Über Toronto-Action, Kettenhunde und das Winner-Gen

Am Tag der Fans 2013 stellte sich Torsten Frings den Fragen von Christian "Stolli" Stoll.
Profis
Mittwoch, 31.07.2013 // 15:13 Uhr

Stolli: Torsten, ich habe eben schon hinter der Bühne gesagt: Das ist für mich ein Riesenmoment, dass du wieder da bist. Was ist es für dich für ein Gefühl, wieder vor deine Fans zu treten?

Noch 38 Tage: Dann steigt im Weser-Stadion das letzte Spiel von Torsten Frings in grün-weißer Farbe. Spätestens am vergangenen Sonntag wurde auch jedem anwesenden Fan beim „Tag der Fans 2013" klar: Der ‚Lutscher‘ ist endlich wieder zurück!. Um 10.30 Uhr präsentierte sich die Werder-Legende auf der Hauptbühne den bereits lauernden Totti-Frings-Verehrern. Natürlich mit dabei: Stadionmoderator Christian „Stolli" Stoll, der mit dem 36-Jährigen die eine oder andere noch offene Frage zu seinem „Last game in green" am Samstag, 07.09.2013 um 15 Uhr, erörterte.

Torsten Frings: Ich freue mich natürlich unheimlich, dass ich wieder hier bin und wieder für Werder arbeiten kann. Es hat mir schon sehr gefehlt, auch wenn die Zeit in Toronto natürlich auch sehr schön war.

Stolli: Wie oft hattest du Kontakt nach Bremen und wie intensiv hast du verfolgt, was da passiert ist?

Torsten Frings: Natürlich habe ich mich jeden Tag informiert, was hier passiert ist und habe regen Kontakt mit Clemens Fritz und Thomas Schaaf gehabt. Von daher war ich immer auf dem Laufenden.

Stolli: Die Stationen von Torsten Frings: Alemannia Aachen, Werder Bremen, Borussia Dortmund, Bayern München, nochmal Werder Bremen und Toronto. Und doch im Herzen bist du immer ein Grün-Weißer geblieben. Was ist es eigentlich dieses besondere grün-weiße Gen und was fasziniert dich so an uns Fischköpfen?

Frings: Ich fühle mich einfach total wohl hier in Bremen und liebe diese Stadt. Ich habe hier immer meine Ruhe gehabt und konnte mich mit der Familie frei bewegen. Wir hatten hier eine super erfolgreiche Zeit bei Werder. Es hat einfach alles gepasst.

Stolli: Jetzt gibt es dieses „Last game in green". Eigentlich total schade, dass es das letzte ist, aber irgendwann muss ja Schluss sein. Was war der entscheidende Moment zu sagen, jetzt ist auch mal Ende mit dem aktiven Profi-Dasein?

Frings: Ich hatte durch eine Hüft-OP gesundheitliche Probleme in Toronto. Da war es einfach nicht mehr möglich auf professionellem Level Fußball zu spielen. Und dann war es auch die richtige Entscheidung, auf den Körper zu hören und zurück nach Bremen zu kommen.

Stolli: Aber du hast kein Gramm zugelegt, wir würden dich auf jeden Fall sofort wieder einsetzen. Das ist ja gar keine Frage. Aber erzähl ein bisschen was von Toronto. Das war sicherlich eine ganz, ganz andere Welt im Vergleich zur Bundesliga?!

Frings: Absolut. Vom Niveau natürlich nicht so toll wie in der Bundesliga, aber von der Stadt war es sehr schön. Es ist schon ein Unterschied, wenn man in so einer großen Stadt lebt, wo wirklich 24 Stunden nur Action ist. Es war eine gute Erfahrung für mich und hat mich in meiner persönlichen Entwicklung weitergebracht. Einfach mal wieder erden und runterkommen und über viele Sachen mal nachdenken. Damals war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

Stolli: Das wissen vielleicht viele nicht: Du warst auch Kapitän der Mannschaft!

Frings: Wie gesagt, das Niveau war halt nicht das Beste und da konnte sogar ich mit meinen zu der Zeit 34 Jahren noch glänzen.

Stolli: Was macht denn Torsten Frings nun momentan bei Werder Bremen? Trainee heißt das ja auf Neu-Englisch.

Frings:
Das ist ein Programm, um viel Erfahrung als Trainer zu sammeln. Ich unterstütze im Moment Viktor Skripnik als Co-Trainer der U23. Es macht mir unheimlich viel Spaß und ich kann sehr viel lernen. Ich werde jetzt demnächst auch mit meinen Trainerlizenzen anfangen und die hoffentlich auch bald haben, um dann vielleicht auch irgendwann Mal eine eigene Mannschaft zu übernehmen.

Stolli: Torsten Frings 2030 Trainer bei Werder Bremen - das können wir uns alle ganz gut vorstellen. So jetzt gucken wir auf das Abschiedsspiel. Wir sind natürlich alle super neugierig, wer kommt denn alles?

Frings: Ich bin super stolz, dass so viele Spieler zugesagt haben. Ich hab bis jetzt nur eine Absage und das war Didi Hamann, den ich gerne noch dabei gehabt hätte. Von Michael Ballack über Marco Bode bis hin zu Dieter Eilts sind aber alle vertreten. Ansonsten sind noch unheimliche viele Werder-Legenden wie Johan Micoud, Diego und Naldo mit dabei. Hoffentlich verbringen wir alle einen tollen Tag.

Stolli: Aber hundertprozentig! Mal ein bisschen was zu den Rahmenbedingungen: 7. September, das ist ein Samstag. Ich glaube am Abend vorher ist ein Länderspiel: Deutschland gegen Österreich in München. Insofern passt das wunderbar, wenn alle Samstag hier nach Bremen kommen. Sag ein bisschen was zu den Eintrittspreisen. Wie viele Tickets sind bereits verkauft?

Frings: Also es gibt Karten zwischen 10 und 40 Euro. Wir haben bisher 30.000 Tickets verkauft, es sind also noch über 10.000 zu bekommen. Anstoßzeit wird 15 Uhr sein. Wir haben ja auch damals gesagt, wir wollen unbedingt ein Kinderfest daraus machen, sodass auch wirklich alle Familien ins Stadion kommen können. Deshalb haben wir mit 15 Uhr auch eine entsprechend familienfreundliche Anstoßzeit gewählt. Ich denke, dass das eine gute Entscheidung war.

Stolli: Ich finde, dass das eine super Entscheidung ist. Das ist ja fast Bundesligazeit. Gibt es denn hinterher auch eine Party?

Frings:
Ja, das ganze Spiel soll eine Party werden. Aber hinterher werde ich mit allen Spielern und all meinen Freunden eine kleine Fete feiern, aber erst einmal wollen wir das hier im Stadion machen. Speziell auch für die Werder-Fans, die das auch einfach verdient haben.

Stolli: Das haben die Fans wirklich verdient, nachdem was sie letzte Saison geleistet haben. Du hast die vielen Weltstars bereits erwähnt. Auch wenn du sagst, du freust dich auf alle, gibt es einen, auf den du dich doch ganz besonders freust?

Frings: Ich bin natürlich unheimlich stolz, dass Thomas Schaaf kommt. Ehrlicherweise habe ich aufgrund der Situation hier in Bremen schon ein wenig darum gezittert, aber er hat Gott sei Dank sofort zugesagt. Natürlich freue ich mich auch sonst noch über Spieler wie Micoud und Dieter Eilts. Außerdem natürlich Marco Bode, der seit seinem Karriereende 2002 nicht einmal wieder Fußball gespielt hat und sagte, für dieses Spiel zieht er noch einmal Fußballschuhe an. Bei diesen Spielern macht es mich natürlich unglaublich stolz, dass sie kommen.

Stolli: Wir freuen uns also auf riesiges Fußballfest am 7. September ab 15 Uhr. Eine Frage habe ich noch: Wie geht das Spiel aus? 8:9? 10:11? Sollen viele Tore fallen?

Frings: Ja, das wünsche ich mir auch. Aber solange ich am Ende gewinne, ist mir alles egal.

Stolli: Das ist Torsten Frings! Was spielt er denn? Du hast in deiner Karriere schon alles durch. Du bist als Stürmer aus Aachen hierher kommen. Du hast bei der Nationalmannschaft im WM-Finale rechter Verteidiger gespielt. Bei Werder im Mittelfeld. Was ist nun die Lieblingsposition?

Frings:
Ich werde wahrscheinlich im Mittelfeld spielen, aber mit Dieter Eilts einen Kettenhund haben, der mir den Weg freihält.

Stolli: Also darauf freuen wir uns sehr. Mein lieber Torsten, schön, dass du wieder da bist. Das ist dein Applaus. Unsere 22: Toooorsten Frings! 7. September, 15 Uhr, hier in unserem schönen Stadion.


notiert von Marcel Schmidt