Nach langer Leidenszeit: "Richtig Bock auf Teamtraining"

Mit im dritten Trainingslager in Blankenhain dabei: Werders Keeper Raphael Wolf.
Profis
Sonntag, 21.07.2013 // 19:20 Uhr

Vor einem Jahr wechselte Raphael Wolf vom SV Karpfenberg aus Österreich zum SV Werder. Statt Bundesliga-Einsätzen sammelte der Keeper aufgrund zweier langwieriger Verletzungen vor allem ...

Vor einem Jahr wechselte Raphael Wolf vom SV Kapfenberg aus Österreich zum SV Werder. Statt Bundesliga-Einsätze sammelte der Keeper aufgrund zweier langwieriger Verletzungen vor allem Reha-Minuten. Nun steht er kurz vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining. "Raphael ist ein guter Typ. Man sieht sofort, dass er ein guter Torwart ist, die Abläufe stimmen", weiß Torwarttrainer Marco Langner um die Qualitäten des Torwarts. WERDER.DE traf sich im Trainingslager in Blankenhain mit dem 25-Jährigen zum Interview.

WERDER.DE: Hallo Raphael, nach langer Verletzungspause bist du seit Vorbereitungsbeginn wieder regelmäßig auf dem Platz anzutreffen. Wie geht es dir?

Raphael Wolf: Ich fühle mich gut und bin, soweit es geht, schon wieder im Torwarttraining. Anfang August bin ich dann wieder gesundgeschrieben. Dann will ich wieder voll mit der Mannschaft trainieren. Das sind ja zum Glück nur noch wenige Tage.

WERDER.DE: Das Knie macht also keine Probleme mehr?

Raphael Wolf: Das Knie fühlt sich sehr gut an, ich habe keine Beschwerden und hoffe, dass es hält. Für den Einstieg ins Mannschaftstraining fehlen aber noch wenige Prozente.

WERDER.DE: Solltest du Anfang August wieder mit den Kollegen trainieren können, wärst du ziemlich genau fünf Monate rausgewesen.

Raphael Wolf: Stimmt, der OP-Verlauf war gut, der Verlauf der Reha ebenfalls. Ich hatte wirklich so gut wie keine Rückschläge, wurde durch unsere Physiotherapeuten und unserem Mannschaftsarzt Dr. Götz Dimanski sehr gut betreut, da gibt es nichts zu bemängeln.

WERDER.DE: Mit dem Heilungsprozess bist du also vollkommen zufrieden?

Raphael Wolf: Das hat alles gepasst. Natürlich war ich manchmal auch ungeduldig, wollte hier und da etwas schneller was machen, weil ich mich gut gefühlt habe, aber das ist normal, auch, wenn man vieles in dem Moment nicht verstehen will. Der Heilungsverlauf sieht dann etwas anderes vor.

WERDER.DE: Wie schwer fällt es dann zu verstehen, dass du trotz guten Gefühls noch auf deine endgültige Rückkehr warten musst?

Raphael Wolf: Ich merke beim Torwarttraining, dass ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Prinzipiell kann ich schon wieder alle Bewegungen machen - sprinten, laufen, springen usw. Trotzdem habe ich manchmal noch Respekt, aber das ist ein Schutzmechanismus des Körpers und das wird von Tag zu Tag besser. Das sind die zwei, drei Prozent, die noch fehlen. Daran arbeite ich aber in den nächsten Tagen und dann kommen auch schnell die Automatismen wieder.

WERDER.DE: Du bist jetzt ein Jahr beim SV Werder. Würdest du von einem Seuchenjahr sprechen?

Raphael Wolf: Kein Seuchenjahr! Die Entscheidung für Werder ist auch nach einem Jahr noch die richtige gewesen, aber sicherlich hätte ich mir einiges anders vorgestellt. In diesem Jahr ist viel passiert.

WERDER.DE: Wegen der beiden Verletzungen?

Raphael Wolf: Wenn man die beiden Ausfälle zusammenrechnet, war ich im ersten Jahr acht Monate raus. Das war natürlich ein Rückschritt für mich, aber das kann ich nicht ändern. Aber auch darüber hinaus war es ein skurriles Jahr: Klaus Allofs hat den Verein verlassen, Thomas Schaaf ist auch weg und privat hatte ich den Tod meines Vaters zu verkraften.

WERDER.DE: Da liegt die Vermutung nahe, dass du dich im zweiten Jahr auf eine Art „Normalität" freust?

Raphael Wolf: Ich habe richtig Bock darauf, wieder mit dem Team zu trainieren, Druck zu spüren und Spiele zu spielen - das ist mir schon abgegangen. Ich möchte einfach spielen, ohne mir Gedanken über meine Gesundheit machen zu müssen. Aber durch den Trainerwechsel kommen jetzt erst mal wieder viele neue Aspekte hinzu.

WERDER.DE: Apropos neue Trainer. Wie ist der erste Eindruck?

Raphael Wolf: Der Trainer hat schon das eine oder andere Gespräch mit mir geführt. Das war sehr sympathisch. Es hat alles Hand und Fuß, was hier passiert. Und auch das Torwarttraining mit Marco Langner bringt mir viel Spaß. Ich habe bisher noch nicht so viel mit ihm trainiert, aber was er macht, gefällt mir sehr gut. Für die Entwicklung ist hier alles gut!

WERDER.DE: Wie sehen die nächsten Schritte aus? Fit werden und dann?

Raphael Wolf: Fit werden steht ganz weit oben. Dann werde ich das ein oder andere Spiel machen. Und wenn ich wieder fit bin, werde ich wieder mit ,Miele‘ in Konkurrenz treten - auch wenn der Trainer sich zunächst festgelegt hat. Das kann ich übrigens gut nachvollziehen, aber natürlich möchte ich auch gerne spielen. Ich bin zu jung, um mich nur auf die Bank zu setzen.


Das Interview führte Dominik Kupilas