzten Spieltag kämpfen müssen."

Thomas Eichin: „Wir haben die Situation immer realistisch eingeschätzt. Wir haben nie gesagt, dass wir schon durch sind und dafür haben wir heute den Beweis bekommen."

Ausblick auf die ‚Englische Woche‘:

Thomas Eichin: „Wir haben das in den letzten fünf Spielen sehr gut gemacht, aber ich habe mir schon gedacht, dass irgendwann dieser Rückschritt kommen wird. Das müssen wir schnell wieder korrigieren. Zum Glück haben wir bereits am Dienstag die Möglichkeit dazu."

Nils Petersen: „Wir sind wieder mitten im Abstiegskampf. Wir waren auch vorhin nicht davon befreit. Das war ein klarer Rückschritt. Wir müssen das abhaken. Heute war das ein Schritt in die falsche Richtung, doch zuletzt haben wir ganz gut agiert. Ich hoffe, dass wir die richtigen Maßnahmen treffen und wieder frei im Kopf sind für das Wolfsburg-Spiel."

Cedrick Makiadi: „Wir müssen das Spiel jetzt vernünftig analysieren, dann abhaken und es am Dienstag dann viel besser machen."

Aaron Hunt: „Wir sind wieder mitten drin im Abstiegskampf. Jetzt müssen wir hellwach, voll da sein. Da passt es jetzt ganz gut, dass es Dienstag schon weiter geht und wir uns nun nicht zu viele Gedanken über dieses Spiel machen können. Wir wollen gegen Wolfsburg ein wesentlich besseres Spiel machen."

aus Freiburg berichtet Timo Volkmann