Kroos: ''Jeder muss Verantwortung übernehmen''

Seit 2010 kickt Felix Kroos im Werder-Trikot. In dieser Saison stand er 17-mal in der Bundesliga auf dem Platz (Foto: Getty).
Profis
Donnerstag, 17.04.2014 // 20:00 Uhr

Zwei langwierige Knieverletzungen, eine unglückliche Gelb-Rot-Sperre und dennoch ist die aktuelle Saison für Felix Kroos unter dem Strich positiv gelaufen. Der 23-Jährige hat endgültig den Sprung von ...

Zwei langwierige Knieverletzungen, eine unglückliche Gelb-Rot-Sperre und dennoch ist die aktuelle Saison für Felix Kroos unter dem Strich positiv gelaufen. Denn: Der 23-Jährige hat endgültig den Sprung von der U 23 zu den Profis geschafft. Chefcoach Robin Dutt baut auf den Defensivakteur, musste allerdings dreimal während der Saison auf den gebürtigen Greifswalder verzichten. Keine leichte Situation für Kroos, der nach seinem Durchbruch und der Vertragsverlängerung vor der Saison am liebsten durchgängig auflaufen würde. Doch in seinen insgesamt 17 Saisoneinsätzen konnte er dank guter Leistungen nicht nur Eigenwerbung betreiben, sondern auch jede Menge Selbstvertrauen tanken.  

Mit WERDER.DE sprach Felix Kroos im Interview über den Status quo seiner Reha, das Wichtigste während einer Verletzung, sein ganz persönliches Jubel-Vorbild aus der amerikanischen Basketballliga und über einen kleinen Wettstreit mit Kumpel Philipp Bargfrede.

WERDER.DE: Am letzten Sonntag standst du zum ersten Mal nach deiner Kapselverletzung im Knie wieder mit dem Ball am Fuß auf dem Platz, die Teamkollegen zumindest in Sichtweite. Wie läuft deine Genesung?

Felix Kroos: „Es läuft gerade sehr gut und ich habe quasi keine Probleme mehr. Laufen, schießen, sprinten - all das geht schon wieder. Da es das gleiche Knie war, in dem ich auch meinen Innenbandriss hatte, habe ich mittlerweile ein bisschen Erfahrung und weiß, wann ich wieder einsteigen kann. Das Knie ist stabil. Jetzt erhole ich mich noch ein paar Tage, baue die nötige Kondition und Sicherheit auf und dann kann's wieder losgehen (lacht)."

WERDER.DE: Allerdings stehen noch vier Spiele aus. Was erhoffst du dir persönlich noch vom Saisonendspurt?

Felix Kroos: „Die Partie jetzt am Wochenende gegen Hoffenheim kommt leider zu früh, aber ab nächster Woche hoffe ich, wieder fit zu sein und wenn möglich die letzten drei Spiele bestreiten zu können. Natürlich nur wenn alles normal läuft und mich der Trainer dann auch aufstellt."

WERDER.DE: Für dich war es eine „verrückte" Saison: Einerseits hast du mit 17 Einsätzen so viele Spiele bestritten wie nie zuvor, auf der anderen Seite haben dich zwei Verletzungen und eine Sperre nach der Gelb-Roten gegen Frankfurt mehrfach zurückgeworfen. Jede Menge ups und downs also...

Felix Kroos: „Sobald ich fit und nicht gesperrt war, war ich eigentlich immer dabei. Das war auf jeden Fall ein großer Fortschritt gegenüber den letzten Saisons. Es freut mich, dass ich da einen Schritt nach vorne gemacht habe. Natürlich haben mich die Verletzungen und die Sperre zu einem ungünstigen Zeitpunkt zurückgeworfen. Aber Verletzungen kommen nie zur richtigen Zeit und im Fußball geht es nun mal nicht immer nur nach oben - da gibt es auch Rückschläge. Entscheidend ist, wie man damit umgeht und sie verarbeitet. Man ärgert sich einen Tag und am zweiten muss das schon wieder abgehakt sein. Denn je eher du wieder nach vorne gucken kannst, desto schneller wirst du auch wieder fit. Ich denke, ich habe die Ruhe bewahrt und weiß was ich kann. Das konnte ich diese Saison zeigen. Seine Stärken zu kennen und zusätzlich das Vertrauen seitens des Trainerteams zu spüren, gibt einem Mut. Es lässt dich auch während einer Verletzung nach vorne blicken und dadurch schneller fit werden."

WERDER.DE: Ein tolles Erlebnis war sicherlich dein erstes Bundesliga-Tor auf Schalke. Was war das für ein Gefühl und bleibt so ein Tor als wichtiger Meilenstein hängen?

Felix Kroos: „Das erste Bundesligator wird man nie vergessen. Das ist das, wovon man träumt, wenn man anfängt Fußball zu spielen und die komplette Jugend durch. Jeder will dieses Gefühl erleben. Ich bin froh, dass es geklappt hat, will mich darauf aber nicht ausruhen. Wer einmal dieses Gefühl durchlebt hat, der will es wieder und wieder spüren. Auch wenn Toreschießen nicht meine Hauptaufgabe ist, will ich noch einige Male treffen."

WERDER.DE: Schließlich willst du deinen Kumpel Philipp Bargfrede, der mittlerweile ja schon zweimal getroffen hat, bestimmt möglichst bald wieder überflügeln?

Felix Kroos (lacht): „Klar, das kann ich so natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Da muss ich möglichst bald nachlegen..."

WERDER.DE: Mit 'Bargi' konkurrierst du im defensiven Mittelfeld um einen Startelfplatz, verstehst dich gleichzeitig aber auch privat sehr gut mit ihm. Ihr seid beide schon ein paar Jahre im Verein. Wie ist das, wenn man mit einem Kumpel und langjährigen Teamkollegen um einen Stammplatz im Team kämpft?

Felix Kroos: „Der Konkurrenzkampf im Team wird von den Medien immer höher gehängt als er in Wirklichkeit ist. Natürlich will man einen Stammplatz, aber man steht im selben Team und spielt niemals gegeneinander. Philipp und ich verstehen uns richtig gut, sind auf einer Wellenlänge und da kann so eine Konkurrenz überhaupt nichts dran ändern. Am liebsten würde ich mit ihm zusammen spielen. Ich denke auch, dass das möglich ist, schließlich haben wir in der Endphase der letzten Saison bereits zusammen gespielt - und das meiner Meinung nach ganz gut gemacht. Es kann zum Beispiel auch ein Vorteil sein, wenn man sich auch außerhalb des Platzes sehr gut versteht."

WERDER.DE: Bargfrede hat wie erwähnt zwei Bundesligatreffer, du hast nach deinem Premierentor gejubelt wie Basketballspieler Vince Carter und anschließend auf Instagram gepostet „Feeling like Vinsanity!". Was verbindet dich mit dem Basketball?

Felix Kroos: „Ich bin ein riesengroßer Basketballfan durch Dirk Nowitzki geworden und ein Anhänger von den Dallas Mavericks. Ich versuche so viele Spiele wie möglich zu gucken, auch wenn das nicht immer so ganz einfach ist - schließlich sind die Partien mitten in der Nacht. Aber bei mir ist es so, dass ich überhaupt nicht schlafen kann, wenn ich selbst gespielt habe. Mit Basketball kann ich mich dann gut ablenken. Oder wenn am nächsten Tag frei ist, gucke ich mir die Duelle nachts an. Neben Nowitzki ist Vince Carter mein absoluter Lieblingsspieler und von ihm habe ich mir den Jubel abgeguckt, den er nach spektakulären Körben macht."

WERDER.DE: Und wie sieht's mit deinen Dunking-Fähigkeiten aus?

Felix Kroos: "Ich würde auch selber gerne mehr Basketball spielen, aber die Zeit ist dafür manchmal einfach zu knapp. Wenn ein Korb in der Nähe ist, dann nehme ich schon mal ein paar Würfe, aber ich würde das gerne noch viel häufiger machen."

WERDER.DE: Die Dallas Mavericks haben gerade gegen die Grizzlies in der Overtime ganz knapp mit 105:106 verloren und müssen als Achter der Western Conference gegen die San Antonio Spurs ran. Du als Basketballexperte: Haben sie trotzdem eine Chance, schließlich haben die Play-Offs ja ihre eigenen Gesetze?

Felix Kroos: „Sicher ist die Chance da, auch wenn sie nur Außenseiter sind. Im Westen ist die Leistungsdichte groß. Ich hätte mir zwar lieber die Oklahoma Thunder als Gegner gewünscht, aber das kann man sich wie im Fußball leider nicht aussuchen (lacht)."

WERDER.DE: Was würdest du von der Einführung von Play-Offs im Fußball, beispielsweise in der Bundesliga, halten?

Felix Kroos: „Davon halte ich nicht viel. Ich finde, jede Sportart muss ein Stück weit ihre Eigenarten behalten und ich denke, dass System der Ligen funktioniert im Fußball sehr gut. Daran würde ich nichts verändern. Natürlich gibt es immer wieder verschiedene Ideen, aber man muss auch nicht bei jeder Sache Hurra schreien."

WERDER.DE: Du hast vor der Saison deinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. Im Sommer bricht die zweite Spielzeit nach der Vertragsverlängerung und deine insgesamt fünfte bei Werder für dich an. Wie sehen deine Pläne für die kommende Saison aus?

Felix Kroos: „Thomas Eichin hat mir vor der Vertragsverlängerung versichert, dass ich hier meine Chance bekommen werde und so ist es gekommen. Ich habe rückblickend betrachtet alles richtig gemacht, den Vertrag hier verlängert zu haben. Momentan schaue ich gar nicht so weit in die Zukunft, sondern will mit dem Team die Saison ordentlich zu Ende bringen. Irgendwann in der neuen Spielzeit wird man sich dann zusammensetzten, aber darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken gemacht."

WERDER.DE: Du sprichst es an, die aktuelle Saison ist geprägt vom Abstiegskampf. Aktuell steht Werder bei 33 Punkten. Was erwartest du vom Saisonendspurt?

Felix Kroos: „Wir müssen Punkte holen und so schnell wie möglich auch rechnerisch alles klar machen. So simpel ist das. Keiner hat Lust wieder bis zum vorletzten Spieltag zittern zu müssen. Wir müssen kämpfen, auch wenn das abgedroschen klingt und jeder behauptet, aber es ist schlichtweg so. Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was unsere Chancen betrifft. Gerade nach so Rückschlägen wie zuletzt in Mainz, die wir in dieser Spielzeit schon öfter hatten, sind wir immer gestärkt daraus hervorgegangen. Auf diese Stärke vertraue ich."

WERDER.DE: Thomas Eichin und Robin Dutt haben immer wieder betont, dass auch die nächsten Jahre sportlich eine Herausforderung werden. Was glaubst du, wie geht es für Werder in nächster Zeit weiter?

Felix Kroos: „Ich denke auch, dass es für Werder in der nächsten Zeit nicht einfach wird. Aber jeder, der hier ist, kann seinen Teil dazu beitragen, dass es aufwärts geht. Das ist in meinen Augen eine Aufgabe und Herausforderung für jeden, da muss jeder Einzelne von uns Verantwortung übernehmen. Ich bin hier, um meinen Teil dazu beizutragen."

Das Interview führte Yannik Cischinsky