Werders Ösi-Duo: "Wir haben Stärke bewiesen"

Auf und abseits des Platzes gute Freunde: Sebastian Prödl und Zlatko Junuzovic (Foto: Rospek).
Profis
Dienstag, 06.05.2014 // 09:27 Uhr

Noch vor der Partie bei Bayer 04 Leverkusen am kommenden Samstag hat die erwartet schwierige Saison für die Grün-Weißen ein gutes Ende genommen. Im letzten Heimspiel gegen ...

Noch vor der Partie bei Bayer 04 Leverkusen am kommenden Samstag hat die erwartet schwierige Saison für die Grün-Weißen ein gutes Ende genommen. Im letzten Heimspiel gegen Hertha BSC siegte die Mannschaft von Cheftrainer Robin Dutt mit 2:0 und feierte einen versöhnlichen Ausklang mit ihren Fans im heimischen Weser-Stadion. Werders Österreich-Duo spielte dabei in der gesamten Spielzeit eine entscheidende Rolle. Sebastian Prödl und Zlatko Junuzovic im ersten Teil des Interviews über gegenseitige Beurteilungen, Erfahrungen im Abstiegskampf und besondere Tore.

Wegen deiner Gelbsperre hast du, Zladdi, beim 3:1-Erfolg gegen Hoffenheim nur auf der Tribüne gesessen. Wie schön war es für dich, dass du dich im letzten Heimspiel gegen Berlin wieder euren Fans präsentieren konntest? Dazu auch noch mit einem schönen Abschluss ...

Zlatko Junuzovic: "Natürlich hätte ich gerne auch schon beim Sieg gegen Hoffenheim mitgewirkt, aber ich war nun mal gesperrt. Der Abschluss im Stadion gegen Hertha war dann aber wirklich super. Die Fans haben wieder eine tolle Stimmung gemacht. Es ist gar nicht mehr in Worte zu fassen, wie stark sie uns in dieser Saison begleitet haben. Wir sind mit drei Punkten unserem Saisonziel näher gekommen."

Welche Spuren hinterlassen zwei Jahre Abstiegskampf?

Sebastian Prödl: "Wenn man ihn unbeschadet übersteht, ist es eine Lehre. Wir wollten den Abstiegskampf diese Saison vermeiden. Leider haben wir es jetzt noch ein weiteres Mal erlebt. Glücklicherweise mussten wir nicht wie letztes Jahr bis zum vorletzten Spieltag zittern. Solche Erfahrungen können einen stärker machen. Aber niemand möchte dauerhaft Abstiegskampf erleben."

Junuzovic: "Es ist eine extrem unangenehme Situation, die auch das Privatleben belastet. Denn man denkt einfach rund um die Uhr daran. Diese Saison ist nicht so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben. Deshalb
müssen wir versuchen, uns in allen Bereichen weiter zu steigern. Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns das gelingt."

"Wir haben dem enormen Druck standgehalten"

Was waren die wichtigsten Stärken, die euch geholfen haben, im Abstiegskampf zu bestehen?

Prödl: "Vergangene Saison sind wir überraschend in den Abstiegskampf geraten. Dieses Mal war schon vorher klar, dass ein solcher Saisonverlauf möglich ist. Wir haben im Sommer zwei unserer besten Spieler (Sokratis und Kevin De Bruyne, Anm. d. Red.) abgegeben und wussten, dass es ein schwieriges Jahr wird. Sicher ist das ein Grund dafür, dass wir damit besser umgehen konnten."

Junuzovic: "Unsere ganz große Stärke war, auch unter enormem Druck bestehen zu können. Leider haben wir immer dann, wenn wir uns ein kleines Polster aufgebaut und in der Tabelle einen Vorsprung erspielt hatten, etwas nachgelassen und unnötige Niederlagen kassiert. Aber zum Beispiel im Derby gegen den HSV oder auch beim Spiel in Hannover haben wir Stärke bewiesen, indem wir als kompakte Einheit aufgetreten sind. In dieser Hinsicht hatten wir den anderen Mannschaften einiges voraus."

Basti, Trainer Robin Dutt hat dir vor der Saison eine Führungsrolle zugeschrieben. Wie beurteilst du deine Leistungen?

Prödl: "Es ist immer schwierig, über die eigene Leistung zu reden. Aber ich denke, dass ich der Verantwortung, die mir übertragen wurde, insgesamt gerecht werden konnte. Die zahlreichen Spiele ‚zu Null‘ sprechen für eine gute Defensivarbeit. Dem gegenüber stehen natürlich die vielen Gegentore. Das ist ein Manko, das wir abstellen müssen. Aber ich habe sicher in dieser Saison einige Aufgaben erfüllt, die ich mir selbst gestellt hatte. Glücklicherweise war ich bis auf einen kurzen Zeitraum verletzungsfrei und in den wichtigen Phasen fit und voll da."

Zladdi, wie siehst du die Rolle von Basti?

Junuzovic: "Er verkörpert diese Mannschaft wie kaum ein anderer. Schließlich ist Basti seit vielen Jahren hier, hat große Zeiten bei Werder erlebt und dadurch viele Erfahrungen gesammelt, von denen nicht nur er jetzt profitiert, sondern auch die Mannschaft. Es war sicher eine seiner besten Spielzeiten für Werder. Denn aus meiner Sicht stehen wir tatsächlich sehr stabil in der Defensive, sonst macht man nicht neun Spiele ‚zu Null‘. Wir haben zwar einige ‚Hänger‘ gehabt, Partien, in denen wir viele Gegentore bekommen haben. Aber wir haben auch viele Punkte gewonnen mit einer starken Deckung. Das war überlebenswichtig, daher hat Basti einen sehr großen Anteil."

Du kannst sicher einige Komplimente zurückgeben?

Prödl: "Zladdi ist im Mittelfeld unser wichtigster Motor. Er läuft am meisten Kilometer. Man kann sich zu 100 Prozent auf ihn verlassen. Durch die vielen und weiten Wege von Zladdi wird dem Gegner das offensive Spiel schwer gemacht. Und er ist nicht nur bei den Spielen wichtig, in denen er auffällig spielt, sondern auch, wenn er nicht so auffällt. Dazu kommen seine Qualitäten in der Offensive, zum Beispiel beim Tor gegen den HSV, das uns drei Punkte beschert hat."

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Welches waren persönlich eure besten Momente in dieser Saison?

Junuzovic: "Gerade für mich als Spieler, der nicht so viele Tore schießt, waren Treffer wie beim 1:0 gegen den HSV oder beim 1:0 in Braunschweig enorm wichtig. Sie haben mich noch zusätzlich motiviert. Solche Momente vergisst man nicht so schnell, weil man weiß, dass man der Mannschaft und dem Club damit enorm helfen konnte. Wenn der Ball im Tor ist, ist das ein Gefühl, das man gar nicht beschreiben kann. Und wenn am Ende der Saison tatsächlich der Verbleib in der Liga steht, machen diese Tore in der Rückschau natürlich noch mehr Spaß."

Basti, bei dir gehört sicher das Siegtor zum 2:1 in Hannover dazu. Wie oft hast du dir den Treffer danach noch angeschaut?

Prödl: "Ich habe es in der Woche danach bewusst vermieden. Natürlich war es schön für mich, aber das wichtigste Thema hieß für uns damals weiterhin ‚Abstiegskampf‘. Der Sieg in Hannover war ein Befreiungsschlag für die Mannschaft und das Tor für mich mit jeder Menge positivem Feedback von den Mitspielern, von Freunden und Verwandten verbunden. Aber bei der ständigen Berg- und Talfahrt, die es im Abstiegskampf gibt, auch noch die Berichterstattung darüber in den Medien zu verfolgen, kann einen verunsichern. Deshalb habe ich darauf in der gesamten Rückrunde verzichtet." 

Aber dein Jubel vor dem Block der Werder-Fans nach deinem Tor hat Mannschaft und Fans noch enger zusammengeschweißt, schließlich war es für alle sehr emotional ...

Prödl: "Für das außergewöhnliche Verhältnis von Mannschaft und Fans hier in Bremen braucht es aus meiner Sicht gar nicht solche Momente. Die Fans haben in Hannover schon vor dem Spiel für tolle Stimmung gesorgt, obwohl wir vorher in Freiburg und gegen Wolfsburg zwei schwache Spiele abgeliefert hatten. Das war unglaublich und einer unserer großen Trümpfe in dieser Saison - der Schulterschluss mit den Fans und die Tatsache, dass wir auf ihre Unterstützung vertrauen können. Wir dürfen stolz darauf ein, dass wir eine der treuesten und fairsten Fan-Gemeinden der Liga haben. Und natürlich hatten wir nie die Extremsituation, auf einem Abstiegsplatz zu stehen. Das war sicher auch ein wertvolles Gut in dieser Saison."


Das Interview führte Martin Lange

Lesen Sie am Mittwoch im zweiten Teil des Interviews mehr über die langjährige Freundschaft des Ösi-Duos, wie 'Zladdi' und 'Basti' über Werders dritten Österreicher, Richard Strebinger, denken und warum sich ihr eigentlicher WM-Favorit nicht qualifizieren konnte.