"Die Fans dürfen sich freuen, wenn ich bei hundert Prozent bin"

Am dritten Spieltag bei dem Auswärtsspiel in Dortmund, bestritt Franco Di Santo sein erstes Bundesligaspiel für Werder Bremen (Foto: nph).
Profis
Mittwoch, 12.03.2014 // 14:59 Uhr

Mit seinem Führungstreffer zum 1:0 beim 1. FC Nürnberg leitete Franco Di Santo Werders zweiten Pflichtspielsieg in Folge ein. Für den Gaucho war es der zweite Bundesliga ...

Mit seinem Führungstreffer zum 1:0 beim 1. FC Nürnberg leitete Franco Di Santo Werders zweiten Pflichtspielsieg in Folge ein. Für den Gaucho war es der zweite Bundesliga-Treffer überhaupt. So gefährlich wie im Frankenland trat der 24-Jährige in dieser Saison noch nicht auf. Torabschluss? Di Santo? Ja, und das gleich zweimal richtig gefährlich. Erst ein Lattenknaller, dann das wichtige Führungstor von ihm höchstpersönlich.

Für WERDER.DE war dies Anlass genug, um mit Di Santo ein größeres Interview zu führen. Im ersten Teil erzählt der Argentinier, was ihn in den vergangenen Spielen immer stärker machte, sagt, wie er die Werder-Fans zukünftig überraschen möchte und verrät, inwieweit bereits die ersten sieben Monate in Bremen seine Grundeinstellung veränderten.

WERDER.DE: Franco, wie oft hast du dir dein zweites Bundesliga-Tor noch angeschaut?

Franco Di Santo: „Ich habe es bisher nur einmal, unmittelbar nach dem Spiel gesehen. Anschließend habe ich es zwar im Internet gesucht, aber nicht gefunden. Das war schon enttäuschend (lacht). Über mein Handy hatte ich dann aber mehr Glück."

WERER.DE: Mit dem Treffer konntest du dich endlich auch mal belohnen. Du hast bereits in den vergangenen Spielen sehr viel für die Mannschaft gearbeitet, bist viel auf die Flügel ausgewichen und hast dich auch durch eine gute Rückwärtsbewegung ausgezeichnet. Nur den Abschluss hast du weniger gesucht. Bis das Spiel in Nürnberg kam... Was hast du verändert?

Franco Di Santo: „Es ist einfach so, dass ich mich in den vergangenen vier Spielen besonders wohlgefühlt habe. Ich spiele jetzt auf der Position, auf der ich auch ausgebildet wurde und schon sehr viele Partien bestritten habe. Ich musste mich gerade am Anfang der Saison sehr umstellen. Da habe ich mehr auf der Außenbahn gespielt, das kannte ich nicht so. Zudem war ich dann auch gleich zu Beginn rotgesperrt und hatte mich zusätzlich verletzt. Ich denke, ich habe diese neue Rolle danach ganz ordentlich ausgefüllt. Meine Aufgabe auf dem Flügel bestand darin, der Mannschaft defensiv zu helfen. Da fiel es mir schwer, auch Druck nach vorne zu machen."

WERDER.DE: In eben diesen vier vergangenen Spielen hat Cheftrainer Robin Dutt auf ein 4-4-2 umgestellt. Du bildest in diesem System zusammen mit Nils Petersen den Werder-Sturm. Kommt dir dieses System mehr entgegen?

Franco Di Santo: „Das Zusammenspiel mit Nils, aber auch mit allen anderen, klappt gut. Wenn die Ergebnisse stimmen, dann gefällt das System allen. Ich fühle mich in dieser Formation auf jeden Fall sehr wohl."

WERDER.DE: Geschäftsführer Thomas Eichin hat dich nach dem Spiel in Nürnberg mit dem Satz „Man hat gesehen, wie gefährlich Franco ist" gelobt. Wie gefährlich bist du denn nun?

Franco Di Santo: „Ich entwickle mich immer weiter und bin noch lange nicht bei hundert Prozent. Bisher habe ich noch nicht das gezeigt, was ich kann. Natürlich sind es immer wieder kleine Details, die andeuten, was ich drauf habe und es ist auch so, dass ich inzwischen das nötige Selbstvertrauen habe, um auch einfach mal aus der Distanz abzuziehen oder gar einen Treffer zu erzielen."

WERDER.DE: Was dürfen die Werder-Fans denn von dir erwarten, wenn du die hundert Prozent erreicht hast?

Franco Di Santo: „Das ist eine Überraschung."

WERDER.DE: Eine Überraschung in Form von Toren?

Franco Di Santo: „Die Fans dürfen sich auf was freuen, wenn ich bei hundert Prozent bin, mehr sage ich dazu nicht. Für mich heißt das nicht, dass ich jedes Wochenende Tore erzielen muss. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Wenn ich mein Maximum erreicht habe, kann ich vielleicht auch mal zwei, drei Spieler austanzen, lege mehr Tore auf, halte den Ball auch mal in den eigenen Reihen, damit mehr Spieler nachrücken können. Das sind zurzeit noch alles Baustellen, an denen ich arbeite."

WERDER.DE: Worin ruhen denn deine Hoffnungen, wenn der 34. Spieltag vorbei ist?

Franco Di Santo: „Wir wollen die Saison dann im gesicherten Mittelfeld abgeschlossen haben. Persönlich möchte ich das, was ich zuletzt anbieten konnte, auch weiterhin zeigen. Darüber hinaus will ich mich jedoch noch weiter entwickeln, noch bessere Spiele machen. Ich möchte mehr Konstanz in mein Spiel bekommen."

WERDER.DE: Als du im August 2013 einen Drei-Jahres-Vertrag an der Weser unterzeichnet hast, war dir da schon bewusst, dass du dich mit der Mannschaft in der Liga eher nach unten als nach oben orientieren musst?

Franco Di Santo: „Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Werder hat zu diesem Zeitpunkt einen Umbruch gestartet. Wir haben viele junge Spieler. Die Mannschaft braucht ihre Zeit, um sich einzuspielen. Es sind viele Spieler dazu gekommen. Und solch ein Projekt muss langsam und gezielt aufgebaut werden. Unabhängig davon habe ich immer den Anspruch, möglichst oben mitzuspielen. Egal, wo wir stehen, mein Ziel ist es, aus jedem Spiel das Maximum zu holen, um es auch so weit wie möglich nach oben zu schaffen."

WERDER.DE: Mittlerweile bist du seit sieben Monaten bei Werder. Wie wohl fühlst du dich?

Franco Di Santo: „Werder erinnert mich total an meine erste Mannschaft „Audax Italiano" aus Chile. Wir haben damals nicht nur in grünen Farben gespielt, sondern haben uns als große Familie gesehen. Genau dieses Familiengefühl herrscht bei Werder auch. Die Familie von jedem einzelnen Spieler steht hinter Werder. Die kommen alle zu jedem Heimspiel und unterstützen uns. Daran merkt man, wie gut die Stimmung insgesamt ist."

WERDER.DE: Und wie bremisch bist du bereits?

Franco Di Santo: „Zwischen Argentinien und Deutschland gibt es einen großen Unterschied. Wir Südamerikaner sind alle sehr, sehr offen. Bei uns ist es völlig normal, dass sich alle Menschen, wenn sie sich auf der Straße sehen, umarmen und auch küssen. Als ich nach Deutschland gekommen bin, hat es mich schon überrascht, wie ernst die Leute hier teilweise sind. Im Umgang untereinander sind sie etwas kälter. Der Körperkontakt wird eher gemieden. Manchmal grinse ich einfach mal Leute auf offener Straße an, und habe danach das Gefühl, dass sie über mich denken, dass ich spinne. Das stört mich insgesamt aber nicht. Ich muss mich daran nur noch etwas gewöhnen."

WERDER.DE: Gibt es denn etwas, das du von der deutschen Mentalität lernen kannst?

Franco Di Santo: „Es gibt schon einige Eigenschaften, die ich bewundernswert finde. Die Deutschen sind sehr geradlinig, zielstrebig und wollen erfolgreich sein. Das gefällt mir sehr gut. Wenn ich hier zum Beispiel auf dem Platz keine Leistung bringe, bedeutet das für mich, dass das Konsequenzen haben wird. Ich darf mich also zu keinem Zeitpunkt zurücklehnen und entspannen, sondern muss an jedem Arbeitstag alles geben. Ich finde das sehr positiv. Das hat mir geholfen, meine Grundeinstellung etwas zu verändern."

WERDER.DE: Was würdest du gerne von deiner südamerikanischen Mentalität auf uns Deutsche übertragen?

Franco Di Santo: „Ich würde mir wünschen, dass die Deutschen ein bisschen mehr lächeln, offener sind, einfach zeigen, dass es ein großes Glück ist, auf dieser Welt sein zu dürfen."


Das Interview führten Timo Volkmann und Kevin Weber Roldán

Lesen Sie morgen im zweiten Teil auf WERDER.DE: Wie eine ganz wichtige Person Franco Di Santo aktuell zu einem weiteren Energie-Schub verhilft, was er mit Claudio Pizarro in München plant, was Di Santo in schweren Zeiten in Argentinien lernte und er mit Santiago Garcia ab dem 12. Juni vorhat.