Folgt Streichs nächster Streich?

Wenn Bremen in Freiburg gastiert, sind wieder alle Augen auf das runde Leder gerichtet.
Sport-Club Freiburg
Donnerstag, 01.01.1970 // 01:00 Uhr

Ausgerechnet in der englischen Woche muss Werder die weiteste Reise der Saison antreten. Für die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf geht es nach Freiburg im Breisgau, wo der SC Freiburg am Mittwoch, den 26. September 2012 um 20:00 Uhr zum heißen Tanz bittet.

Ausgerechnet in der englischen Woche muss Werder die weiteste Reise der Saison antreten. Für die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf geht es nach Freiburg im Breisgau, wo der SC Freiburg am Mittwoch, den 26. September 2012 um 20:00 Uhr zum heißen Tanz bittet. Für Werder ist es, wenn man so will, nach dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart der nächste Nord-Süd-Schlager. Ein Spiel mit eingebauter Torgarantie. In erster Linie aber ein Spiel, in dem es um eine erste Standortbestimmung geht. Nach fünf Spieltagen soll nicht nur bei Werder die Marschroute erkennbar sein, sondern auch beim SC Freiburg: Was ist möglich in dieser Saison? Das offizielle Ziel ist der Klassenerhalt. Ganz vielleicht geht aber auch mehr. Wie letztes Jahr.

Freiburg ist mit einem Sieg, zwei Unentschieden und einer Niederlage ordentlich aus den Startlöchern gekommen. Vor allem der 5:3-Heimsieg gegen 1899 Hoffenheim hat Eindruck hinterlassen und bei den Fans prompt hohe Erwartungen geweckt. Erwartungen, von denen Trainer Christian Streich nichts wissen will. Schon vor Saisonbeginn stellte der Übungsleiter spitzfindig klar: „Die anderen Klubs müssten schon sehr viel falsch machen, wenn wir uns dieses Jahr den Abstiegskampf entgehen lassen würden." Nichts anderes als der Klassenerhalt ist und bleibt also das ausgeschriebene Ziel im Breisgau. Mehr ist nicht drin? Vielleicht doch.

Urgestein, Feuerwehrmann und Fast-Trainer des Jahres: Christian Streich

Lebt und liebt Fußball: Christan Streich, Cheftrainer des SC Freiburg.

Streich schaffte schon einmal die Sensation. Warum also nicht ein zweites Mal die Konkurrenz überraschen? Er, der seit 1995 als Jugendtrainer und später als sportlicher Leiter der Fußballschule im Verein arbeitete, übernahm die Profimannschaft in der vergangenen Winterpause in einer brenzligen Situation. Nach nur drei Siegen aus 17 Spielen schien der Abstieg sicher. Doch abgerechnet wurde erst am Ende: Freiburg hielt die Klasse auf Platz 12 - mit zehn Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

Die Leistung der Mannschaft - in erster Linie der Verdienst von Streich. Er war es, der dem SCF neues Leben einhauchte und aus einem sicheren Punktelieferanten wieder einen ambitionierten Bundesligisten formte. Deutsche Sportjournalisten sahen dies auch so und verhalfen ihm bei der Wahl zum Trainer des Jahres 2012 auf Platz Drei - hinter Jürgen Klopp (Dortmund) und Lucien Favre (Gladbach). In Freiburg ist der Trainer der Star. In der Mannschaft sucht man große Individualisten vergeblich. Für den Coach zählt ohnehin das Kollektiv. Er will ein Team, das ohne Stars auskommt. Auskommen muss. „Freiburg hat noch immer den kleinsten Etat der Liga", erklärt auch Klubpräsident Fritz Keller.

Wiedersehen mit Ex-Bremer Max Kruse

Trotz des typischen Breisgauer Understatements befindet sich der Klub auf einem guten Weg. Der Formpfeil zeigt nach oben, was auch an Neuzugang Max Kruse liegt. Mit zwei Toren und zwei Vorlagen ist er der Topscorer des Teams, war an sechs der acht Pflichtspieltreffer direkt beteiligt. Von 2006 bis 2009 spielte Kruse für Werder Bremen II, lief einmal für die Profis auf. Über St. Pauli, wo er in 96 Spielen 22 Tore erzielte, kam er nach Freiburg und freut sich nun auf das Duell gegen seinen Ex-Klub. Ein Duell, in dem es für den SCF eine Serie zu knacken gilt: Seit dem 28. Juli 2001, also seit nunmehr elf Jahren, gelang Freiburg kein Heimsieg mehr gegen Werder. Fünf dieser elf Jahre verbrachte Freiburg zwar in der zweiten Liga, dennoch: die Grün-Weißen sind der absolute Angstgegner. Werder-Trainer Schaaf legt jedoch weniger Wert auf diese Bilanz: „Ich mache mir keine Gedanken über Statistiken. Festzuhalten ist: Man muss auch in Freiburg versuchen, sich zu behaupten und sich durchzusetzen."

Insgesamt war Werder 13 Mal in Freiburg zu Gast. Acht Siege, zwei Remis und nur drei Niederlagen stehen für die Schaaf-Elf zu Buche. Die Zeiten, in denen die Bremer die Hausherren mit 6:0 vom Platz fegten (Dezember 2004, November 2009) scheinen aber vorbei, wie auch Schaaf weiß: „Wir gehen nicht davon aus, dass es ein Selbstläufer wird." Schon beim letzten Bremer Auftritt im Breisgau war es ein enges Spiel (2:2, Februar 2012). Damals neu in der Freiburger Coaching-Zone: Christian Streich. Seit zehn Spielen ist er mit seinem Team zuhause ungeschlagen, neuer Vereinsrekord. Folgt nun - pardon, ein Wortspiel muss sein - Streichs nächster Streich?

Von Cord Sauer