Erfolg, Erleichterung, Euphorie

Machte mit seinem Tor den 4:0-Sieg gegen Gladbach perfekt: Zlatko Junuzovic.
Profis
Samstag, 20.10.2012 // 22:56 Uhr

Selbst die Ehrenrunde musste warten. Bevor sich die Werder-Profis am Samstagabend vor den Tribünen des Weser-Stadions für die Unterstützung bedankten, umarmten sich alle Spieler im Mittelkreis. Riesig war die Freude über ein endlich mal vollkommen geglücktes Spiel.

Nach starken Partien ohne passende Ergebnisse und schwächeren Auftritten der letzten Wochen, war es endlich da: Das Spiel, in dem alles gepasst hat. „Ich habe heute wirklich nichts auszusetzen. Auch nach intensiverer Suche kommt da nicht viel zusammen, auch wenn wir dennoch ein paar Gedanken Sachen nachgehen werden", so Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem Schlusspfiff am Spielfeldrand, der diesen perfekten Fußballabend am Nachmittag vorhergesagt hatte. „Milde Temperaturen, Flutlichtatmosphäre, Freimarkt-Auftakt - vor dem Spiel habe ich mir heute noch gedacht, dass es der perfekte Rahmen wäre, um mal wieder ein großes Spiel zu machen. Das hat die Mannschaft wohl auch so gesehen." Auch Cheftrainer Thomas Schaaf freute sich: „Das ist heute ein sehr, sehr schöner Abend, was die Leistung der Mannschaft angeht. Sie hat zu Recht viel Applaus bekommen. Heute haben alle hervorragend gearbeitet. Das schweißt uns ineinander."

Die sportliche Leitung wurde von den euphorischen Spieleraussagen bestätigt. WERDER.DE fasst an dieser Stelle wie gewohnt die wichtigsten Aussagen aus der Mixed-Zone zusammen.

Über das Geheimnis des Erfolges gegen Gladbach:

Klaus Allofs
„Wir haben es geschafft, dass die Gladbacher nicht mehr an einen Erfolg geglaubt haben. Und man hat ja auch erst in der vergangenen Woche gesehen, dass es nicht so leicht ist, einen Zwei-Tore-Vorsprung zu verwalten und weiterzuarbeiten. Unser großer Vorteil war die Spielfreude, die Einsatzbereitschaft. Genau das war in Augsburg zuletzt nicht da. Wenn wir das so weiter fortsetzen können, dann werden wir noch viele gute Spiele sehen."

Thomas Schaaf
„Heute galt es Geduld aufzubringen, abzuwarten und doch nicht einen Moment lang den Druck von Gladbachern wegzunehmen. Das haben wir sehr gut umgesetzt. Das Team war von der ersten bis zur letzten Minute im Spiel und hat sich mit vier richtig schönen Treffern belohnt. Im Gegensatz zum Stuttgart-Spiel haben wir heute nicht versucht, nach der Pause plötzlich andere Dinge auszuprobieren."

Marko Arnautovic
„Wir haben es endlich mal geschafft, auch das zweite und dritte Tor nachzulegen. Nach dem 3:0 hat Gladbach aufgegeben. Nach dem 1:0 musste man noch vorsichtig sein, auch nach dem 2:0 hatten sicher einige von uns das Stuttgart-Spiel im Kopf. Nach dem 3:0 hat Gladbach dann aufgehört zu spielen. Wir hatten uns viel vorgenommen und viel davon umgesetzt. Jeder Einzelne hat super gespielt. Aber ich bin überzeugt, dass wir noch mehr können."

Zlatko Junuzovic
„Ich glaube, dass uns die Länderspielpause gut getan hat. Es war nützlich, dass wir nach diesem absoluten Tiefpunkt, wie ich die zweite Halbzeit in Augsburg sehe, richtig viel Zeit zum Nachdenken hatten. Jeder konnte mal seine eigene Leistung hinterfragen. Und heute hast du einen Riesen-Unterschied gemerkt. Du bekommst viele Bälle, du hast immer Anspielstationen, jeder hat sich bewegt. Es hat richtig Spaß gemacht."

Über die Leistung von Kevin De Bruyne

Klaus Allofs
„Mich hat die Leistung von ihm nicht überrascht. Mit einem reinen Gewissen, kann man auch solche Schlagzeilen wie in der Vorwoche wegstecken. Ich habe unmittelbar vor dem Anpfiff noch mit ihm gesprochen. Er sagte mir, dass er einfach nur gut spielen will und er sich mit allen anderen Dingen nicht beschäftigt."

Kevin De Bruyne
„Meine volle Energie lag darauf, hier ein gutes Spiel zu machen. Alles andere ist für mich Vergangenheit. Meine ersten Wochen hier in Bremen erinnern mich etwas an meine ersten Wochen im Profifußball in Genk. Da hatten wir auch ein sehr junges Team, hatten zunächst viele Höhen und Tiefen und haben aus dieser Phase jedoch auch viel gelernt. Hier empfinde ich das ähnlich. Wir werden uns noch weiterentwickeln."

Über das Tor von Zlatko Junuzovic

Zlatko Junuzovic
„Das ging alles ganz schnell. Ich habe im Augenwinkel nur drei Spieler im Strafraum gesehen. Die Ecke kam kurz, Hanke klärt den Ball nicht weit genug. Ich nehme den Ball mit der Ferse an, habe ihn dann genau vor dem Fuß und hatte dann Glück, dass der Schuss durch die Spielermassen durchgeht. Der ball lag etwas zu weit vorn, so dass ich in den Schuss quasi reingrätschen musste. Ich habe dann nur gedacht: Das passt. Jetzt schieße ich schon Tore wie ein Defensivspieler. Aber es ist immerhin schon mein zweites Tor und diesmal hat es zum Sieg gereicht."

Über die Trainingsarbeit in der Vorwoche

Zlatko Junuzovic
„So viel Zeit hatten wir ja gar nicht zusammen nach der Rückkehr von den Länderspielen. Wir haben einiges besprochen, haben Videoanalysen gemacht und an unserer Rückwärtsbewegung gearbeitet. Jetzt müssen wir das nur dauerhaft in die Köpfe reinkriegen, dass wir immer schnell hinter den Ball kommen. Das Ergebnis kann sich heute sehen lassen. Wenn wir das weiter so umsetzen, können wir jeden Gegner schlagen."

Über den Ausblick auf das Spiel gegen Fürth

Klaus Allofs
„Wir werden keine neuen Wunderwaffen für die Trainingsarbeit entdecken. Wir arbeiten einfach konzentriert weiter. Dass man mal mit einem Stürmer am Torschuss arbeitet oder die Taktiktafel zu Hilfe nimmt oder mit Videos arbeitet ist doch nicht Neues. Das ist das absolute Standardprogramm. Das Verkehrteste, was wir jetzt machen können, ist es, so zu tun, als ob alles gut wäre. Wir müssen die Entwicklung des Teams weiter vorantreiben. Und wird so ein Spiel gegen Augsburg seinen Anteil beitragen, aber auch so ein positives Erlebnis wie heute Abend. Angst vor einem Rückfall habe ich nicht. Ich sehe es so: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir das in Fürth besser lösen als in Augsburg hat sich erhöht. Die Partie ist ein gutes Beispiel für die nächsten Wochen. Wenn es mal nicht so läuft, können wir uns an diese Gladbach-Partie erinnern."

Thomas Schaaf
„Die Einschätzung ‚Vorher war alles schlecht und seit heute Abend ist alles gut‘ machen wir nicht mit. Wir sehen das anders. Ich sage immer noch, dass diese Mannschaft noch Zeit brauchen wird. Es werden weiter die Ausschläge nach unten kommen. Wir arbeiten daran, dass wir sie minimieren. Unser Saisonziel ist es, dass wir uns dabei auf hohem Niveau etablieren können."

Zlatko Junuzovic
„Ich will nicht von einem Schlüsselspiel reden, weil alle Partien und jeder Punkt für uns wichtig sind. Aber Fürth ist das nächste Spiel und damit jetzt absolut im Fokus. Und jeder muss wissen: Wenn wir nur zwei Prozent wegnehmen, dann holen wir nichts in Fürth."

aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Timo Volkmann