Vanders neue Karriere: Nicht alles auf Anfang

Christian Vander gewährte im Hangout Einblicke in das Innenleben des Werder-Teams und beantwortete Fragen der Fans.
Profis
Montag, 18.03.2013 // 16:49 Uhr

Was geht einem Torhüter kurz vor einem Spiel durch den Kopf? Wie sieht deine Zukunft aus? Sollen deine beiden Söhne mal in deine Fußstapfen als Bundesliga-Torhüter treten? Auf diese und weitere Fragen blickte Christian Vander am Samstag im Hangout auf Werders Google+-Profil zurück. Und selbstverständlich auch seine Kadernominierung im Gladbach-Spiel war ein Thema: „Da ging mir plötzlich wieder die Düse", schmunzelte der 32-Jährige.

In Gladbach gipfelte für Vander eine skurile Trainingswoche, an dessen Ende Werders vierter Keeper fast noch einmal Bundesliga-Luft geschnuppert hätte. „Ich habe noch nicht mit der Bundesliga abgeschlossen und hätte mich gefreut, wenn ich zum Einsatz gekommen wäre", so Vander. Im Training waren zuvor Raphael Wolf, der einen Kreuzbandriss davontrug, und Richard Strebinger, der sich am Ohr einen Riss zuzog, zusammengeprallt. Beide fielen aus und plötzlich fand sich der "Standby-Profi" in Gladbach auf der Einwechselbank wieder.

Über drei Jahre ist sein letztes Bundesliga-Spiel her. Am 27.02.2010 stand er auswärts gegen Mainz 05 zwischen den Pfosten und holte am Ende einen 2:1-Sieg mit den Grün-Weißen. Seitdem half der gebürtige Willicher zwar ab und an in Werders U 23 aus, ein echter Wettbewerb fehlte ihm allerdings. „Natürlich war es schwierig plötzlich wieder kurz vor einem Einsatz zu stehen", sagte er rückblickend. „Insgesamt bin ich mit meiner Situation aber zufrieden und auch nicht todtraurig, wenn das nicht mehr mit einem Bundesliga-Spiel klappen sollte. Schließlich hatte ich viele schöne Erlebnisse mit Werder und tolle Partien hier im Weser-Stadion. Jetzt freue ich mich auf die Zukunft in einer anderen Position", erklärte der 32-Jährige, der im Sommer seine aktive Karriere beenden und als Torwart-Trainer beim SV Werder weitermachen wird.

Auf diese zweite Karriere arbeitet "Kiki" Vander schon jetzt hin. „Parallel zu meiner Torwart-Tätigkeit übernehme ich schon Trainer-Funktionen und mache die notwendigen Lizenzen. Im Moment sind wir in Gesprächen, wie genau mein Aufgabengebiet dann aussehen wird", gewährte der Noch-Profi Einblick. Vor allem in der Funktion als Perspektiv-Trainer mit U 19 und U 23-Torhütern sieht er eine „spannende Aufgabe" auf sich zukommen. Dem SVW fühlt sich Vander nach knapp siebeneinhalb Jahren stark verbunden. Seit 2006 ist er fest bei den Grün-Weißen, zuvor war er bereits ein Jahr in die Hansestadt ausgeliehen. „Der Wechsel nach Bremen war ein Sechser im Lotto", findet er bis heute. Für Vander ging es nach dem Abstieg mit Ex-Klub VfL Bochum in Bremen aufwärts. Viermal kam der Ersatzkeeper sogar in der Champions League zum Zug, darunter der 3:2-Sieg an der Weser gegen Real Madrid.

Die gesammelte Erfahrung aus 13 Profi-Jahren teilt der charismatische Schlussmann aber nicht nur mit den Werder-Nachwuchskeepern, sondern gerne auch im Hangout mit den Fans. „Mit der Abfahrt zum Stadion beginnt man als Torwart einen inneren Weg der Konzentration. Man legt sich tatsächlich diesen viel zitierten 'Tunnelblick' zu und wenn man dann ins Stadion einläuft, nimmt man die Einflüsse von außen schon gar nicht mehr wahr", berichtete er. Vor allem dem Aufwärmen misst er aus Torhüter-Sicht eine fast rituelle Bedeutung bei: „Alles läuft immer gleich ab, man ist hochkonzentriert. Als Torwart geben dir diese Abläufe Sicherheit. Das Aufwärmen ist mental wichtiger als körperlich."

Aber auch ganz privat konnten die Werder-Anhänger über Twitter, Google+ und per Mail Fragen loswerden und den zweifachen Vater näher kennenlernen. Anstatt, wie viele seiner Teamkollegen PlayStation zu zocken, kickt Vander am liebsten mit seinen beiden Söhnen im heimischen Garten. Doch trotz deren Begeisterung für das runde Leder sollen sie nicht unbedingt in seine Fußstapfen treten. „Mich freut, dass sie Fußball mögen. Beide spielen im Verein, aber ich hoffe eher nicht, dass sie Profis werden. Das müssen sie auch nicht." Falls Vincent und Leonard sich in einigen Jahren aber doch für den Weg ins Fußballgeschäft entscheiden sollten, hätten sie auf alle Fälle einen Torwart-Papa mit dann voraussichtlich jeder Menge Trainererfahrung an ihrer Seite.

Von Yannik Cischinsky