Garcia: Startschuss in Minute sechs

Werders argentinischer Linksverteidiger, Santiago Garcia, bei seinem Schussversuch in der Anfangsphase gegen den HSV (Foto: nph).
Profis
Montag, 23.09.2013 // 16:55 Uhr

Santiago Garcia lupfte mit links halb über HSV-Akteur Milan Badelj und schloss direkt volley mit seinem schwächeren rechten Fuß ab. Keeper René Adler hechtete zum Ball, musste aber nicht mehr eingreifen, weil der Ball wenige Zentimeter am linken Torpfosten vorbeiging. Es war die erste gefährliche Aktion für die Bremer nach sechs gespielten Minuten. Für Garcias weiteres Spiel war diese Szene seine eigene Initialzündung.

Santiago Garcia rackerte, kämpfte und brachte viele Bälle nach vorne. Bei seinem Bundesliga-Debüt war der Linksverteidiger mit 11,8 Kilometern gleich laufstärkster Bremer und machte sich zudem mit 63 Prozent gewonnener Zweikämpfe bei den Hamburgern unbeliebt. Angetan zeigten sich dagegen auch zwei Tage nach dem 2:0-Derbyerfolg noch Mitspieler, Trainer und Geschäftsführer der Grün-Weißen. Vor allem die sechste Minute machte vielen Mut.

Denn: Auch in den restlichen 84 Minuten enttäuschte Werders neuer Linksverteidiger keineswegs. Er hielt seine linke Abwehrseite dicht und zeigte sich auch offensiv mit dem einen oder anderen guten Ball. „Es hat sehr viel Spaß gemacht und es war eine sehr schöne Atmosphäre. Wenn man das Nordderby gewinnt, macht es natürlich noch mehr Spaß. Ich bin mit meiner Leistung zufrieden und freue mich, dass wir zu Null gespielt haben. Noch wichtiger ist allerdings, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt hat", äußerte sich Garcia zu seinem ersten 90-Minuten-Einsatz in Deutschlands Eliteliga.

Cheftrainer Robin Dutt ließ den argentinischen Abwehrmann zum Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt noch auf der Bank, beendete dessen Eingewöhnungsphase dann jedoch zum Nordduell. Zu Garcias Spiel sagte er: „Grundsätzlich kann jeder sein Potenzial steigern. Santiago hat trotzdem ein ordentliches Spiel gemacht. Er hat viel Druck über Außen erzeugt und die Zweikämpfe sehr gut angenommen."

Positiv gestimmt waren auch seine Kollegen. „Santiago hat ja viel Erfahrung in Italien gesammelt. Davon konnten wir in Hamburg direkt profitieren. Er hat seine Aufgabe einfach richtig gut gemacht", fand Nebenmann Luca Caldirola am Sonntag nach dem Auslaufen lobende Worte. Die Abstimmung zwischen dem Italiener und Garcia, aber auch zu den anderen Nebenleuten in der Viererkette funktionierte an diesem Tag - trotz dreier verschiedener Sprachen, die in der Bremer Hintermannschaft gesprochen wurden. „Ich verstehe mich mit allen natürlich sehr gut. Mit Franco und Luca kann ich mich gut auf Spanisch bzw. Italienisch verständigen. Die Atmosphäre im Team ist gut. Das hilft mir auch, mich besser einzufügen. Wenn man gewinnt, ist es noch leichter, sich mit allen in der Mannschaft besser zu verständigen", so Garcia.

Seit drei Wochen verteidigt Werders aktuell zweiter Argentinier nach Franco Di Santo nun beim SV Werder. Die Leistung, die der 25-Jährige zu seinem Bundesliga-Einstand bot, überzeugte auch Geschäftsführer Thomas Eichin, der ihn vom chilenischen Verein CSD Rangers Talca loseiste: „Ich habe ihn ja lange beobachtet und kenne seine Stärken. Er ist zweikampfstark, schnell und kann so auch die Wege nach vorne machen. Deshalb habe ich auch um ihn gekämpft. Ich bin ein großer Fan von ihm und seiner Spielweise."

Santiago Garcias Debüt überzeugte ganz Grün-Weiß und trug folgendes Prädikat nach sich: Gegen Nürnberg am Sonntag und darüber hinaus gerne wieder.

von Timo Volkmann