Gauchos im Doppel-Interview: "Alles ist hier anders"

Angekommen im Herzen Bremens und in den Herzen der Bremer: Santiago Garcia und Franco Di Santo vor dem Rathaus.
Profis
Sonntag, 04.05.2014 // 11:41 Uhr

Das Südamerika-Duo Franco Di Santo und Santiago Garcia hat mittlerweile fast seine erste Spielzeit beim SV Werder hinter sich. Seit letztem Mittwoch steht nun auch fest: 'Santi' und Franco werden in ...

Das Südamerika-Duo Franco Di Santo und Santiago Garcia hat mittlerweile fast seine erste Spielzeit beim SV Werder hinter sich. Seit letztem Mittwoch steht nun auch fest: 'Santi' und Franco werden in den kommenden Jahren weiterhin in einem Team spielen können. Für WERDER.DE Grund genug, um sich mit den beiden Gauchos zu treffen, mit ihnen ein grün-weißes Resümee zu ziehen und mit ihnen in die berühmte Glaskugel zu blicken. Warum in Deutschland alles anders ist, was sich Garcia nach seiner Vertragsverlängerung erhofft und wo Di Santo das Treiben der Bremer am liebsten beobachtet, verraten die Argentinier im Doppel-Interview.

WERDER.DE: Hallo Santi, hallo Franco! Der 2:0-Sieg der Mannschaft über Hertha BSC liegt keine 24 Stunden zurück. Wie froh seid ihr, das letzte Heimspiel in dieser Saison gewonnen zu haben?

Franco Di Santo: „Sehr froh, vor allem, weil es auch ein Sieg für unsere Fans war. Wir hatten uns fest vorgenommen, dass wir ihnen etwas zurückgeben müssen nach all der grandiosen Unterstützung im gesamten Spieljahr. Und am besten macht man das mit drei Punkten - das ist uns gelungen."

Santiago Garcia: „Nach der doch eher schwächeren ersten Halbzeit haben wir in der Kabine besprochen, dass uns ein Punkt zu wenig ist. Wir haben dann besser und zielstrebiger nach vorne gespielt. Und zum Glück hat Aaron dann auch zweimal getroffen. Toll für ihn, toll für uns und vor allem toll für die Fans."

WERDER.DE: Toll ist für alle auch deiner neuer Vertrag, Santi. Wir wollen natürlich die Chance nutzen, dir an dieser Stelle dazu zu gratulieren. Wie fühlt es sich ein paar Tage später an, tatsächlich drei weitere Jahre ein Grün-Weißer zu sein?

Santiago Garcia: „Vielen Dank! Ich bin wirklich sehr glücklich über meinen neuen Vertrag und freue mich auf die nächsten Jahre. Ich hoffe, dass ich hier eine erfolgreiche Zeit haben werde. Mein Ziel ist es, möglichst viele Spiele zu gewinnen und Schritt für Schritt nach oben zu kommen."

WERDER.DE: Was bedeutet der Verbleib von Santi für dich, Franco?

Franco Di Santo: „Ich bin auch sehr froh darüber, dass er bleibt. Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, aber vor allem verstehen wir uns auch privat sehr gut, unternehmen auch außerhalb des Platzes sehr viel. Für mich ist es schön, mit ihm noch einen Argentinier hier zu haben." 

WERDER.DE: Könnt ihr uns verraten, was ihr macht, wenn ihr in der Freizeit etwas unternehmt?

Santiago Garcia: „Wir treffen uns gerne privat zu Hause und essen ausgiebig zusammen. Am liebsten mag ich es zu grillen, das werde ich diesen Sommer noch einige Male machen. Aber ich mag auch den Bürgerpark sehr gerne. Da ist es schön idyllisch und ruhig."

WERDER.DE: Und wie ist das bei dir, Franco?

Franco Di Santo: „Ich mag es auch, sich privat bei Freunden zu treffen, gehe aber auch gerne in die Innenstadt, um einen Kaffee trinken und das Treiben zu beobachten (lacht)." 

WERDER.DE: Ihr habt jetzt beide (fast) die erste Saison beim SV Werder hinter euch. Wie würdet ihr das erste Jahr hier rückblickend beurteilen?

Santiago Garcia: „Anfangs war es nicht ganz leicht für mich, weil der Wechsel im letzten Sommer doch sehr plötzlich kam. Aber rückblickend war das eine sehr gute Entscheidung und ein gutes Jahr für mich. Ich habe viel gespielt und mich hier super eingelebt."

Franco Di Santo: „Bei mir war es am Anfang auch nicht so einfach. Vor allem wegen der Verletzung zu Saisonbeginn und der roten Karte, die ich im Heimspiel gegen Frankfurt gesehen habe, war es schwer, meinen Rhythmus zu finden. Aber speziell das letzte halbe Jahr lief dann sehr gut für mich, und auch für das Team lief es in der Rückrunde etwas besser."

WERDER.DE: Gibt es etwas, dass euch an Werder, an Bremen, oder an Deutschland überrascht hat?

Franco Di Santo: „Ehrlich gesagt bin ich von der Bundesliga positiv überrascht. Das Niveau ist hier - ähnlich wie auch in England - sehr hoch. Es gibt viele gute Mannschaften mit einer engen Leistungsdichte. Hier wird guter Fußball gespielt und es geht ordentlich zur Sache."

Santiago Garcia: „Die Stadien, die Liga, die Mentalität der Leute - alles ist hier anders als in Argentinien oder Italien. Die Stadien sind hier jedes Wochenende voll und die Fans sind mit einer positiven Leidenschaft dabei, das hat mich schon sehr beeindruckt."

WERDER.DE: Gab es für euch einen (sportlichen) Höhepunkt in den zurückliegenden Monaten?

Santiago Garcia: „Die Spiele gegen den HSV waren für mich jeweils ganz besondere Spiele. Im Hinspiel bin ich das erste Mal für Werder aufgelaufen, und wir haben beim Rivalen gewonnen. Das Rückspiel war nicht nur wegen des Sieges und der tollen Stimmung einmalig, sondern auch wegen des Jubiläums und der Wichtigkeit des Spiels. Da hat man die positive Anspannung schon Wochen vorher in der ganzen Stadt gespürt."

WERDER.DE: Du sprichst die besondere Stimmung in der Stadt an. Welchen Anteil am Klassenerhalt hatten die Fans in dieser Saison?

Santiago Garcia: „Es gefällt mir sehr, wie uns die Fans unterstützen - selbst bei den Auswärtsspielen ist immer viel los. Ich denke da nur an die Spiele in Hannover oder die Szenen nach dem Mainz-Spiel. Das hat uns natürlich einen Schub gegeben."

Franco Di Santo: „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Fans. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man auch bei Fehlern nicht ausgepfiffen, sondern aufgemuntert wird."

WERDER.DE: Apropos gutes Gefühl. Franco, wie sieht es bei dir mit der WM-Teilnahme aus? Gibt es einen neuen Stand?

Franco Di Santo: "Am Montag wird der vorläufige Kader bekanntgegeben. Ich hoffe natürlich, dass ich unter den 30 Spielern sein werde und dann später auch mit zur Weltmeisterschaft fahren darf."

WERDER.DE: Urlaub hast du also vermutlich noch nicht gebucht?

Franco Di Santo: „Nein, natürlich nicht. Ich werde bis zum Schluss hoffen, dass ich in Brasilien dabei bin."

WERDER.DE: Und wo wirst du die Weltmeisterschaft verfolgen, Santi?

Santiago Garcia: „Ich bin zu der Zeit mit meinem Zwillingsbruder Manuel in Mexico. Dort werde ich die WM verfolgen. Ich hoffe, dass ich Franco dann spielen sehe (lacht)."

Das Interview führte Dominik Kupilas