Ein "perfekter Nachmittag'' zum Abschied

Musste gefühlt "jeden Einzelnen in der Ostkurve persönlich verabschieden": Aaron Hunt nach seinem letzten Heimspiel.
Profis
Samstag, 03.05.2014 // 20:54 Uhr

Noch sind zehn Jahre im Werder-Trikot für Aaron Hunt nicht ganz vorbei, noch steht schließlich das Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen am letzten Spieltag in Hunts grün-weißem Terminkalender. Doch zehn Profi-Jahre im Bremer Weser-Stadion sind dagegen seit Samstag, kurz vor halb sechs, endgültig Geschichte für den 27-Jährigen. Wobei sich der Mittelfeldspieler selbst eine satte Nachspielzeit aufbrummte.

Erst rund eine Dreiviertelstunde nach dem Abpfiff, seine Teamkollegen standen schon längst unter der Dusche, stolzierte Hunt in die Mixed-Zone. „Ich musste mich gefühlt von der gesamten Ostkurve verabschieden und habe jede Menge Hände geschüttelt", erklärte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Die Ostkurve hat mich hier immer toll unterstützt, deshalb waren bei diesem Abschied sehr viele Emotionen im Spiel. Ich freue mich aber besonders, dass ich ihnen heute etwas zurückgeben konnte", so der Mittelfeldregisseur weiter.

Prödl: "Aaron hat eine lange Geschichte hier"

Das „etwas" stand beim 2:0-Sieg über Hertha für „etwas mehr", denn mit zwei Toren (48./90.+1) schwang Hunt sich zum Matchwinner der Partie auf und bescherte sich selbst einen Abschied, wie er ihn sich nicht hätte besser ausmalen können. „Ich bin überglücklich. Es ist so gekommen, wie ich es mir gewünscht habe. Es war für mich, die Fans und alle aus dem Team ein perfekter Nachmittag", strahlte Hunt, der nach dem Abklatsch-Marathon auch vor den Journalisten einen Interview-Marathon hinlegen musste.

Während sich Hunt für das Team freute, freute sich die Mannschaft wiederum vor allem für den doppelten Torschützen. „Es war natürlich super, dass ausgerechnet Aaron die beiden Tore erzielte. Man hat gemerkt, dass er sich heute viel vorgenommen hatte. Er hat eine sehr lange Geschichte in diesem Stadion und es ist natürlich schön, wenn sie vorerst mit zwei Treffern und einem Sieg zu Ende geht. Das freut mich für ihn", sagte Mannschaftskollege Sebastian Prödl. Und auch Werders Geschäftsführer Thomas Eichin schätzte die Leistung von Werders Nummer 14 hoch ein. „Es war heute sicherlich nicht einfach, da alle auf ihn geschaut haben, aber mit seinen Toren hat er die richtige Antwort gegeben und uns zum Sieg geschossen. Ich habe mich sehr für ihn gefreut", so der 47-Jährige.

Neben den zwei Treffern gab es für Hunt noch ein anderes Highlight ganz privater Natur. Hand in Hand mit seinem Sohn Fin Ashley lief er vor der Begegnung ein - für Vater und Sohn ein besonderer Moment. „Es war unser beider Wunsch", erklärte er. Doch neben der Euphorie über den perfekten Abschied aus dem Weser-Stadion kehrte Hunt auch irgendwann in die Realität zurück. „Ich verlasse den Klub selbstverständlich mit einem weinenden Auge. Es ist nicht leicht, nach so einer langen Zeit im Verein zu gehen. Ich habe ja seit der Jugend nirgendwo sonst gespielt", so der gebürtige Goslarer, der 2001 in die Hansestadt kam und in der Saison nach dem Double den Sprung zu den Profis schaffte. Mit 18 Jahren und 14 Tagen ist er noch immer Werders jüngster Bundesliga-Torschütze aller Zeiten.

Sechsfacher Abschied vor Spielbeginn

Doch nicht nur Doppeltorschütze Aaron Hunt wurde unmittelbar vor dem Anpfiff von dem Geschäftsführer-Trio offiziell verabschiedet. Auch Aleksandar Ignjovski, Sebastian Mielitz, die Stevanovic Brüder Predrag und Aleksandar sowie Cimo Röcker bekamen Blumen. Vor allem für 'Iggy', der insgesamt 60 Bundesliga-Spiele im Werder-Trikot absolvierte, ein schwieriger Moment. „Ich habe den Tag heute mit gemischten Gefühlen erlebt und wusste gar nicht so recht, was ich machen sollte, als ich verabschiedet wurde. Ich war froh, als die Fans dann applaudiert haben. Zu den Fans hatte ich einen sehr engen Draht, auch in den sozialen Netzwerken. Das hat mir sehr gut gefallen, sie haben mich von Beginn an grandios unterstützt", erklärte der Serbe, der sich bei seinem neuen Verein Eintracht Frankfurt mehr Spielpraxis im defensiven Mittelfeld erhofft.

Auch Sebastian Mielitz, der Werder nach neun Jahren, sechs davon im Profi-Bereich, verlässt, fiel der Abschied vom Bremer Publikum schwer. „Das war ein emotionaler Abschied für mich. Wie mich die Fans geherzt haben nach dem Spiel, das war schon schön. Ich hatte hier eine tolle Zeit und danke den Fans für die Unterstützung in all den Jahren", sagte der Keeper. Was 'Miele' und 'Iggy' verbindet, ist die besondere Beziehung zur Hansestadt. „Ich habe in Bremen nicht nur gelebt, sondern mich privat sehr wohl gefühlt, und meine Tochter wurde hier geboren. Deshalb bin ich schon traurig, dass es nicht geklappt hat, aber ich freue mich auf die neue Herausforderung", blickte Ignjovski zurück. „Natürlich war das heute höchst emotional, aber so ist das nun mal in unserem Job. Wir sehen uns nächste Saison wieder", sagte der 23-Jährige dann aber schon wieder mit einem Lächeln auf den Lippen.

Aus dem Weser-Stadion berichten Yannik Cischinsky, Timo Volkmann und Marcel Kuhnt