Zu ängstlich für den Punktgewinn

Wirbelte auf der linken Werder-Seite, allerdings ohne Erfolg: Eljero Elia, hier im Zweikampf mit Toni Kroos.
Profis
Samstag, 29.09.2012 // 19:53 Uhr

Ein Doppelschlag zehn Minuten vor dem Ende machte alle Werder-Hoffnungen auf einen Schlag zunichte. Ein Traumtor von Luiz Gustavo und ein abgeschlossener Konter durch Mario Mandzukic ...

Ein Doppelschlag zehn Minuten vor dem Ende machte alle Werder-Hoffnungen auf einen Schlag zunichte. Ein Traumtor von Luiz Gustavo und ein abgeschlossener Konter durch Mario Mandzukic ließen die Grün-Weißen ohne Belohnung für engagierte 80 Minuten zurück. Werder-Legende Johan Micoud, der die Partie für den französischen Sender Canal+ kommentierte, zum Spiel: „Das war eine extrem schwere Aufgabe der jungen Bremer gegen eine vor Selbstvertrauen strotzende Bayern-Mannschaft. Gegen diese Bayern in dieser Phase antreten zu müssen, wird jedem Gegner der jetzt folgt, Kopfzerbrechen bereiten." Micoud beschrieb es so: „Die Bayern bauen Druck auf. Sie bewegen das andere Team, zwingen es, viel zu laufen und nutzen dann am Ende der Partien, die sich häufenden Chancen. Genau so ist auch heute gelaufen. Das war kein Zufall und auch Glück oder Pech, dass sich die Chancen ab der 70. Minute ergeben haben und die Entscheidung zehn Minuten vor Schluss fiel." Aber die Bremer Mannschaft bewertete Micoud dennoch positiv: „Es ist schwer zu sagen, was sie erreichen kann. Ganz sicher ist, dass ihnen etwas Eingespieltheit fehlt und die damit verbundene Entschlossenheit fehlt. Ich bin ganz sicher, dass sie in ein paar Wochen noch ganz anders auftreten werden. Aber so viel Zeit muss man ihnen geben."

Über welche Themen die Werderaner in der Mixed-Zone sprachen lesen sie hier:

Zum Spielverlauf:

Clemens Fritz: „Das ist schon bitter, denn wir wollten heute was mitnehmen. In der ersten Halbzeit waren wir zu zaghaft, in der zweiten besser. Schade, dass es bis zur 80. Minute gereicht hat, danach nicht mehr. Die Bayern sind in der Position, noch einmal eine enorme Qualität einzuwechseln. Sie hatten eigentlich den Druck. Wir hätten insgesamt mutiger nach vorne agieren sollen und so für mehr Entlastung sorgen müssen. Das ist uns nicht gelungen."

Sokratis: „Das war ein sehr schwieriges Spiel. Gegen Bayern darf man nicht so offensiv spielen, das haben wir gut gemacht, die Taktik war perfekt. Glückwunsch an die Mannschaft dafür. Es ist natürlich unglücklich, dass wir in der 81. Minute das Tor kassieren. Danach war es sehr schwer für uns."

Klaus Allofs: „Ich finde das nicht so brutal. Wir durften nicht erwarten, die Bayern zu kontrollieren und uns ein Übergewicht zu erarbeiten. Wir haben in der Defensive ganz gut gestanden, mussten aber die eine oder andere brenzlige Situation überstehen. Wir haben nach vorne nicht so klar gespielt. Bayern war die bessere Mannschaft, und wenn man sie schlagen will, muss einfach alles passen. Sie haben dreimal gewechselt, und wenn man sich die Namen anschaut, dann müssen wir die Niederlage akzeptieren. Da ist es fast ein normales Endergebnis. Man wünscht sich zwar, dass das Team über den Einsatz, die Begeisterung getragen wird, aber das hat heute nicht gereicht. Bayern war nicht unsere Gewichtsklasse."

Jupp Heynckes: „Ich denke, Werder Bremen hat es uns heute lange Zeit sehr schwer gemacht. Die Mannschaft wurde vor der Saison neu zusammengestellt, sie haben junge, hochtalentierte Spieler in ihren Reihen und sind physisch topfit. Das war heute wieder so ein Spiel, bei dem der Gegner von den Zuschauern getragen wurde. Die Bremer haben mir gut gefallen, da steckt Potenzial drin."

Sebastian Prödl: „Wir mussten den Spagat zwischen Mut und Risiko finden. Also ich fand, dass man uns nichts vorwerfen kann. Die Bayern waren der klare Favorit und ich habe bis auf den Pfostenschuss keine Chance der Bayern bis zur 81. Minute gesehen. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, dass wir diejenigen waren, die sich einen Punkt verdient gehabt hätten und mit Glück etwas mehr. Der allgemeine Zustand jetzt in der Kabine: Keine Belohnung, große Enttäuschung!"

Zum ersten Gegentreffer:

Sebastian Mielitz: „Ich spiele offensiv und stehe in der Situation dort, wo es diese Philosophie erfordert. An den Ball war kein Rankommen, den hat der Gustavo gut getroffen, Glückwunsch!"

Klaus Allofs: „Die Bayern haben sich immer mehr ein Übergewicht erarbeitet. Da fällt dann zwangsläufig der erste Treffer."

Aaron Hunt: „Wir haben das Spiel lange offen gestalten können und hatten selbst ein, zwei gute Chancen. Das 1:0 machen die Bayern schon sehr gut. Da waren wir einmal nicht eng genug am Mann."

Clemens Fritz: „Das war ein sehr, sehr schönes Tor. Wir haben unmittelbar davor, nicht für die nötige Entlastung sorgen können."

Sebastian Prödl: „Das ist alles sehr schnell gegangen. Ich muss mir die Szene nochmal in Ruhe im Fernsehen anschauen. Luiz Gustavo nimmt den Ball an, hat zu viel Zeit und zuviel Platz und setzt diesen Kunstschuss."

Zum zweiten Gegentreffer:

Aaron Hunt: „Nach dem 0:1 war es schwer für uns. Wir versuchen zwar nochmal alles, aber bekommen dann wenige Minuten später noch das Kontertor. Diesen Treffer kassiert man, wenn man alles riskiert. Die Bayern waren schon stark, wir aber nicht völlig chancenlos."

Thomas Schaaf: „Beim zweiten Tor haben wir uns noch mit dem 0:1 beschäftigt, da hat dann die Konzentration gefehlt."

Thema Selbstvertrauen:

Thomas Schaaf: „Wir haben uns gegen eine absolute Topmannschaft gut gewehrt. Wenn man 80 Minuten vieles richtig macht, dann wünscht man sich das auch für 90 Minuten. Doch in der einen oder anderen Situation hätte ich mir mehr Mut, Selbstvertrauen und Überzeugung gewünscht. Auch in den Aktionen nach vorne müssen wir noch ruhiger agieren. Dazu sind wir aber noch nicht in der Lage. Wir müssen die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Dann können wir auch wieder mehr erreichen."

Klaus Allofs: „Uns ist der Mut nach vorne abhanden gekommen, was aber auch am Gegner lag. Wir haben ein junges Team, das sich noch weiterentwickeln muss. Wir müssen weiter lernen. Damit müssen wir  jetzt anfangen. Wir müssen uns zügig und schrittweise verbessern. Wir haben diesen Druck, machen uns diesen auch selbst. Insgesamt dürfen wir aber nicht die Geduld verlieren."

Sebastian Mielitz: „Die Bayern hatten einfach den Tick mehr Selbstvertrauen als wir. In der zweiten Halbzeit lief bei ihnen der Ball während wir zu passiv waren. Aber das soll kein Vorwurf an die Mannschaft sein. Der Einsatz war da, der Druck einfach zu groß."

Eljero Elia: „Ich hatte das Gefühl, dass wir heute daran gescheitert sind, dass wir nicht genug an unser Spiel geglaubt haben. Wenn wird das mehr getan hätten, wären Punkte möglich gewesen."

Sebastian Prödl: „Der Trainer hat uns gesagt, dass wir befreit aufspielen können. Das haben wir sicher nicht zu 100 Prozent umsetzen können."

Zlatko Junuzovic: „Es hat uns der Nachdruck und der Mut im Spiel nach vorn gefehlt. So kannst du nur punkten, wenn kein Gegentreffer fällt. Aber das konnten wir dann nicht verhindern."

Zur Auswechslung von Elia:

Eljero Elia: „Der Ärger, den man da auf den Bildern sehen konnte, war einfach ein Ausdruck meines Gefühls, das ich zur zweiten Halbzeit hatte. Ich war aus meiner Sicht richtig gut drauf, habe eine gute erste Halbzeit gespielt und dann habe ich im zweiten Durchgang keinen einzigen Ball mehr bekommen. Dann wechselt dich der Trainer eben aus. So ist das, dass muss man akzeptieren."

Thomas Schaaf: „Ich hatte das Gefühl, dass wir Niclas‘ Unbekümmertheit gebrauchen können. Mir war das Spiel nach vorne zu diesem Zeitpunkt zu statisch."

Tabellensituation/Ausblick Augsburg:

Klaus Allofs: "Der Blick auf die Tabelle ist zurzeit nicht entscheidend. Natürlich wollen wir oben mitreinrutschen. Wenn man oben mitspielen möchte, dann muss man die Punkte in den nächsten Spielen einsammeln. Wir müssen da jetzt ein Spiel nach dem anderen angehen. Die Partie in Augsburg wird auf eine andere Art und Weise schwer."

Sebastian Mielitz: „Eine Niederlage gegen den FC Bayern wirft uns jetzt nicht um. Wir werden unseren Weg weitergehen und Punkte einfahren. Am Freitag sind wir gegen Augsburg schon wieder gefragt."

Zlatko Junuzovic: „Es bleibt dabei: Für die gezeigten Leistungen haben wir zu wenig Punkte. Gegen Augsburg müssen wir jetzt wieder nachlegen. Das wird ein ähnlich schweres Spiel wie gegen Freiburg, aber da müssen wir beweisen, dass wir oben mitspielen können. Die Augsburger werden auch nicht vor Selbstvertrauen strotzen."

Clemens Fritz: „Wir haben mit viel Engagement gespielt und viel Laufbereitschaft gezeigt. Wir blicken deshalb optimistisch nach vorne."

Sokratis: „Wir müssen nach vorne schauen und brauchen die Punkte jetzt in Augsburg."

Thomas Schaaf: „Es ist ein Irrglaube, die Bundesligavereine in Kataloge einzuteilen. Alle 18 Teams sind gut, wir müssen in Augsburg top drauf sein, um dort etwas zu holen."

Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph, Timo Volkmann und Yannik Cischinsky