Der Sieg über den Druck

Erleichtert, geschafft, glücklich, stolz - die Werder-Profis haben am Freitag ihr Herz in die Hand genommen und ein starkes Spiel gegen Hannover geboten.
Profis
Freitag, 01.02.2013 // 23:39 Uhr

Das Geschrei im Spielertunnel war nicht zum Aushalten! Nachdem die Mannschaft nach Spielende geschlossen die Fans in der Ostkurve abgeklatscht hatte, lagen sie sich in dieser unbeobachteten 20-Meter-Röhre zwischen dem Hexenkessel am Spielfeld und der Mixed-Zone noch einmal in den Armen.

In diesen Sekunden konnte man den Teamgeist und den unbendigen Willen greifen. Im Spielertunnel verharrten sie alle, gratulierten sich, klopften sich auf die Schultern, nahmen sich Huckepack, klatschten ab. Sie feierten sich selbst, sie feierten ihre Gemeinschaft, sie feierten den Sieg über den Druck!

Nie war ein später Sieg sooooo verdient! Die Grün-Weißen waren nach zwei Niederlagen beherzt und mutig auf das Hannover-Tor angerannt, erarbeiteten sich 10:0 Ecken und 32:6 Torschüsse (! Ligarekord), und mussten verkraften, dass sie selbst in der 84. Minute nach zahlreichen ungenutzten Möglichkeiten immer noch gegen eine torlose Punkteteilung anrennen mussten.

Dann kam die 85. Minute! Elia! Petersen! Drin!

„Das ist so viel Druck weggefallen, das kann man beim Jubel deutlich sehen. Wir haben dieses Spiel mit aller Macht zu unseren Gunsten entschieden. Endlich war es uns mal gelungen, nachdem wir schon so viele Partien in dieser Saison bestritten hatten, in denen genau das nicht passiert ist", seufzte ein glücklicher Junuzovic, der ergänzte: „Das schönste ist für mich, dass wir auch unter diesem Druck immer Fußball spielen wollten. Wir haben die Tore herausgespielt. Wir haben kombiniert, Dribblings angesetzt, Diagonalbälle geschlagen, Kurzpässe gespielt. Wir haben uns selbst gezeigt, was alles geht, wenn man an die eigene Arbeit glaubt. Und wir haben zuletzt Tag für Tag daran gearbeitet, keine leichten Gegentore zu bekommen. Dieses Spiel hat uns den Glauben wiedergegeben, dass wir das können."

Auch der Cheftrainer Thomas Schaaf und die Teamkollegen antworteten ähnlich gelöst wie Zlatko Junuzovic. WERDER.DE hat die wichtigsten Aussagen aufgeschrieben.

Über den Spielverlauf

Thomas Schaaf: "Es sah lange so aus wie ein Spiel, von denen wir schon einige in dieser Saison erlebt haben. Wir haben uns viele Chancen erarbeitet, uns aber wieder schwer getan, diese zu verwerten. Und wenn es dann endlich kurz vor Schluss passiert, ist es umso schöner. Es wäre sonst wieder eine Partie gewesen, die du nicht hättest erklären können. Ich freue mich riesig für die Mannschaft, dass sie heute drei Punkte einstreichen kann. Es war sehr deutlich zu erkennen, wie entschlossen diese Mannschaft die drei Punkte für sich beansprucht hat. Das war einfach eine gute Leistung von uns. Dabei war es völlig egal, welche Ausrichtung der Gegner hatte."

Mirko Slomka: "Das war ein verdienter Sieg für die Bremer, die eine außergewöhnliche Mannschaft haben, vor allem in der Offensive. Wir haben heute eigentlich ganz ordentlich verteidigt, konnten uns aber nicht so wie gewohnt nach vorne befreien. Wir haben viele Möglichkeiten liegen gelassen, um bessere Flanken zu schlagen, bessere Pässe zu spielen, besser zu kontern."

Aaron Hunt: "Es hat lange gedauert bis zu dem Tor. Aber wir haben Geduld bewiesen und das hat sich ausgezahlt. Auch, wenn wir natürlich deutlich mehr Tore hätten erzielen müssen, standen wir heute gut in der Defensive und haben uns nach vorne gut durchkombiniert."

Mehmet Ekici: "Wir haben den Sieg heute erzwungen. Schon in der ersten Halbzeit haben wir viel Druck aufgebaut, haben die gesamte Spieldauer über nicht nachgelassen und deshalb verdient gewonnen. Das war eine sehr gute Leistung von der gesamten Mannschaft."

Über die Bedeutung des Sieges

Özkan Yildirim: "Das war ein toller Augenblick für mich, dass ich ein Tor vorbereiten konnte. Aber es war vor allem ein wichtiger Sieg für die Mannschaft. Jetzt müssen wir nachlegen. Wir wollen unbedingt den Abstand nach oben weiter verkleinern."

Sebastian Mielitz: "Wir haben uns von einem Riesendruck befreit nach den letzten beiden Niederlagen. Wir haben stark nach vorn gespielt und hinten die Null gehalten. Es ist noch keine Woche her, da musste ich ganz andere Interviews geben. Heute gibt es nichts zu mäkeln. Wir haben gezeigt, dass wir es können. Die Zuschauer haben gesehen, was in uns steckt, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Das war zuletzt vielleicht nicht immer der Fall, aber heute hat alles gepasst."

Nils Petersen: "Das sind die schönsten Spiele. Da gibt es jede Menge Adrenalin extra. Wir wussten, dass es sehr wichtig sein wird. Die Fans haben uns nach vorn getrieben, was nicht selbstverständlich war nach den ersten Spielen. Es ging rauf und runter. Es war sehr emotional mit vielen vergebenen Chancen. Nächste Woche wollen wir den kleinen Aufwärtstrend aufrecht erhalten. Heute hat jeder gezeigt, dass er dafür steht, dass er mit Werder Erfolg haben will. Das war eine reife Leistung der ganzen Mannschaft. Wir haben zu Null gespielt und vorne immer auf unsere Chance gewartet. Es war einer der schönsten Siege, die ich erlebt habe. Jeder hat dazu beigetragen. Wenn das jede Woche gelingen würde, wäre das ein Traum."

Über die besten Spieler auf dem Platz

Thomas Schaaf: "Ich möchte eigentlich niemanden hervorheben. Man muss Nils Petersen nennen, aber auch alle anderen. Jeder hat sich voll eingebracht, beispielsweise ein Lukas Schmitz ist immer wach gewesen, ist nachgerückt, hat stark gespielt. Alle haben heute als Mannschaft überzeugt. Es war wichtig für das Team, zu sehen, dass so etwas auch funktionieren kann, wenn man hart dafür arbeitet."

Über die Leistung von Eljero Elia

Thomas Schaaf: "Elli hat heute einfach nicht aufgegeben, hat es immer wieder probiert und hat immer wieder Lösungen gefunden. Er hat seinen Gegenspielern das Leben richtig schwer gemacht. Na klar bleibt er auch noch eins, zwei Mal hängen, aber das passiert, wenn du viele Aktionen hast. Heute ist er richtig weite Wege gegangen, hat viel gearbeitet, und hat sich dann mit der Torvorlage belohnt. Er hatte heute einen besseren Blick für die richtigen Lösungen. Seine Leistung war ausschlaggebend dafür, dass er fast komplett durchgespielt hat. Er war heut schon gut, ich bin aber überzeugt, dass er es noch viel, viel besser kann."

Eljero Elia: "Heute habe ich mich gut gefühlt. Es war wichtig, dass ich nicht so sehr in der Defensive gebunden war, sondern die Kraft hatte für meine Aktionen nach vorne. Der Sieg war wichtig für uns und ich bin froh, dass ich dazu beitragen konnte."

Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas