Das Team hat den Auftrag verinnerlicht

Zunächst nach dem Tor, später nach Abpfiff fiel die Anspannung beim Trainerteam ab. (Foto: nph)
Profis
Samstag, 17.08.2013 // 19:49 Uhr

Gänsehaut pur! Das erste Heimspiel knüpfte dort an, wo die letzten beiden Partien im Weser-Stadion aufhörten. Die „Danke, Thomas"-Choreographie endete mit dem Riesenbanner „Auf geht's, Robin", das Publikum war zu 100 % mit Werder infiziert und die Mischung aus Kampfgeist und Hochspannung hinterließ ein Dauerknistern auf den Tribünen. Ein Knistern, das sich am Ende in einem Knall der Erleichterung und Freude über sechs Punkte nach zwei „Zu Null"-Spielen entlud.

Nach dem Schlusspfiff fielen viele Werder-Profis völlig fertig zu Boden und Geschäftsführer Thomas Eichin, Cheftrainer Robin Dutt und Co-Trainer Damir Buric sich spontan in die Arme. Emotionen pur! „Das waren nervenaufreibende 90 Minuten gegen einen starken Gegner. Das Team hat eine super Mentalität entwickelt. Alle haben begriffen, dass es eine schwere Saison wird, dass unser Spiel mit Aufwand und Laufbereitschaft verbunden ist, aber auch mit dem festen Glauben an den Sieg. Und das spüren die Fans, deshalb stehen sie hinter uns, obwohl es vielleicht noch kein Traumfußball ist", lobte Thomas Eichin und verriet, dass ihn die Mannschaft sogar mitgerissen hat. „Ich bin auf der Bank schon ein bisschen aufgeladen, wenn du siehst wie die Jungs rackern und kämpfen. Heute hat mir das richtig Spaß gemacht."

So ging es offensichtlich auch Cheftrainer Robin Dutt, der ebenfalls die Mentalität als Schlüssel des Erfolges sieht. „Dieses Team hat in den letzten Wochen verinnerlicht, dass es eine ganz schwere Saison wird, dass wir um jeden einzelnen Punkt kämpfen müssen, dass diese Saison als Arbeitsauftrag zu verstehen ist und nicht als Schönspiel-Auftrag. Heute wurde das Team dafür belohnt, heute hatten wir nicht nur Glück, heute war es eine großartige Willensleistung."

Die weiteren Themen in der Mixed-Zone waren:

Über die neu zusammengestellte Viererkette:

Robin Dutt: „Ich hatte diese Variante schon sehr früh im Kopf, wollte aber noch nichts durchblicken lassen. Das hat gut geklappt. Mich freut das Spiel für Assani Lukimya, ein Vorzeige-Profi, ein Teamspieler, der sich immer reinhaut und heute da war, als er gebraucht wurde. Und er hat heute einige Zweikämpfe gewonnen. Auch Luca Caldirola hat eine gute Rolle gespielt, er hat die Erwartungen fast übertroffen."

Thomas Eichin:
„Mir hat Luca Caldirola auf links sehr gut gefallen. Da hat man mal gesehen, wie clever dieser Junge ist."

Über die Entwicklung in den kommenden Wochen:

Robin Dutt: „Das Team kann nicht perfekt sein, das Team muss noch nicht perfekt sein. Man entwickelt keinen neuen Stil mit 3:4- oder 4:5-Niederlagen, in denen man alle Statistiken gewonnen und schönen Fußball gespielt hat, sondern man entwickelt das über 1:0-Siege, Schritt für Schritt. Und ich spüre, dass die Fans diesen Weg mitgehen und das honorieren. Wir werden noch ein besseres Timing bekommen, dann stehen wir bei den Abseitstoren ein paar Zentimeter besser und sie zählen für uns."

Thomas Eichin: „Die spielerische Qualität wird sich noch steigern. Sie kommt Stück für Stück mit den gesammelten Punkten und dem damit verbundenen Selbstvertrauen. Dann werden wir auch die Konter richtig nutzen, die haben wir heute nicht setzen können. Normalerweise musste du hier das 2:0 machen und für Ruhe sorgen."

Aaron Hunt: „Es ist doch klar, dass noch nicht alles klappen kann. Wir haben gekämpft und uns reingebissen, das ist das, was momentan gefordert ist. Aber da ist ganz klar noch Luft nach oben. Zum Beispiel haben wir schlecht gekontert, wir hätten bei diesem Spielverlauf hier eigentlich zwei oder drei Tore machen können."

Über sechs Punkte nach zwei Spielen:

Aaron Hunt: „Das fühlt sich richtig gut an. Wir sind optimal gestartet. Das haben uns die wenigsten zugetraut."

Robin Dutt: „Laut Experten müssten wir jetzt auf Platz 18 stehen. Aber so ist es nicht. Jetzt steht erstmal fest, dass wir bis mindestens Ende September im gesicherten Mittelfeld stehen werden. Heute war aber nicht nur der zweite Sieg wichtig, sondern auch das zweite Spiel ohne Gegentor. Das tut uns sehr gut. Und wer genau hinschaut sieht, dass wir inklusive der letzten Testspiele in fünf von sechs Partien ohne Gegentor geblieben sind. Ich will nicht glauben, dass das nur Zufall oder der Schwäche des Gegners zuzurechnen ist."

Thomas Eichin: „Ich will nicht überheblich klingen, aber sechs Punkte aus diesen beiden Spielen, das war unser Plan. Jetzt können wir etwas beruhigter in die beiden Auswärtsspiele gehen. Mehr bedeutet das aber nicht. Die Bundesliga ist sehr schnelllebig. Die Tabelle hänge ich mir jedenfalls nicht übers Bett. Da schaue ich frühestens mal nach zehn Spieltagen drauf."

Sebastian Prödl: "Es ist in den ersten beiden Spielen gewiss noch nicht alles so gelaufen, wie gewünscht. Aber wir sind froh über die sechs Punkte und darüber, dass wir sorgenfrei gestartet sind. Wir sind lange nicht mehr so gut gestartet, können das aber gut einordnen und wissen, dass wir nicht so gut gespielt haben, wie es der Punktestand vermuten lässt."

Über die „Danke, Thomas"-Choreographie:

Robin Dutt: „Das war eine ganz tolle Aktion. Unsere Fans wurden in der letzten Woche ausgzeichnet. Ich habe das Gefühl, mit dieser Choreographie bewerben sich unsere Fans schon wieder für die nächste Auszeichnung."

Thomas Eichin: „Die Fans wollten Thomas nochmal gebührend verabschieden und das haben sie richtig toll gemacht. Das ging jedem im Stadion unter die Haut. Schön, dass sie auch unseren neuen Trainer willkommen geheißen haben."

aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Marcel Schmidt