"Es schmerzt heute an anderer Stelle"

Hunt, Elia und Co. mussten sich zum 20. Bundesliga-Spieltag mit 1:5 gegen Borussia Dortmund geschlagen geben (Foto: nph).
Profis
Samstag, 08.02.2014 // 19:50 Uhr

Monierte Robin Dutt in der Vorwoche noch die mangelhafte Einstellung seiner Mannschaft, konnte Werders Cheftrainer diese am Samstagnachmittag nicht kritisieren. Sein Team zeigte gegen Borussia Dortmund die von ihm im Vorfeld geforderte Wettkampfmentalität, ging robust und entschlossen in die Zweikämpfe und war wesentlich präsenter als noch in Augsburg. Dennoch hatten die Grün-Weißen am Ende deutlich das Nachsehen.

„Eine 1:5-Niederlage schmerzt natürlich, aber es schmerzt heute an anderer Stelle als letzte Woche. Die Einstellung ist heute kein Hauptkritikpunkt. Die Mannschaft hat sich voll in die Zweikämpfe geworfen und auch nach dem 0:4 nicht aufgesteckt. Außerdem hatten wir das erste Mal seit längerer Zeit mal wieder eine positive Zweikampfbilanz", so Robin Dutt in der Mixed Zone des Bremer Weser-Stadions. „Der Unterschied lag heute aber darin", setzte der 49-Jährige weiter an, „dass beim BVB nach der Balleroberung die Post abging und uns diese Qualität im Moment fehlt. Jürgen Klopp hatte Recht damit behalten, als er im Vorfeld gesagt hat, dass die Dortmunder einige Dinge haben, die sich auch durch einen Kampfgeist nicht aufhalten lassen."

Wie die Spieler ihre eigene Leistung nach Spielende beurteilten, was Ludovic Obraniak zu seinem erstem Mal im Werder-Dress sagte und weshalb sich Debütant Levent Aycicek nicht überschwänglich über seinen Ehrentreffer freuen konnte, hat WERDER.DE in der folgenden Zitatensammlung zusammengefasst.

Zum Spielausgang:

Thomas Eichin: „Das war ein Klassenunterschied. Wir haben zu viele Fehler produziert, die der BVB gnadenlos ausgenutzt hat. Da gibt es nicht zu beschönigen. Wir müssen jetzt schauen, wie wir diese Niederlage wegstecken. Es wird in der kommenden Woche viel auf uns einprasseln. Wir müssen hart dafür kämpfen, dass es wieder besser wird. Dafür müssen wir stark genug sein und dürfen den Einfluss von außen nicht zu sehr beachten."

Nils Petersen: „Das war ein hochverdienter Sieg für Dortmund, das einfach ein anderes Niveau hat. Dass wir heute gegen einen starken Gegner gespielt haben, darf keine Ausrede sein. Unser Einsatz hat gestimmt, aber wir haben dennoch zu viel vermissen lassen. Wir haben es verpasst, uns heute Bonuspunkte zu verschaffen. Aber das war heute eine andere Niederlage als in Augsburg, wir können heute in den Spiegel gucken und uns sagen, dass wir alles gegeben haben. Dennoch war es kein gelungener Nachmittag."

Ludovic Obraniak: „Ich hatte mir mein erstes Spiel natürlich anders vorgestellt. Ich bin jetzt sehr enttäuscht. Wir haben gegen eine der besten Mannschaften Europas gespielt, der BVB war uns in allen Belangen überlegen: sie waren spielerisch besser, physisch besser und taktisch besser. Dennoch spiegelt das Ergebnis nicht die Trainingswoche wider. Wir haben intensiv und gut gearbeitet, das müssen wir auch nächste Woche wieder tun. Denn gegen Gladbach zählen nur drei Punkte."

Aaron Hunt: „Wenn man 1:5 verliert, hat man wenig Argumente. Es hört sich zwar dumm an, aber wir haben ein besseres Spiel als in der letzten Woche gezeigt. Allerdings reicht es nicht, nur 20 Minuten gut zu spielen. Wir müssen 90 Minuten hellwach sein. Wir kassierten sehr viele Gegentreffer, das spricht nicht für uns. Wir sind wieder einmal frustriert und enttäuscht."

Zlatko Junuzovic: „Es fällt mir schwer, nach einem 1:5 die richtigen Worte zu finden. Dortmund hat uns nicht komplett überrollt. Sie hatten starke Aktionen nach vorne, die super herausgespielt waren. So kassierst du schnell fünf Stück. Ein 1:5 tut natürlich weh. Wir haben heute Ansätze in puncto Zweikampfverhalten Aggressivität, Umschaltspiel und Spiel nach vorne gezeigt. Aber es fehlt die Balance. Wir finden nicht die richtige Mischung zwischen Offensive und Defensive. Es wird immer enger und enger. Wir brauchen mal wieder ein Erfolgserlebnis, einen richtigen Adrenalinstoß. Insgesamt ist das eine sehr unangenehme Situation für uns."

Sebastian Prödl: „Das Ergebnis tut weh, aber es war kein wehrloser Auftritt von uns. Wir waren über weite Strecken der ersten Halbzeit mit dem BVB auf Augenhöhe. Doch die Dortmunder waren viel abgeklärter, gerade in der Chancenverwertung. Da müssen wir kaltschnäuziger werden. Wir wollten zu Beginn der zweiten Halbzeit den Anschlusstreffer erreichen und haben entsprechen weiter nach vorne gespielt. Wir wollten beweisen, dass wir noch leben. Insgesamt sind es Kleinigkeiten, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Im Vergleich zum Augsburg-Spiel war das um einiges besser, aber natürlich immer noch zu wenig."

Zur Aufstellung:

Robin Dutt: Ich habe der Mannschaft am Anfang der Woche gesagt, dass ich den Reset-Knopf drücke und jeder die Chance hat zu spielen. Die Reaktion jedes einzelnen Spielers war gut, aber da ich keine alten Verdienste in Erwägung gezogen habe, hat sich diese Mannschaft herauskristallisiert."

Zu Ludovic Obraniaks Debüt:

Aaron Hunt: „Er hat sich sein erstes Spiel auch ganz anders vorgestellt, aber man konnte sehen, dass er uns helfen kann. Er hat Ruhe am Ball und ein gutes Passspiel. Er kommt natürlich in einer Phase, in der es bei uns nicht gut läuft. Das ist schwer für ihn. Deshalb müssen wir ihm als Team helfen, dass er schnell zu seiner Topform findet."

Ludovic Obraniak selbst: „Ich konnte mir einen Eindruck davon verschaffen, wie stark die Liga ist. Es hat zehn Minuten gedauert, bis ich ins Spiel gefunden habe, danach war es aber ganz okay."

Robin Dutt: „Wir haben heute auch spielerische Akzente dabei gehabt, die ich lange nicht gesehen habe. Das lag sicher auch an Ludovic. Insgesamt hat er aufgezeigt, dass er uns mehr Ballsicherheit geben wird. Auch einige Chancen hat er gut vorbereitet. Es waren ein paar gute Sachen dabei."

Zu Ayciceks Bundesliga-Debüt und -Tor:

Levent Aycicek selbst: „Es ist ganz schwer, gegen Dortmund zu gewinnen. Das haben wir heute zu spüren bekommen. Natürlich freue ich mich über mein erstes Bundesligator und das Vertrauen des Trainers. Allerdings hat dieser Treffer nichts gebracht. Es überwiegt das schlechte Gefühl der Niederlage."

Robin Dutt: „Das ist der schönste Punkt des Tages: Debütant Aycicek erzielt das erste Bundesliga-Tor. Natürlich läuft er jetzt nicht grinsend durch die Gegend, aber im stillen Kämmerlein wird es sich über seinen ersten Einsatz und den Treffer freuen, was ich ihm absolut gönne."

Ausblick auf Mönchengladbach:

Robin Dutt: Die Situation dürfte eigentlich niemanden überraschen, da uns eine schwere Saison vorausgesagt wurde. Jetzt befinden wir uns im Kreise einiger Mannschaft, die ähnliche Probleme haben. Da muss der Trainer Ruhe ausstrahlen und intensiv mit dem Team arbeiten. Das werden wir in der kommenden Woche wieder machen. Außerdem brauchen wir die Unterstützung der Fans. Ich glaube, dass ist hier der entscheidende Unterschied zu den anderen Mannschaften."

Zlatko Junuzovic: „Wir müssen das Ruder jetzt herumreißen, den richtigen Schalter finden und als gesamtes Team wieder aufstehen. Wir sollten das Spiel jetzt richtig analysieren, in der kommenden Trainingswoche so gut wie möglich Selbstvertrauen tanken und in das Spiel gegen Gladbach nehmen. Da müssen wir einen Sieg erzwingen."

Nils Petersen: „Wir müssen auf nächste Woche schauen. Gladbach ist eher unser Gradmesser. Mit der Einstellung und den Fans im Rücken bin ich zuversichtlich, dass wir gegen Gladbach was holen werden. Dafür ist es wichtig, dass wir uns im Training den Spaß am Fußball wieder holen und als Mannschaft funktionieren. Da muss man sich auch an kleinen Dingen hochziehen."

Sebastian Prödl: „Wir stecken in einer schwierigen Phase. Allerdings haben wir alles selbst in der Hand. Wir haben im Herbst letzten Jahres auch schon mal solche eine Phase und haben dann gezeigt, dass wir es können. Jetzt haben wir wieder den Druck. Wir haben unmittelbar nach Spielende beschlossen, dass wir weiter zusammenhalten werden und die Trendwende schaffen wollen. Wir müssen die positiven Aspekte aus diesem Spiel herausgreifen."


Aus dem Weser-Stadion berichten Timo Volkmann und Dominik Kupilas