Junuzovic-Interview: "Jeder wittert seine Chance"

Profis
Mittwoch, 10.07.2013 // 09:34 Uhr

Zlatko Junuzovic spielt seit anderthalb Jahren im Werder-Dress und hat in dieser Zeit 45 Bundesliga-Spiele bestritten. Trotz seiner erst 25 Jahre zählt er mittlerweile bereits zu einem der Routiniers im ...

Zlatko Junuzovic spielt seit anderthalb Jahren im Werder-Dress und hat in dieser Zeit 45 Bundesliga-Spiele bestritten. Trotz seiner erst 25 Jahre zählt er mittlerweile zu den Routiniers im Team. Ein Gespräch über seine 'Berg-Angst', die Veränderungen in der täglichen Trainingsarbeit und die tolle Fanunterstützung im Zillertal.

WERDER.DE: Hallo Juno, die ersten zwei Tage harte Arbeit sind vorbei, ist es leichter, wenn in heimischen Gefilden der Übergang vom Urlaub in die Vorbereitung stattfindet?

Zlatko Junuzovic: Also heimische Gefilde sehen anders aus. Ich bin ein Stadtkind und bin gar nicht so oft in den Bergen. Im Zillertal bin ich nach unserem Trainingslager im letzten Jahr erst zum zweiten Mal. An mir ist kein Tiroler verloren gegangen. Ich kann das gut eine Woche aushalten, auch ein bisschen genießen, aber dann freue ich mich auch wieder raus aus dieser Idylle zu kommen. Die Berge machen mir sogar ein bisschen Angst. Ich war noch nie über 3.000 Meter.

WERDER.DE: Ungewöhnlich für einen Österreicher?

Zlatko Junuzovic: Da ist jetzt aber etwas Klischee im Spiel. Angst ist vielleicht auch etwas zugespitzt. Aber wenn man sich hier umschaut, dann sind diese Berge doch gigantisch. Wenn man oben ist, bieten sie einen tollen Ausblick, hier unten engen sie den Blick ganz schön ein. Am Montag hatten wir einen Mannschaftsabend mit Sponsoren auf einer Berghütte. Da ging es die kleinsten Straßen mit einem Bus hoch, da wurde mir schon ein bisschen mulmig, es war sehr kurvig und sehr steil.

WERDER.DE: Aber du bist ja zum Arbeiten da.

Zlatko Junuzovic: Genau, und dafür ist hier alles perfekt vorbereitet. Qualitativ perfekte Hotels wie unser Theresa, tolle Plätze, viel Ruhe im Umfeld.

WERDER.DE: Wie schmeckt denn die Arbeit unter dem neuen Trainer?

Zlatko Junuzovic: Viel kann ich nach zwei Tagen noch nicht sagen, aber ein paar Kleinigkeiten fallen auf. Wir beginnen die Trainingseinheiten immer mit einer kurzen Ansprache im Hotel, in der Robin Dutt genau sagt, was auf dem Programm steht, was geschult werden soll, auf was wir uns konzentrieren sollen. Inhaltlich arbeiten wir gerade sehr an der Organisation des Teams auf dem Feld. Es ist interessant. Aber auch intensiv und hart. Aber das ist immer so nach dem Urlaub und ich bin ein Typ, der seinen Schweinhund sehr gut austricksen kann.

WERDER.DE: Weitere Auffälligkeiten?

Zlatko Junuzovic: Es herrscht eine sehr gute Mischung aus Lockerheit und absoluter Konzentration. Wenn wir das über die Saison dauerhaft durchziehen könnten, wäre es toll.

WERDER.DE: Auffällig ist auch, dass kein Ziel ausgerufen wird. Da kann man fragen, wen man will.

Zlatko Junuzovic: Das ist richtig. Wir haben dazugelernt. Ich wünsche mir einfach nicht noch einmal eine solche Stress-Saison. Wir wollen schnell unten rauskommen, keinen Träumereien nachjagen und möglichst viele Punkte sammeln. Wenn wir uns im ganz sicheren Mittelfeld festigen, wäre das ein guter Schritt.

WERDER.DE: Es ist deine zweite volle Saison, in die du startest, damit bist du hier ein Routinier. Welche Rolle wirst du spielen?

Zlatko Junuzovic: Sicher, aber hier starten alle bei Null. Die Routine wird nicht weiterhelfen. Ich muss mir meinen Stammplatz auch erst erkämpfen. Und gerade im zentralen Mittelfeld sind wir sehr dicht besetzt. Wenn man durchzählt, stellt man schnell fest, hier kämpfen acht bis neun Spieler aussichtsreich um die Stammplätze. Das ist hart. Positiv finde ich, dass diese Situation im Training jeden unheimlich motiviert. Jeder weiß, dass er seine Chance nutzen kann und dass er eine Chance hat.

WERDER.DE: Du bist also trotz Aufbruch optimistisch?

Zlatko Junuzovic: Nach dem ersten Eindruck ein klares Ja! Wir sind auf den meisten Positionen fast dreifach besetzt, allein dieser Konkurrenzkampf wird noch einiges aus dem Team rausholen. Optimistisch bin ich vor allem, weil ich das Gefühl habe, dass die gesamte Gruppe nach vorne schaut, positive Gedanken damit verbindet. Das ist ein Wandel.

WERDER.DE: Traditionell sehr gefragt sind außer dir auch die anderen österreichischen Teamkollegen bei den Menschen hier. Das liegt sicher auch an der WM-Euphorie. Ihr habt gute Karten in Brasilien dabei zu sein.

Zlatko Junuzovic: Der Sieg gegen Schweden im letzten Spiel hat die Begeisterung etwas angefacht. Doch wir sollten Schritt für Schritt gehen, wir haben noch ein sehr schweres Programm. Erst gegen Deutschland, wo wir uns Außenseiter-Chancen ausrechnen, aber danach sind wir in der Pflicht. Gegen Schweden, Färöer und Irland müssen mindestens sieben Punkte her. Dann haben wir eine Chance auf Platz zwei hinter Deutschland und die Teilnahme an den Playoffs. Aber zurück zum Thema Begeisterung, es sind auch sehr viele Werder-Fans aus Deutschland hier, die uns ansprechen.

WERDER.DE: Ungefähr 400 sollen in Zell am Ziller und Umgebung sein.

Zlatko Junuzovic: Diese Unterstützung ist schon verrückt. Sie fahren hunderte Kilometer, um uns zu sehen. Die Unterstützung zum Saisonende findet hier seine Fortsetzung. Das bekommt man beim Training mit und ist eine große Unterstützung auf dem Platz. Ein Riesen-Kompliment an unsere Fans.

WERDER.DE: Zum Schluss noch die Frage, wer muss sich eigentlich deine Urlaubsgeschichten anhören?

Zlatko Junuzovic: (lacht) Wie bisher auch: Theo Gebre Selassie. Wir bilden seit letztem Jahr ein gutes Team. Zuhören kann er perfekt. Er hat sein deutsch stark verbessert, versteht alles, nur mit dem Sprechen hält er sich zurück, da muss ich ihn immer ein bisschen motivieren. Er hilft mir dafür, mein Englisch zu verbessern. Das passt.

WERDER.DE: Wer macht eigentlich die Zimmereinteilung?

Zlatko Junuzovic (lacht wieder) Die Zimmer werden so eingeteilt, aber wir schauen, dass bei der Einteilung keine Fehler gemacht werden.


Das Interview führten Michael Rudolph und Dominik Kupilas