Mainz, wie es siegt und lacht

Adam Szalai (M.) ist der Mainzer Toptorjäger. Zuletzt bejubelte er gegen Hoffenheim drei Tore. Trifft er auch in Bremen?
Bundesliga
Freitag, 02.11.2012 // 13:27 Uhr

Erst in wenigen Tagen, am 11.11.2012, ist offizieller Karnevalsbeginn, doch die Laune beim selbst ernannten Karnevalsverein, dem FSV Mainz 05, ist jetzt schon prächtig.

Erst in wenigen Tagen, am 11.11.2012, ist offizieller Karnevalsbeginn, doch die Laune beim selbst ernannten Karnevalsverein, dem FSV Mainz 05, ist jetzt schon prächtig. Dabei ist es aber keinesfalls die bloße Vorfreude auf die närrische Zeit, die für das Stimmungshoch verantwortlich ist. Vielmehr sind es die jüngsten Erfolge sowohl auf sportlicher als auch auf wirtschaftlicher Ebene, die im gesamten Team von Trainer Thomas Tuchel für ein allgemeines Wohlfühl-Klima sorgen. Der nächste Gegner der 05er heißt Werder Bremen.

Der Mainzer Saisonstart war verkorkst. Drei Niederlagen hatten sie in den ersten fünf Spielen kassiert. Wer allerdings die große Unruhe suchte oder gar eine Krise ausmachen wollte, war fehl am Platz rund um der Mainzer Coface Arena. In aller Beschaulichkeit und mit der nötigen Ruhe meisterten die Verantwortlichen diese erste Phase der Saison, die zugleich die bisher schwerste war. Seit besagtem fünften Spieltag läuft es aber für die Mainzer. Vier Siege aus den letzten fünf Partien, darunter der 2:0-Erfolg gegen Aue im DFB-Pokal, sprechen eine deutliche Sprache: Der FSV ist wieder da - und vermutlich stärker und stabiler denn je.

Langfristiges Ziel: Dauergast im Oberhaus

Beim letzten Auftritt in Bremen gewannen die Mainzer u.a. gegen Philipp Bargfrede (2.v.r.) und Florian Hartherz (r.) mit 3:0.

"Wir wollen uns in der Liga etablieren", gibt Trainer Thomas Tuchel ein saisonübergreifendes Ziel aus. Ein Ziel, das der Karnevalsklub eigentlich bereits erreicht hat. Unter Jürgen Klopp stieg der FSV im Jahr 2004 erstmals in die erste Liga auf, hielt sich auf Anhieb drei Jahre im Oberhaus und sorgte für frischen Wind in den Stadien. 2007 folgte dann der bittere Rückgang in die Zweitklassigkeit. Eine Zeit, die heute als Intermezzo bezeichnet werden darf. Nach nur zwei Jahren waren die Mainzer zurück und gehören seitdem fest zu den Fußballgrößen der Nation.

Im Hier und Jetzt steht die Tuchel-Truppe auf Tabellenrang sechs. Eine Platzierung, die Präsident Harald Strutz, Manager Christian Heidel und vermutlich auch Trainer und Mannschaft sofort unterschreiben würden, wenn es um die Endabrechnung dieser Spielzeit ginge. Das internationale Geschäft, die Europa-League, ist der große Traum. In manchen Spielerköpfen, so weiß Tuchel, wird sogar schon einen Schritt weiter gedacht. Als Mainz am 8. Spieltag in Leverkusen spät den 2:2-Ausgleichstreffer hinnehmen musste, erklärte er anschließend:"Ich bin froh über den Ausgleich, sonst hätte hier der eine oder andere schon wieder von der Champions-League geträumt." Mit einem Augenzwinkern und einem schelmischen Lächeln im Gesicht tätigte Tuchel diese Aussage und doch scheint ein Fünkchen Wahrheit daran zu sein.

Drittbeste Abwehr der Liga

Mit Werder wurde Ivan Klasnic Meister und Pokalsieger 2004. Nun kehrt er erstmals ins Weser-Stadion zurück, nimmt aber verletzt auf der Tribüne Platz.

Die Mannschaft ist hungrig und zeigt das auf dem Platz. Dies hat auch Werder-Coach Thomas Schaaf registriert. "Es wird für uns eine schwierige Aufgabe, weil die Mainzer erfolgreichen Fußball spielen. Das Team spielt gut und ballsicher nach vorne und steht defensiv sehr kompakt", so Schaaf am Freitagmittag auf der offiziellen Pressekonferenz. Vor allem die Defensive der 05er steht gut wie lange nicht mehr. Erst zehn Gegentore haben die Mainzer kassiert. Einzig die Bayern (4) und Schalke (8) haben noch weniger zugelassen. „Es ist schwer, gegen uns Tore zu erzielen", freut sich der Trainer und sieht sich insgeheim bestätigt in seinen sogenannten Matchplänen, die er Spieltag für Spieltag neu konstruiert und seinem Team damit eine ganz spezielle Marschroute vorgibt. Eine Marschroute, zu der auch das Rotationsprinzip gehört. In Stein gemeißelte Stammplätze vergibt Tuchel nur ungern - auch in dieser Saison.

In der Offensive hingegen hat der Coach derzeit nur wenige Auswahlmöglichkeiten. Adam Szalai ist gesetzt, erzielte in neun Spielen sieben Tore. Zuletzt glänzte er mit seinem Dreierpack gegen Hoffenheim. Als Alternative kommt der wieder genesene Marcel Risse infrage. Der Ex-Bremer Ivan Klasnic fällt indes - wie auch Eric Maxim Choupo-Moting - verletzt aus. Die Personalsorgen im Sturm sind kaum der Rede wert.

Kein Gegenwind in der Karnevalshochburg

Niemand in und um Mainz mag derzeit klagen oder jammern, zumal es auch wirtschaftlich rund läuft: Auf der Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen wurde ein neuer Rekordumsatz verkündet. Hauptverantwortlich dafür ist vor allem die Fertigstellung des neuen Stadions. Die Coface Arena ist die Karnevalshochburg der Liga. Am kommenden Sonntag, 04.11.2012, um 17:30 Uhr, muss der FSV aber auswärts ran. Mainz 05 reist nach Bremen. Aber auch an der Weser können sie Spaß haben: Die letzten zwei Gastspiele in Bremen entschieden sie jeweils mit 2:0 und 3:0 für sich. Einen Ausbau dieser Miniserie möchte Werders Cheftrainer in diesem Jahr unbedingt vermeiden: "Wir gehen als Favorit in die Partie, weil wir zuhause spielen und überzeugt von unserer Mannschaft sind. Wir wissen um die Qualitäten der Mainzer, schauen aber trotzdem nur auf uns."

Zumindest an Tagen wie diesen trifft er hundertprozentig zu, der Spruch: Mainz, wie es singt und lacht. Wobei, vielmehr müsste es heißen: Mainz, wie es siegt und lacht - und das in Liga eins. Am Sonntag sollten die Mainzer jedoch besser nicht siegen. Zum "Fassenachtsbeginn" am 11.11.2012 dürfen die Mainer dagegen gerne wieder singen - das wird auch an der Weser toleriert.

Von Cord Sauer