Schalker Tore selbst aufgelegt

Zum Verzweifeln: Marko Arnautovic und Aaron Hunt nach der enttäuschenden 0:2-Niederlage.
Profis
Samstag, 06.04.2013 // 18:21 Uhr

Das war ein rabenschwarzer Tag für die Grün-Weißen und ganz besonders für Assani Lukimya. Der Verteidiger, dem in der vergangenen Woche schon der Patzer zum 0:1 unterlief, patzte erneut schwer und war an beiden Treffern beteiligt.

Darüber reden wollte er diesmal verständlicherweise nicht, dafür stellten sich die Teamkollegen vor die Mikrofone und nahmen sich selbst in die Pflicht. „Egal, was er für Fehler gemacht hat, wir gewinnen und verlieren als Mannschaft. Jeder von uns hat in den vergangenen Wochen Fehler gemacht, die wir teuer bezahlt haben", sagte Sokratis und fügte an: „Ich bin der Erste, der sich hier vor Luki stellt und vor das Team. Schuldzuweisungen bringen gar nichts. Auch nicht in Richtung Trainer. Jeder muss hier 100 Prozent geben." Diesen Teamgedanken äußerte auch ein völlig frustrierter Aaron Hunt. „Natürlich laden wir regelmäßig die gegnerischen Teams mit individuellen Fehlern zum Toreschießen ein, Luki weiß, dass er heute Fehler gemacht hat. Das muss ihm keiner nochmal sagen. Aber heute hatten wir auch wieder genügend Zeit, um eine Reaktion zu zeigen, um ins Spiel zurückzufinden. Aber dieses Selbstvertrauen haben wir einfach nicht. Keiner von uns hat es geschafft, ins Spiel zurückzukommen."

Der Umgang mit Assani Lukimya wird einiges Fingerspitzengefühl abverlangen. Das weiß auch der Bremer Coach. „Er ist mehr als enttäuscht, dass ihm das heute wieder passiert ist. Aber in Mainz war er danach gleich wieder voll da und auch heute hat er eine gute erste Halbzeit gespielt. Deswegen glaube ich nicht, dass die Fehler ein Resultat der Erfahrung aus der letzten Woche sind. Aber nach dieser Partie wird es an ihm erstmal nagen. Hier sind alle gefordert, ihn wieder aufzurichten. Wir spielen als Team. Wir werden mit ihm weiterarbeiten, dass er schnell wieder zu seiner Sicherheit findet."

Weitere Themen nach der Partie:

Der Spielverlauf:

Aaron Hunt: „Die Niederlage geht völlig in Ordnung. Das war eine ganz schwache zweite Halbzeit. Das erste Gegentor hat uns richtig aus der Bahn geworfen. Dafür habe ich keine Erklärung, das ist uns ja schon oft in dieser Saison passiert."

Sokratis: „Das war 50 Minuten keine schlechte Partie von uns. Da hatten wir sechs Chancen und Schalke nur eine einzige. Danach haben wir für unsere Fehler ganz teuer bezahlt. Man hat wieder gesehen, dass es nicht das System ist, sondern unsere fehlende Konzentration und Erfahrung, die uns die schlechten Ergebnisse bringen."

Thomas Eichin: „In der ersten Halbzeit waren wir gut im Spiel, haben es aber versäumt, unsere Chancen zu nutzen. In der zweiten Hälfte kam Schalke stark auf. Die individuellen Fehler vor den Toren wurden gnadenlos bestraft und haben uns das Genick gebrochen. Damit haben wir die Schalker auf die Siegerstraße gebracht und wir haben danach nicht mehr zurück ins Spiel gefunden."

Thomas Schaaf: „Bis zum ersten Gegentreffer ist heute nichts passiert, leider auch nicht bei uns. Wir haben es verpasst, mehr aus den Möglichkeiten zu machen. Wir hätten den Gegner noch mehr in Not bringen müssen. Die Enttäuschung ist auch groß, wenn man sieht, wie wir dem Gegner die Tore ermöglichen."

Sebastian Mielitz: „Wir haben heute eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, vielleicht die beste seit langem. Da haben wir kompakt gestanden, keine Chancen zugelassen und waren selber nach vorne gefährlich. Aber leider gehören zwei Halbzeit zu einem Fußballspiel und im zweiten Durchgang haben wir uns das Leben selber schwer gemacht."

Die Tabellenkonstellation:

Aaron Hunt: „Wir wollten heute den Abstand nach unten vergrößern, das haben wir nicht geschafft. Mit 54 Gegentoren haben wir jetzt die meisten der Liga. Das ist sicher ein Punkt, weswegen wir so weit unten stehen."

Thomas Schaaf: „Die Situation hat sich nicht verbessert. Nächste Woche haben wir eine Partie, in der wieder drei Punkte vergeben werden. Drei Punkte, die wir unbedingt haben wollen und brauchen. Aber es ist heute auch so, dass mich die Ergebnisse aus den anderen Stadien nicht interessieren. Ich bin unzufrieden mit dem, was ich hier gesehen habe."

Thomas Eichin: „Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen. Wir stehen sieben Punkte vor dem Relegationsplatz und jeder weiß, dass so ein Vorsprung schnell weg sein kann. Wir konzentrieren uns voll auf die Situation uns müssen zusehen, dass wir Punkte holen."

Das Spiel gegen Düsseldorf:

Aaron Hunt: „Das wird nächste Woche ein ganz schweres Spiel. In dieser Situation ist die Partie ein absoluter Höhepunkt im Endspurt für uns, aber auch für die Düsseldorfer. Wir müssen einfach mal zeigen, dass jeder hier die Konzentration über 90 Minuten hochhalten kann. Dann werden wir auch wieder Bundesligaspiele gewinnen. Positive Dinge? Heute? Eigentlich nur die Erkenntnis, dass das nächste Spiel wieder bei 0:0 losgeht und wir wie in der ersten Halbzeit spielen können. Wir sollten uns aber auch die zweite Halbzeit nochmal anschauen, denn so gehts nicht."

Sokratis: „Das nächste Spiel ist genau so schwierig wie die Partien danach. Jetzt kommen einige Mannschaften, die in unserer Tabellen-Region spielen, die auf Augenhöhe sind. Da müssen wir zeigen, dass wir besser sind. Wenn wir kämpfen, haben wir auch gute Chancen, das war auch heute im ersten Durchgang zu sehen."

Thomas Eichin: „Wir sind in einer Phase, in der wir den Arsch als Team vom Glatteis holen müssen. In Düsseldorf sind auch nur drei Punkte zu vergeben und wir treten auswärts insgesamt etwas sicherer auf, als im eigenen Stadion. Vielleicht ist da der Druck nicht so groß, wie vor den eigenen Fans. Wir dürfen da nicht solche Fehler machen, dann bin ich überzeugt, dass wir was holen werden."

Die Pfiffe gegen Eljero Elia:

Thomas Schaaf: „Man darf es sich nicht so einfach machen, einen herauszuheben. Es gilt für jeden, dass er heute besser im Spiel sein konnte. Elli hatte sogar noch eine ordentliche erste Halbzeit, nicht auffällig, aber für einen Spieler, der zuletzt weniger Einsätze hatte in Ordnung. In der zweiten Halbzeit wurde es aber weniger. Und es gilt für jeden Spieler auf der Bank: enn ich die Chance bekomme, dann muss ich da sein, sonst kann ich nicht keine Punkte für mich verbuchen."

Die Verletzten-Situation:

Thomas Schaaf: „Man darf die Ausfälle nicht außer Acht lassen. Uns hat in der Summe heute eine ganze Mannschaft gefehlt. Ein Bargfrede mit einer Leistung wie in Mainz hätte uns heute mehr Möglichkeiten gegeben. Im Spiel ist auch noch "Iggy" dazugekommen, der mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel raus musste. Er hat die ganzen letzten Wochen gut gespielt, war sehr gut in Form, hatte Farfan im ersten Durchgang im Griff."

aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas