Prödl-Interview: "Die Fans machen Werder zu einem großen Klub"

Nur zusammen geht's! Sebastian Prödl bedankt sich bei den Fans in der Ostkurve (Foto: nph).
Profis
Freitag, 04.04.2014 // 09:26 Uhr

Sebastian Prödl gehört seit Wochen zu den stärksten Spielern der Grün-Weißen. Hinten verleiht er der Mannschaft Stabilität und zuletzt trug sich der Österreicher sogar zweimal in Folge

Sebastian Prödl gehört seit Wochen zu den stärksten Spielern der Grün-Weißen. Hinten steht der Österreicher wie ein Fels in der Brandung, vorne sorgte er mit zwei Treffern in den letzten beiden Spielen für entscheidende Akzente. Nach dem Last-Minute-Treffer in Hannover und vor dem wichtigen Spiel gegen den FC Schalke 04 traf sich der Abwehrchef mit WERDER.DE zum Interview.

WERDER.DE: Hallo Basti, am Anfang der Woche hast du uns gesagt, du hättest nach dem Spiel in Hannover nicht besonders gut geschlafen. Konntest du den Schlafmangel schon beheben?

Sebastian Prödl: „Unabhängig von der Partie am Sonntag kann ich nach Spielen ohnehin nur selten gut schlafen. Oftmals verarbeitet man dann nochmal alles - auch, wenn man das manchmal gar nicht möchte. "

WERDER.DE: Ich kann mir aber vorstellen, dass du das am Sonntag sehr wohl wolltest ...

Sebastian Prödl: „Es war natürlich ein besonderes Highlight, das Tor gemacht und das Spiel gewonnen zu haben. Deshalb war das mit der Schlaflosigkeit noch extremer als sonst. Ich bin aber wieder erholt und blicke zuversichtlich auf das Spiel gegen Schalke."

WERDER.DE: Hand auf's Herz! Wie oft hast du dir dein Tor noch angeschaut?

Sebastian Prödl: „Ich habe es mir nochmal im Fernsehen angeschaut und auch nochmal im Kopf durchgespielt. Zum Glück hat die Antizipation gestimmt. Schon bevor der Ball auf meinem Kopf war, hatte ich die Überzeugung, dass ich jetzt jubelnd abdrehen werde. Es hat alles gepasst in der Situation und es war einfach geil. Aber eigentlich befasse ich mich nicht mit den guten Szenen, sondern mit den schlechten - mit den Szenen, die mir Kopfzerbrechen bereiten."

WERDER.DE: Lass uns kurz zurückblicken. Zum Ende der Hinrunde gegen Leverkusen standest du nach mehrwöchiger Verletzung für viele überraschend in der Startelf. Seitdem spielst du auf konstant hohem Niveau, gibst der Mannschaft enorme Stabilität. Was ist in der Reha passiert?

Sebastian Prödl: „Da ist gar nichts passiert (lacht). Das einzige, was mich in dieser Saison bisher gestört hat, war eben jene Verletzung. Davor hatte ich zwar Spiele, bei denen ich auch Ausreißer nach unten hatte, aber insgesamt bin ich mit meiner persönlichen Leistung - bis zum heutigen Tag - zufrieden."

WERDER.DE: Also war die damalige Leistung gegen Leverkusen und die guten Spiele danach purer Zufall?

Sebastian Prödl: „Zufall war das natürlich nicht. In der Reha bereitet man sich intensiv auf das Comeback vor. Aber meine Leistungen haben nicht direkt etwas mit diesem Spiel zu tun. Wir standen damals sehr unter Druck und sind durch den Sieg mit einem Erfolg in die Winterpause gegangen. Vielleicht war diese Partie eine Initialzündung."

WERDER.DE: In der Hinrunde musstest du zwischendurch mal auf der Bank Platz nehmen, wurdest dafür kritisiert, dass du die Rolle als Abwehrchef nicht ausfüllen könntest. Wie geht man damit um?

Sebastian Prödl: „Ich versuche das bestmöglich auszublenden, habe die Berichterstattung auch in dieser Woche bewusst nur sehr wenig verfolgt. Auch, wenn es dieses Mal positive Schlagzeilen waren."

WERDER.DE: Auf deiner Homepage konnte ich dein Lebensmotto finden. „Nur, wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden", heißt es da. Welche Rolle spielt das in solchen Phasen?

Sebastian Prödl: „Das trifft es jedenfalls ganz gut. Ich bin der Meinung, man sollte sowohl in guten wie in schlechten Phasen zunächst auf sich schauen, sich selbst reflektieren und sein eigenes Ziel nie aus den Augen lassen. Man muss sich selbst treu bleiben und das versuche ich."

WERDER.DE: War es dein Ziel der Abwehrchef zu sein, den Robin Dutt in dir sieht? Die Gazetten sehen in dir inzwischen jedenfalls den „Boss" und den „Leitwolf"...

Sebastian Prödl: „Ich kann die Berichterstattung sehr gut einschätzen und weiß, dass vieles davon nur aufgrund des entscheidenden Tores am Sonntag geschrieben wird. Aber ich versuche den Abwehrchef zu geben, den anderen zu helfen. Wenn der Trainer einem so eine Aufgabe gibt, versucht man diese natürlich bestmöglich auszufüllen. Ich denke, dass ist mir zuletzt über weite Strecken gut gelungen."  

WERDER.DE: Und du stehst nicht nur hinten sicher, sondern hast auch in den letzten beiden Spielen einen Treffer beigesteuert.

Sebastian Prödl: „Ich weiß, dass ich meine Kopfballstärke in der Offensive noch viel mehr einbringen muss. Ich war vor den letzten beiden Spielen schon enttäuscht, dass es bis dahin noch nicht geklappt hat mit einem Saisontor. Ich habe aber nie den Glauben daran verloren. Dass es jetzt zweimal hintereinander geklappt hat, ist natürlich schön. Vor allem über den Treffer gegen Hannover freue ich mich, das Tor gegen Wolfsburg hat ja nur einen Zwischenwert, weil es nicht zum Punktgewinn gereicht hat. Aber Tore pushen einen, keine Frage. Das ist ein Glücksgefühl und diese Erfolgserlebnisse steigern das Selbstvertrauen in allen Belangen."

WERDER.DE: Die Tatsache, dass ihr in dieser Saison schon neunmal ohne Gegentor geblieben seid, dürfte das Selbstvertrauen eines Defensivspielers ebenfalls steigern...

Sebastian Prödl: „Als ich unsere Defensive vor einigen Wochen nach drei gegentorlosen Spielen in Serie in einem Interview gelobt habe, haben wir danach gegen Freiburg und Wolfsburg direkt zweimal drei Tore kassiert. Aber es ist tatsächlich so, dass das eine Sache ist, auf die wir am Ende der Saison zurückblicken können. Wir haben uns in diesem Bereich definitiv verbessert - unabhängig davon, wie unser Torverhältnis am Ende ausfallen wird. Aber das müssen wir einfach noch konstanter abrufen."

WERDER.DE: Kurioserweise steht ihr trotz der vielen Zu-Null-Spiele aktuell mit 54 Gegentoren da ...

Sebastian Prödl: „Es wäre uns natürlich lieber gewesen, weniger Gegentore zu kassieren. Aber nicht, wenn das auf Kosten der Zu-Null-Spiele geht, in denen wir sicher gepunktet haben. Am Ende zählen die Punkte und nicht, ob man 45, 55, oder 60 Gegentore hat."

WERDER.DE: In welchen Bereichen hat sich die Mannschaft denn noch verbessert?

Sebastian Prödl: „Wir sind eine sehr gute Einheit geworden. Auch in sehr schwierigen Phasen haben wir immer zusammengehalten und waren immer da, wenn es drauf ankam. Im Team herrscht eine super Mentalität. Wir haben uns vom Mannschaftsklima sehr gut entwickelt, stehen zusammen, auch wenn es Probleme gibt. Selbst Spieler, die weniger Einsatzzeiten haben, lassen sich nicht hängen, sondern geben immer alles. Das ist ein großes Plus."

WERDER.DE: Kann dieses gute Klima in der Mannschaft am Ende den Unterschied ausmachen?

Sebastian Prödl: „Die Mentalität muss am Ende die entscheidenden Prozentpunkte ausmachen. Die Punkte, die wir bisher gesammelt haben, wurden uns nicht geschenkt. Wir haben uns diese durch unsere Mentalität sehr hart erarbeitet. Ich hoffe, dass das auch in den letzten sechs Spielen so bleibt. Das wäre wichtig, um den Klassenerhalt zu schaffen."

WERDER.DE: Und welche Rolle spielen die Fans?

Sebastian Prödl: „Die sind unglaublich wichtig für uns. Hannover dient da als sehr gutes Beispiel. Davor haben wir zwei Spiele abgeliefert, die nicht zufriedenstellend waren und dann herrscht da eine fast Champions-League-würdige Stimmung in Hannover. Die Fans haben uns nach vorne gepeitscht und das Spiel zu einem super Derby gemacht. Die treuen Werder-Fans sind auf jeden Fall ein Grund, dass der Verein trotz der aktuellen Situation ein großer Klub bleiben wird."

WERDER.DE: Am Samstag im Heimspiel gegen den FC Schalke habt ihr vor ausverkauftem Haus dann ja die Chance, die Fans mit einem Sieg zu belohnen.

Sebastian Prödl: „Den Fans ist es egal, gegen wen wir die Punkte holen. Aber natürlich wäre es schön gegen Schalke zu gewinnen. Dann könnten wir die letzten Wochen etwas stressfreier angehen."

WERDER.DE: Robin Dutt hat vor allem die starke Offensive der Schalker gelobt. Was für ein Spiel erwartest du?

Sebastian Prödl: „Schalke hatte in dieser Saison oft mit Ausfällen zu kämpfen, hatte aber dennoch immer eine Mannschaft auf Champions-League-Niveau auf dem Platz. Die haben einen sehr breiten Kader. In der Rückrunde haben sie bisher nur ein Spiel verloren und das war gegen Bayern - das spricht schon für sich. Sie haben einen Lauf, haben extremes Selbstvertrauen und sie werden auch hier versuchen das Spiel zu machen. Aber wir haben unsere Fans und auch einen Sieg im Rücken. Wir werden uns dagegen stemmen. Es wird ein hartes Stück Arbeit, aber das wird es auch für Schalke."

Das Interview führte Dominik Kupilas