Ex-Breisgauer Makiadi: "Freiburg unterschätzen? Das wäre fatal!"

Führt Cedrick Makiadi die Bremer am Samstag zum Heimsieg gegen den SC Freiburg? (Foto: Heidmann)
Profis
Mittwoch, 16.10.2013 // 19:31 Uhr

Seit nunmehr über acht Jahren spielt Cedrick Makiadi bereits im Fußballoberhaus. 184 Bundesliga-Spiele hat der Kongolese mit den norddeutschen Wurzeln auf dem Buckel. Im Fußball-Sprachjargon passt die ...

Seit nunmehr über acht Jahren spielt Cedrick Makiadi im Fußballoberhaus. 184 Bundesliga-Spiele hat der Kongolese mit den norddeutschen Wurzeln bereits auf dem Buckel. Im Fußball-Sprachjargon passt die Bezeichnung 'alter Hase' deshalb perfekt. Perfekt auch für den SV Werder, der vor der Saison genau diesen Erfahrungsschatz im Team haben wollte und den 29-Jährigen vom SC Freiburg, dem kommenden Gegner, loseiste.

Ein Gespräch über die Unterschiede beider Vereine und seine bisherige Rolle in der Mannschaft der Grün-Weißen. Warum es am Samstag, gegen 17.20 Uhr, einen lachenden Cedrick Makiadi zu sehen gibt, verrät der Nationalspieler ebenfalls.  

WERDER.DE: Die zwei wichtigsten Fragen vorweg: Wie fit bist du? Wirst du am Samstag 90 Minuten spielen können?

Cedrick Makiadi: „Ich denke schon. Ich bin nach meiner Verletzung körperlich auf dem Weg der Besserung. Ich habe letzten Freitag das Mannschaftstraining aufgenommen und entsprechend schon wieder ein paar Einheiten hinter mir. Ich fühle mich fit und bereit. Wenn mich der Trainer am Samstag spielen lässt, werde ich wieder Vollgas geben können."

WERDER.DE: Da wartet dann dein ehemaliger Verein, der SC Freiburg, auf euch. Du hast selbst vier Jahre im Breisgau gespielt. Kann die Partie am Samstag in die Kategorie ‚besonders schön‘ eingeordnet werden?

Cedrick Makiadi: „Es ist für mich auf jeden Fall ein außergewöhnliches Spiel. Ich war vier Jahre in Freiburg. Das ist im heutigen Fußballgeschäft nicht mehr unbedingt üblich. Ich habe in Freiburg durchgehend positive Zeiten erlebt. Vor allem der Abschluss war für mich toll. Wir haben uns für die Europa League qualifiziert, was uns niemand zuvor zugetraut hatte. Ich war Teil eines Vereins, der fünf Jahre am Stück in der ersten Liga geblieben ist. Das gab es dort zuvor noch nie. Das fühlt sich gut an."

WERDER.DE: Für Freiburg ist das erste Saisonviertel nicht optimal gelaufen. Neben Nürnberg sind die Breisgauer in der Liga noch ohne Sieg, was Platz 17 in der Tabelle bedeutet. Wie sind die Freiburger einzuschätzen?

Cedrick Makiadi: „Wenn man sich die Spiele der Freiburger anschaut, bleibt festzuhalten, dass in vielen Partien auch Pech dabei war, um letztlich auch einen Dreier einzufahren. Zudem haben sie im Pokal schon bewiesen, dass sie es können. Sie haben Stuttgart in der zweiten Runde nicht nur geschlagen, sondern auch über 90 Minuten beherrscht. Das zeigt, dass die Mannschaft gefährlich ist. Wir dürfen nicht den Fehler machen, naiv in die Partie zu gehen und dabei denken ‚Freiburg ist Vorletzter. Die werden wir mal eben so im Weser-Stadion besiegen‘. Das wäre fatal."

WERDER.DE: Sondern?

Cedrick Makiadi: „Die Freiburger gehen dank Trainer Streich mit einer tollen Mentalität in jedes Spiel. Freiburg wird auch hier in Bremen punkten wollen. Wir müssen daher absolut konzentriert sein. Es wird ein schweres Spiel. Wir müssen dagegenhalten und unseren Zuschauern mal wieder einen Heimsieg schenken."

WERDER.DE: Es gab zur neuen Spielzeit einen großen Aderlass im Freiburger Kader. Neben dir haben weitere Stützen wie Max Kruse, Daniel Caligiuri, Jan Rosenthal oder Johannes Flum den Verein verlassen. Wie gut kennst du die Mannschaft noch beziehungsweise wie gut kannst du sie einschätzen?

Cedrick Makiadi: „Einige Spieler, die jetzt noch bei Freiburg sind, kenne ich ja noch. Es sind selbstverständlich auch viele neue Spieler hinzugekommen. So etwas muss sich immer erst finden. In Freiburg ist das Spezielle, dass die Neuen erst einmal die Philosophie des Vereins aufsaugen müssen. Das braucht seine Zeit. Für uns wird das nicht leicht. Wir müssen die Herausforderung annehmen und werden das auch tun."

WERDER.DE: Welchen Spieler solltet ihr besonders gut im Auge haben?

Cedrick Makiadi: „Der SCF steht für mannschaftliche Geschlossenheit. Ich würde Jonathan Schmid herausheben. Er ist nach den vielen Abgängen in der Offensive eine wichtige Anspielstation. Auch Oliver Baumann ist ein guter Keeper."

WERDER.DE: Und welchen Spieler wirst du am Samstag zuerst persönlich begrüßen?

Cedrick Makiadi: „Ich begrüße den, der mir zuerst über den Weg laufen wird. (lacht) Aber mit Karim Guede und Fallou Diagne bin ich immer besonders gut zurechtgekommen. Mal schauen, ob ich sie erwische."

WERDER.DE: Du bist seit mittlerweile vier Monaten in Bremen. Wo sind die größten Unterschiede beider Vereine zu sehen?

Cedrick Makiadi: „Werder hat eine wesentlich größere Historie mit vielen, vielen erfolgreichen Europapokalabenden. Die letzten drei Jahre ist dies nicht mehr der Fall. Jedoch merke ich, dass hier ein Umdenken stattgefunden hat. Es wird versucht, den Verein zu stabilisieren, damit irgendwann wieder auf europäischer Bühne gespielt werden kann. Das sollte auch das Ziel eines großen Vereins wie Werder Bremen sein. In Freiburg geht es Jahr für Jahr um die Zielsetzung nicht abzusteigen."

WERDER.DE: Wie sieht es im Vergleich der beiden Städte aus?

Cedrick Makiadi: „Die Nähe zu meiner Heimatstadt Lübeck ist ein Riesenvorteil. Und auch Wolfsburg, wo ich noch viele Freunde habe, ist nicht allzu weit weg. Das ist schön für mich und meine Familie. Sowohl Bremen als auch Freiburg sind schöne Städte, wobei Bremen größer ist. Hier brauche ich immer ein bisschen länger, um durch die Innenstadt zu kommen." (lacht)

WERDER.DE: Werder hat vor der Saison einen erfahrenen Spieler gesucht, der an der Nahtstelle zwischen Abwehr und Mittelfeld ackert. Diese Rolle sollst du ausfüllen. Konntest du die Ansprüche bislang erfüllen?

Cedrick Makiadi: „Teilweise. Ich denke, ich kann noch mehr aus mir herausholen. Als neuer Spieler brauchst du immer etwas Zeit zum Eingewöhnen. Ich habe noch Luft nach oben, das weiß ich. Die Zeit des Kennenlernens ist jetzt vorbei. Das werde ich beweisen. Am besten auf dem Platz."

WERDER.DE: Mit deinem ersten Tor für Werder?

Cedrick Makiadi: „Ich sehne mich nach meinem ersten Treffer im Werder-Trikot, keine Frage. Wenn es am Samstag gegen Freiburg passieren sollte, würde ich mich sehr darüber freuen."

WERDER.DE: Was ist denn in dieser Saison für euch möglich?

Cedrick Makiadi: „Das Ziel ist ein Platz im gesicherten Mittelfeld. Das sollte auch möglich sein. Werder Bremen hatte zuletzt gegen den Abstieg gespielt. Das darf niemand vergessen. Wenn wir in dieser Saison unser Ziel erreichen, können wir im nächsten Jahr gerne mal wieder über Europa sprechen."

WERDER.DE: Drei Punkte gegen Freiburg würden dabei sicherlich helfen. Welchen Cedrick Makiadi werden die Werder-Fans am Samstag denn nach den 90 Minuten erleben?

Cedrick Makiadi: „Einen lachenden Cedrick Makiadi, der gegen seinen Ex-Verein gewonnen hat."


Das Interview führte Timo Volkmann