Groß denken ist erlaubt, aber...

Adam Szalai (2.v.l.) will mit seinen Mainzern will hoch hinaus, hält sich mit großen Worten aber vornehm zurück.
Bundesliga
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Jetzt, nach der Länderspielpause, beginnt sie endlich, die heiße Phase der Saison. Für gut ein Drittel der Bundesligisten geht es „nur noch" um den Klassenerhalt oder „nur noch" um einen anständigen Mittelfeldplatz. Mainz 05 indes gehört zu jenem erlesenen Kreis, der noch um Europa kämpft.

Jetzt, nach der Länderspielpause, beginnt sie endlich, die heiße Phase der Saison. Für gut ein Drittel der Bundesligisten geht es „nur noch" um den Klassenerhalt oder „nur noch" um einen anständigen Mittelfeldplatz. Mainz 05 indes gehört zu jenem erlesenen Kreis, der noch um Europa kämpft. Acht Spieltage sind noch zu absolvieren. Acht Spieltage, an denen jede einzelne Partie einem Finale gleicht. Zum Auftakt dieser Endspiel-Serie kommt Werder Bremen in die Mainzer Coface-Arena. Samstag, den 30.März 2013, um 15.30 Uhr ist Anpfiff. Während die Nullfünfer ihren Blick nach oben richten, wollen die Bremer indes den Abstand zum Tabellenkeller vergrößern.

Für dieses Vorhaben muss Werder-Coach Thomas Schaaf allerdings auf Zlatko Junuzovic verzichten. Der Mittelfeldmotor zog sich während seines Länderspieleinsatzes eine Risswunde zu, die genäht werden musste. Für Junuzovic dürfte hingegen Philipp Bargfrede nach längerer Verletzungspause wieder in den Kader rücken. Ob die Mannschaft wie schon in Gladbach nun auch in Mainz mit einer ausgeklügelten Defensivformation auftreten wird, vermochte Schaaf im Vorfeld nicht verraten. Anstatt dessen fand er lobende Worte für den kommenden Gegner: „Mainz hat eine kompakte, laufstarke, flexibel agierende Mannschaft mit viel Erfahrung", so der Bremer Trainer, der im selben Atemzug betonte: „Es bleibt aber dabei: wichtig ist, was wir machen."

Tuchel: "Weitermachen wie bisher"

Steht für durchdachte Pläne und klare Vorgaben: FSV-Coach Thomas Tuchel.

Kompakt, laufstark und flexibel - mit diesen Attributen feierten die Mainzer auch ihren bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Damals, vor knapp drei Jahren, schaffte der selbst ernannte Karnevalsverein nach 34 Spieltagen den Sprung unter die Top Fünf der Tabelle und qualifizierte sich damit für die Europa League - eine Sensation für Mainzer Verhältnisse. Im Jahr 2013 spielt die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel wenige Spieltage vor Saisonende erneut oben mit, belegt aktuell den sechsten Rang. Das weckt bei den Fans die Erwartungen, doch die Verantwortlichen dämpfen die Vorfreude und halten den Ball gewohnt flach.

„Wir müssen einfach so weitermachen wie bisher", erklärt Cheftrainer Thomas Tuchel gewohnt abgeklärt und wiederholt sich gern, wenn es um das Mainzer Prinzip geht: „Groß denken ist erlaubt, aber stets in kleinen Schritten." Erfrischende Aussagen inmitten des oft so strapazierten Fußballer-Sprachjargons. Tuchel denkt nicht - wie viele seiner Kollegen - von Spiel zu Spiel, sondern von Spiel zu Training zu Training (...) zu Spiel. „Unser nächstes Ziel liegt darin, das nächste Trainingsspiel ordentlich zu absolvieren", so der 39-jährige Übungsleiter. Vielleicht ist es genau diese Mentalität, die er längst auch seinen Spielern eingepflanzt hat.

Angstgegner Werder

Zuletzt war Werder im Oktober 2011 in Mainz zu Gast, gewann u.a. mit Naldo (r.) und Rosenberg (2.v.r.) 3:1.

Im neuen Kalenderjahr hat Mainz 05 bisher zehn Pflichtspiele absolviert und davon nur zwei verloren (0:3 gegen Bayern, 2:3 n.V. gegen Freiburg im Pokal). Nicht zuletzt deshalb befinden sich Adam Szalai, Andreas Ivanschitz und Co. auf Europa-Cup-Kurs und haben Woche für Woche Indizien dafür geliefert, dass sich das Kräfteverhältnis in der Liga verändert hat. Mannschaften wie Freiburg, Frankfurt und auch Mainz haben den oftmals höher gehandelten Klubs das eine oder andere Mal die Punkte geklaut und so völlig verdient die vorderen Plätze in der Tabelle eingenommen.

Nun, am 27. Spieltag, steht die Tuchel-Truppe vor ihrer nächsten, ganz besonderen Herausforderung. Werder Bremen kommt in die Coface-Arena und wenn die Grün-Weißen in der Vergangenheit zu Gast waren, hatten die Mainzer oft nur wenig zu lachen. So konnten sie die letzten fünf Heimspiele gegen Werder nicht gewinnen, verloren gar viermal. Der letzte Dreier gegen die Hanseaten im eigenen Wohnzimmer gelang dem FSV im Oktober 2004 (2:1). Gute achteinhalb Jahre später soll - wenn es nach den Mainzern geht - der nächste folgen. Es wäre ein gelungener Auftakt für den Saisonendspurt. Andrerseits will auch Werder Bremen alles daran setzen, dass die Rheinhessen auch weiterhin in kleinen Schritten denken. Groß denken bleibt aber trotzdem erlaubt.

Von Cord Sauer