Heimspiel, Hoffenheim und das Déjà-vu

Sebastian Prödl und die Werder-Profis bedanken sich in Mainz für den einzigartigen Support der Fans (Foto: nph).
Profis
Montag, 14.04.2014 // 17:58 Uhr

Werder gegen Hoffenheim, da war doch was. Fast genau vor einem Jahr trafen die Grün-Weißen im Weser-Stadion auf die TSG 1899 Hoffenheim. Die Ausgangslage damals: nahezu identisch. Es war ebenfalls das vorletzte Heimspiel der Saison, und Werder hatte wie heute vor allem eins: die eigenen Fans bedingungslos hinter sich.

Rückblick: Einen Spieltag zuvor musste sich das Team von Thomas Schaaf durch einen umstrittenen Elfmeter mit 0:1 in Leverkusen geschlagen geben. Doch statt zu pfeifen, die eigene Elf zu kritisieren oder sogar zu randalieren, stellten sich die mitgereisten Werder-Fans voll hinter die Mannschaft. Noch eine Dreiviertelstunde nach Schlusspfiff besangen sie die unglücklichen Verlierer des Tages in der menschenleeren BayArena. Die spontane Fan-Reaktion sorgte für bundesweite Bewunderung und war die Initialzündung für die Kampagne „ALLEz GRÜN", die am darauffolgenden Spieltag 10.000 Menschen den ankommenden Mannschaftsbus bejubeln ließ, für Gänsehaut-Atmosphäre im Stadion und am Ende mithalf, den Klassenerhalt zu sichern. Für diese Aktion wurden die Anhänger später mit dem 'SportBild'-Award ausgezeichnet.

Ein erneutes Spektakelspiel?

Am vergangenen Samstag, nach der bitteren 0:3-Niederlage in Mainz, sangen sie wieder. Auch eine Stunde nach dem Pfiff durch Schiedsrichter Deniz Aytekin kochte der Gästeblock. Wie knapp zwölf Monate zuvor kamen die Spieler aus der Kabine zurück aufs Feld, bedankten sich bei den rund 3.000 Fans. „Durch die Aktion haben sie der Mannschaft einen ganz klaren Auftrag für das nächste Spiel mitgeben. Und das in einer Art und Weise, die ich mir positiver nicht vorstellen kann. Deshalb haben wir auch keine Angst vor dem nächsten Spiel, sondern haben so eine motivierende Zuversicht. Weil wir wissen, dass wir die hundertprozentige Unterstützung der Fans haben", erklärte Trainer Robin Dutt. Auch am Montag, zwei Nächte nach der spektakulären Reaktion, zeigte er sich noch immer beeindruckt: „Die Situation war sehr emotional. So etwas ist außergewöhnlich, das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt."

Und auch die Spieler waren begeistert von dem phänomenalen Support. „Hut ab vor den Fans. Das kann man nach der Leistung, die wir gezeigt haben, nicht unbedingt erwarten. Das macht Werder und die Fans so besonders", zog Philipp Bargfrede am Montag seine imaginäre Kopfbedeckung vor den grün-weißen Anhängern. „Die Fans haben ein gutes Gespür dafür, dass wir sie brauchen und wann wir sie brauchen. Ich glaube, das ist einmalig", so der Mittelfeldakteur weiter „So etwas wäre in Italien undenkbar. Mir fehlen die Worte dafür. Ich habe niemals, solche Fans wie hier gesehen. Niemals", ergänzte Luca Caldirola und gab gleich die Maßgabe für den kommenden Spieltag vor: „Wir müssen Samstag für sie gewinnen!"

Dutt: "Der Verein wird geprägt durch die Fans"

Am kommenden Samstag heißt der Gegner wieder Hoffenheim. Noch nie konnten die Kraichgauer an der Weser siegen. Überhaupt ist das Team von Markus Gisdol seit sechs Begegnungen gegen die Werderaner sieglos. Zuletzt gab es zwei Unentschieden, die spektakulärer kaum hätten ablaufen können. Im ersten holten die Hoffenheimer in letzter Minute durch einen Doppelpack von Sven Schipplock (85./90.) noch ein 2:2. In der Hinserie der laufenden Saison dann, drehte Werder den Spieß um. Trotz 0:2- und 2:4-Rückstands, gab es am Ende ein Remis. Mit seinem allerersten Bundesliga-Treffer schoss der zuvor über ein halbes Jahr verletzte Bargfrede Werder zum 4:4. Was für ein Spektakelspiel!

Dass der einzigartige Rückhalt der Fankurve von damals sowie in Mainz Fritz, Prödl und Co. auch gegen Hoffenheim wieder beflügeln wird, da ist sich der Hinspiel-Torschütze Bargfrede sicher. „Die Fans werden uns unterstützen und uns nach vorne tragen. Wir wissen das sehr zu schätzen, solche Fans zu haben. Ich bin sicher, dass sie uns durch so eine Aktion nach vorne bringen", so der 25-Jährige. „Ich bin mir ganz sicher, dass diese Unterstützung der Fans sich auch in der Tabelle bemerkbar macht. Wenn wir einen Vorsprung nach unten haben, dann haben die Fans einen erheblichen Anteil an diesem Vorsprung." schloss Dutt sich an.

Für den Bremer Coach erreicht die Anfeuerung der Anhänger aber noch eine ganz andere Dimension. „Der Verein wird geprägt durch diese Fans. Sie sind in so einer Phase der wichtigste Imageträger. Die Fans stellen sich hier anders dar, als bei anderen Vereinen. Und das schlägt sich in allen Bereichen positiv nieder", so Dutt. 

Und so können sich die Zuschauer am Samstag im Weser-Stadion nicht nur auf ein sportliches Spektakel freuen, sondern vor allem auch darauf, das eigene Team erneut bedingungslos zu unterstützen.

von Yannik Cischinsky