Bundesliga-Debüt? Martin ... wer?

Durfte beim Testspiel gegen den FC St. Pauli erstmalig Profi-Luft schnuppern: Martin Kobylanski (Foto: nph).
Profis
Freitag, 20.09.2013 // 16:36 Uhr

„Persönlich erhoffe ich mir, dass ich mich in der Mannschaft etabliere und zu einer festen Größe in dem Team heranreife. Langfristig möchte ich natürlich versuchen, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen", sagte Kobylanski noch vor über einigen Monaten in der Februarausgabe des WERDER JUNIOR. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Stürmer endgültig von der U19 in die U23 hochgezogen. Die Regionalliga-Saison beendete er schließlich mit der persönlichen Statistik von 17 Einsätzen, in denen er fünf Treffer markierte.

Sein Vater Andrzej hatte es geschafft. Zwischen 1993 und 1994 spielte Andrzej Kobylanski zwei Saisons in der höchsten deutschen Fußballklasse beim 1. FC Köln und setzte sich zwischen 2000 und 2003 bei Energie Cottbus als Bundesliga-Stürmer fest - ein Ziel, das Sohn Martin auch verfolgt. Seit etwas mehr als einem Jahr spielt der junge Angreifer beim SV Werder Bremen. Was in der U19 begann, könnte am Samstag in Hamburg in der Bundesliga mit den Profis zum ersten kleinen Höhepunkt in seiner Karriere werden. Denn Martin Kobylanski hat gute Chancen, erstmals im Bundesliga-Aufgebot der Grün-Weißen zu stehen. Doch wer ist eigentlich dieser junge Mann, der bereits für die deutsche und polnische Jugendnationalmannschaft auflief? Ein Überblick.

In der bisherigen Spielzeit blieb Kobylanski in drei Partien noch torlos. In der polnischen U19-Nationalmannschaft läuft es dagegen besser. Als Kapitän traf er in acht Spielen sieben Mal ins Netz. Dabei hatte er in der Vergangenheit sowohl das deutsche Dress (U16 und U18) als auch die polnischen Farben (U15 bis U19) getragen. Auf die Frage, für welche der beiden A-Nationalmannschaften er gerne endgültig spielen wolle, weiß er noch keine Antwort. "Ich würde mich mit meinem Vater beraten, da er bei Fußballangelegenheiten mein erster Ansprechpartner ist. Ehrlich gesagt wüsste ich es nicht. Ich bin glücklicherweise noch nie in die Situation gekommen", so der in Berlin geborene Angreifer .

Seine Stärken beschreibt das 19 Jahre alte Talent mit folgenden Worten: „Ich bin in der Offensive variabel einsetzbar. In Bremen habe ich bereits schon als offensiver Mittelfeldspieler oder als zentraler Mittelfeldspieler gespielt. Egal wo ich aufgestellte werde, ich versuche immer das Beste daraus zu machen."

Diese Stärken kann Kobylanski mittlerweile seit zwei Wochen in den Trainingseinheiten der Profis einbringen. Eine logische Konsequenz der Ausbildungsphilosophie von Cheftrainer Robin Dutt. Immer mal wieder will er Werders Talente aus dem Unterbau hochholen, um sie an die Profis heranzuführen. Mit der möglichen Nominierung für das Nordderby würde nun der nächste Schritt folgen, den Kobylanski laut Dutt jedoch richtig einordnen sollte. „Das heißt noch lange nicht, dass Martin danach dauerhaft bei den Profis dabei ist", so Dutt. Aus seinen Trainerzeiten in Freiburg und Leverkusen habe der jetzige Werder-Coach bereits häufig die Erfahrung gesammelt, dass die Karriere für junge Akteure nach zwei Minuten Bundesliga und anschließender Rückversetzung in die U23 gefühlt beendet gewesen sei.

Sollte Kobylanski also am Freitagnachmittag im Mannschaftsbus nach Hamburg sitzen, würde er sicher mit seinem Vater über seine ersten Eindrücke im Profiteam sprechen. „Zurzeit ist er stark in seinem neuen Beruf als Sportdirektor beim polnischen Erstligisten Korona Kielce eingebunden. Er würde gerne alle Spiele von mir mitverfolgen, aber das geht leider nicht. Dafür telefonieren wir meistens nach den Spielen und ergibt mir wichtige Ratschläge. Er ist mein größter Förderer aber auch mein größter Kritiker."

Vater Andrzej ist dem Sohnemann 88 Bundesliga-Spiele voraus. Am Samstag, 17.20 Uhr, könnte Martin Kobylanski zumindest den ersten Schritt machen, um es dem 'Senior' in ein paar Jahren gleichgetan zu haben.

von Timo Volkmann