Kleines Nordderby mit großem Potenzial

Wenn Hannover 96 und Werder Bremen aufeinander treffen, geht es wieder rund.
Bundesliga
Donnerstag, 13.09.2012 // 14:09 Uhr

Wenn Werder Bremen am kommenden Sonnabend, den 15. September 2012, um 15:30 in der AWD-Arena auf Hannover 96 trifft, werden viele Fragen beantwortet.

Wenn Werder Bremen am kommenden Samstag, 15. September 2012, um 15:30 in der AWD-Arena auf Hannover 96 trifft, werden viele Fragen beantwortet. Fallen wieder mindestens vier Tore oder gar mehr - wie schon bei den letzten drei Gastspielen von Werder an der Leine? Trifft Hannovers Stürmer Mohammed Abdellaoue erneut gegen seinen Lieblingsgegner? Wie nützlich ist ein Hinweis von 96-Stürmer Jan Schlaudraff auf Hannovers Stärken für Werder-Trainer Thomas Schaaf? Und: Wer ist nun eigentlich die Nummer 1 im Norden?

Zumindest für die letzte Frage gibt es bereits eine Teilantwort. Blickt man auf die ewige Tabelle der Bundesliga, steht Werder (Platz 2) vor Hamburg (3), Hannover (16) und Wolfsburg (21). In den vergangenen zwei Jahren hat Hannover 96 allerdings ordentlich an der grün-weißen Vormachtstellung gerüttelt. Zwar ohne weitere Auswirkungen auf die ewige Tabelle, doch immerhin platzierten sich „die Roten" zuletzt zwei Spielzeiten in Folge als bester Nordklub in der Ligatabelle und qualifizierten sich eindrucksvoll für das internationale Geschäft.

Fast perfekter Saisonstart für Hannover 96

Das letzte Aufeinandertreffen entschied Werder deutlich mit 3:0 für sich. Claudio Pizarro (r.) traf wie auch Prödl und Rosenberg.

Auch Werder-Coach Thomas Schaaf findet für den Aufschwung in der niedersächsischen Landeshauptstadt lobende Worte: "Ich freue mich über die tolle Entwicklung in Hannover. Sie haben international und in der Liga viel gezeigt." Der erfolgreiche Weg bei den 96ern soll auch 2012/2013 weiter gegangen werden.

Die Vorzeichen dafür stehen gut. Nur wenige Teams können von sich behaupten, einen fast optimalen Saisonstart erwischt zu haben. Hannover 96 gehört dazu. Die Neuzugänge Felipe, Szabolcs Huszti oder Adrian Nikci haben sich schnell und gut integriert. 22 Tore aus den ersten fünf Pflichtspielen (Europa-League-Qualifikation, DFB-Pokal und Bundesliga) sprechen dazu eine deutliche Sprache. Es läuft an der Leine. "Sie sind hervorragend drauf und haben großes Selbstvertrauen. Das strahlen sie auch aus", fasst Schaaf zusammen.

Am letzten Spieltag, als Werder den HSV im "großen" Nordderby mit 2:0 bezwang, fegte die Elf von Trainer Mirko Slomka stürmisch durch die Volkswagen Arena und schlug den VfL Wolfsburg im Niedersachsenderby mit 4:0. Nun kommt es also zum Duell zweier Derbysieger. "Ich freue mich riesig auf das Spiel, das wird eine interessante Nummer", sagt Schaaf.

Ein Duell, das in der jüngsten Vergangenheit immer für Spannung und jede Menge Tore sorgte. Im März dieses Jahres trafen beide Teams zuletzt aufeinander. Im Weser-Stadion gewann Werder mit 3:0. Doch die Spiele davor dürften den Grün-Weißen in weniger guter Erinnerung geblieben sein. Speziell in Hannover hagelte es mit 2:3 und 1:4 bittere Niederlagen, bei denen ein Mann zum Bremer Schreckgespenst avancierte: Mohammed Abdellaoue. Für ihn ist Werder das, was der Volksmund gern als Lieblingsgegner bezeichnet. Drei Mal lief Abdellaoue gegen die Bremen auf, vier Tore erzielte er. So viele, wie gegen keinen anderen Bundesligisten.

96-Stürmer Schlaudraff mit breiter Brust – und wertvollem Tipp?

Mohammed Abdellaoe und Sokratis (r.) schenken sich nichts im kleinen Nordderby.

Am Sonnabend kehrt Abdellaoue nach einer Rückenverletzung zurück in den 96-Kader, steht aber vermutlich nicht in der Startelf. Dafür stürmt Jan Schlaudraff, der nach dem Sieg gegen Wolfsburg euphorisch von den Stärken seiner Mannschaft erzählte: „Wir sind eingespielt, kennen untereinander die Laufwege und sind gefährlich, wenn unsere Verteidiger aufrücken und die Außen nach innen ziehen." Ein Tipp, der Werder-Kapitän Aaron Hunt und seinen Mannschaftskollegen vielleicht nützlich sein kann.

Im "kleinen" Nordderby steckt also großes Potenzial. Nicht nur viele Tore sind wahrscheinlich, sondern auch die Tatsache, dass in ein paar Jahren nicht mehr die Rede vom „kleinen" Nordderby ist, sondern vielleicht vom „zweiten großen Nordderby." Zwar ist Hannover noch längst kein Liga-Dino wie der HSV, doch auch den Status der grauen Liga-Maus hat Hannover 96 längst abgelegt und ist zum großen, ambitionierten Bundesligaverein aus dem Norden der Republik geworden. Ein echter Derbygegner also.

Von Cord Sauer