"Meine Geduld ist sehr strapaziert worden"

Robin Dutt war mit dem Auftreten seiner Mannschaft gegen Augsburg alles andere als einverstanden (Foto: nph).
Profis
Samstag, 01.02.2014 // 20:37 Uhr

Frust, Enttäuschung und Wut: Als Robin Dutt am späten Samstagnachmittag auf dem Podium saß, arbeitete es in ihm gewaltig. Werders Chefcoach war innerlich schon mittendrin, das zu hinterfragen, was ihm seine Mannschaft zuvor über 90 Minuten präsentierte. Einen kleinen Einblick davon gewährte er dann auch den anwesenden Medienvertretern auf der Pressekonferenz. „Meine Geduld ist heute sehr strapaziert worden. Ich bin alles andere als zufrieden. Wir haben überhaupt keinen Zugriff auf die Augsburger gefunden. Ich werde intern noch relativ deutliche Worte finden, da werden sich viele Spieler was anhören müssen. Die Liste ist nicht allzu klein. Welche Spieler auf dieser Liste stehen, behalte ich für mich. Ich bin sauer und muss mich jetzt wirklich etwas zurückhalten. Es war ein hochverdienter Sieg für Augsburg", zeigte sich der 49-Jährige überhaupt nicht mit der Leistung seiner Spieler beim 1:3 zufrieden.

Wie schmerzlich wurde Aaron Hunt gegen Augsburg vermisst? Wie wurde Santiago Garcias gelb-rote Karte kurz nach Wiederanpfiff bewertet und was machten Raphael Wolf sowie Lukas Schmitz kurz vor dem dritten Gegentreffer? Die Antworten darauf liefert WERDER.DE in den nachfolgenden Stimmen der Protagonisten.

Zum Spielausgang:

Thomas Eichin: „Das Spiel heute hat mir nicht gefallen. Es hat gleich mehrere Faktoren gegeben, warum wir diese Partie verloren haben. Wir haben zwei saudumme Gegentore kassiert, dazu einen Platzverweis. Der Hautgrund war für mich, dass wir von Anfang an nicht die Aggressivität und das Selbstbewusstsein hatten wie Augsburg. Wir müssen in gewissen Situationen zeigen, dass es auch ein Foul war. Da waren die Augsburger viel cleverer. In der Abwehr standen wir einigermaßen stabil, wir haben im Mittelfeld einfach nicht die Zweikämpfe gewonnen."

Sebastian Prödl: „Wir haben früh einen Treffer erzielt und damit das erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. Danach haben wir uns zu naiv angestellt und den Gegner dreimal eingeladen, gegen uns zu treffen. Das war keine gute Leistung von uns. Wir müssen dieses Spiel jetzt schnell abhaken."

Raphael Wolf: „Das war heute eine bittere Niederlage. Ich ärgere mich über alle drei Gegentore, das ist doch klar. Wir hauen uns alle rein, aber heute muss sich jeder einzelne von uns an die eigene Nase fassen. Es sollte auch mal ein Treffer zum Sieg reichen. Das war nicht gut."

Zum Platzverweis:

Thomas Eichin: „Wir verlangen, dass die Jungs aggressiv in die Zweikämpfe gehen. Es ist aber auch klar, dass sie das clever machen müssen. Santi muss lernen, dass es nicht nur mit Brachialgewalt geht. In der Bundesliga ist es heutzutage so, dass es unglaublich schnell eine gelbe Karte gibt. In diesem Bereich muss ich der Mannschaft mangelnde Cleverness vorwerfen. Das haben uns die Augsburger heute vorgemacht."

Sebastian Prödl: „Ich glaube, die rote Karte ist vertretbar. Wir haben nicht ungerechtfertigt mit zehn Leuten gespielt."

Raphael Wolf: „Ich habe es nur aus der Ferne sehen können, da es im anderen Strafraum passierte. Ich denke, dass Santi unbedingt das Tor machen wollte und deshalb so zum Ball geht."

Robin Dutt: „Ich habe heute mit vielen Spielern Redebedarf. Das werde ich auch noch in aller Deutlichkeit tun."

Zur Szene, die zum 1:3 geführt hat:

Raphael Wolf: „Ich kann mich nicht mehr so gut an die Szene erinnern. Ich habe mir den Ball, der außerhalb des Strafraums lag, extra noch in den Sechzehner vorgelegt, damit ich ihn mit den Händen aufnehmen kann. Dann kommt Hahn und kickt mir den Ball aus den Händen. Wenn das so war, dann ist es ein Foul. Wenn nicht, dann ist es mein Fehler."

Lukas Schmitz: „Ich glaube, dass Raphael vor mir am Ball war. Ich weiß es aber nicht mehr genau, weil es in Echtzeit sehr schnell ging. Wir haben beide die Möglichkeit, wenn wir besser kommunizieren, diesen Treffer zu verhindern."

Thomas Eichin: „Raphael macht einen sehr stabilen Eindruck. Die Situation sah unglücklich aus. Wir müssen ihn da jetzt wieder aufbauen."

Zum Ausfall von Aaron Hunt:

Thomas Eichin: „Aaron ist ein ganz wichtiger Spieler für uns, der im Offensivbereich für den einen oder anderen guten Pass sorgen kann und dazu torgefährlich ist. Er hat uns enorm gefehlt, auch was die Abgeklärtheit angeht. Sein Ausfall sollte dennoch keine Ausrede für die Niederlage sein."

Robin Dutt: „Wenn jeder einhundert Prozent gegeben hätte, hätten wir auch ohne Aaron was holen können. Daher möchte ich das nicht als Ausrede gelten lassen."

Ausblick auf die kommenden Aufgaben:

Sebastian Prödl: „Wir haben aus zwei Spielen nur einen Punkt geholt. Das ist zu wenig für unseren Anspruch. Wir schauen da natürlich auf unseren direkten Konkurrenten. Das Gute ist, dass wir alles selbst in der Hand haben. Gegen Dortmund und Gladbach können wir die Bilanz wieder verbessern."

Raphael Wolf: „Wir müssen zunächst schauen, dass wir hinten wieder besser stehen. Alles andere wird der Trainer in der kommenden Woche mit uns besprechen. Wir werden diese Dinge dann gezielt im Training angehen. Wir haben dann zwei Heimspiele, in denen wir punkten sollten. Wir haben gegen Leverkusen bereits bewiesen, dass wir große Gegner schlagen können."

Thomas Eichin: „Wir sind in einer Situation, die nicht anders ist als vor zwei oder vier Wochen. Wir dürfen uns so wie heute nicht verhalten. Dann wird es schwierig für uns. Ich bin mir aber sicher, dass wir uns bald wieder ganz anders präsentieren werden."

aus Augsburg berichtet Timo Volkmann