SV Werder stellt sich auf gesellschaftliche Herausforderungen ein

Werders Präsident Klaus-Dieter Fischer bei seiner Rede auf der Mitgliederversammlung.
Profis
Dienstag, 06.11.2012 // 00:31 Uhr

Der SV Werder Bremen wird gut vorbereitet die aktuellen Aufgaben und zukünftigen Herausforderungen angehen. Das war die Kernbotschaft, die Präsident Klaus-Dieter Fischer am Montagabend vor 270 grün-weißen Vollmitgliedern während der Mitgliederversammlung in der vereinseigenen Halle in der Hemelinger Straße präsentieren konnte. In seiner Rede machte Fischer transparent, welcher Prozess in den vergangenen zwei Jahren bereits angeschoben wurde und noch weitere drei Jahre andauern soll: Der SV Werder Bremen richtet sich bis 2016 strategisch neu aus.

„Wir sind momentan nicht nur dabei unsere Profi-Mannschaft weiterzuentwickeln, sondern auch das Team hinter dem Team", erklärte Fischer, der damit auf die gesamte Mitarbeiterschaft der Geschäftsstelle abzielte. Im Rahmen von sechs Initiativen werden seit 2011 die Geschäftsbereiche neu strukturiert, Mitarbeiter geschult und interne Abläufe optimiert.

Fischer: "Die passenden Antworten gefunden"

Zum großen Vorteil soll dieser Prozess auch für den Verein werden, der sich ebenfalls auf neue Herausforderungen in der Zukunft einstellen muss. „Der demographische Wandel geht nicht spurlos an Werder vorbei. Wir müssen uns auf die tägliche Arbeit mit weniger Kindern und mehr 'Junggebliebenen' über 60 Jahren einstellen. Dazu fordern gesellschaftliche Veränderungen wie die Etablierung der Ganztagsschulen neue Lösungen heraus. Übungszeiten von Mannschaften verlagern sich immer mehr in den frühen Abend hinein, wo dann der Bedarf an Platz- und Hallenkapazitäten sowie Übungsleitern enorm geballt auftritt", so Fischer, der die dazu passenden Lösungsansätze der Grün-Weißen vorstellte: Werder geht noch intensiver auf die Schulen und Kindergärten zu. „Wir haben dieses Engagement in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut. Insgesamt schenkt Werder 32 Grundschulen jeweils zwei Sportstunden in der Woche mit unseren qualifizierten Übungsleitern. In den Kindergärten in Bremen und umzu sind wir an 25 Einrichtungen eine Wochenstunde aktiv", so Fischer stolz, der sich gleichzeitig für das enorme Engagement aller Beteiligten bedankte.

„All das wird positiv auf die Vereinsabteilungen zurückfallen. Wir sind sicher, dass dies die einzige erfolgreiche Strategie ist, den genannten Entwicklungen zu trotzen und unsere Abteilungen robust und zukunftsorientiert aufzustellen. Werder hat die passenden Antworten gefunden", so der Vereinspräsident, der dazu auch die Gründung der Werder-Fußballschule unter Leitung von Dieter Eilts im März 2012 zählte, die in den ersten acht Monaten bereits über 1.000 Kinder begrüßen konnte und damit einen Blitzstart hinlegte. Auch lobte Fischer die Entwicklung des Nachwuchsleistungszentrums unter der Leitung von Direktor Dr. Uwe Harttgen, dass in diesem Jahr als bestes der Bundesligaklubs zertifiziert wurde, sowie die Frauenfußballabteilung, die inzwischen "zu einer der besten in Norddeutschland gehört", so der Präsident.

Als eine "der zentralen Aufgaben" bezeichnete Klaus-Dieter Fischer das gemeinsame Vorgehen von Vereinen und Fans gegen Gewalt, Diskriminierung und Rassismus im Fußball. Er bezeichnete dabei die Verstärkung der hauptamtlichen Fanarbeit in den Profivereinen als zwingend erforderlich. "Nur wenn wir unsere Kommunikation mit allen friedlichen Fußballfans verstärken, können wir bestehende Probleme angehen. Es ist unsere Verantwortung, uns zu kümmern", so der Präsident. Werder hat daher schon vor längerer Zeit als erster Bundesligaverein einen eigenen Fan-Kodex geschaffen und beschäftigt momentan drei hauptamtliche sowie zwei nebenberufliche Fanbetreuer.

Ehrenamtliche Tätigkeit unverzichtbar

Vize-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald ging anschließend in seinem Beitrag auf die Situation der Abteilungen ein, die er als „Rückrat des Vereins bei der Organisation des Trainings- und Spielbetriebs bezeichnete. Auch die immer wieder beschworene Symbiose zwischen Verein und Kapitalgesellschaft sieht Werders Vize-Präsident weiterhin gegeben. „Wir haben immer gesagt, dass es auch in dieser Konstellation mit Kapitalgesellschaft nur ein Werder Bremen geben wird und das leben wir auch. Erst vor zwei Wochen hat die Werderanerin Anne-Kathrin Laufmann die wichtige Vereins-Funktion der Jugendreferentin übernommen, in der Kapitalgesellschaft ist sie seit diesem Jahr als Direktorin für CSR-Management sowie Fan- und Mitgliederbetreuung im Einsatz", freut sich Hess-Grunewald.

Der große Dank des Redners, der für den Verein auch im Aufsichtsrat der Kapitalgesellschaft sitzt, galt im Anschluss einigen verdienten Werderanern, die in diesem Jahr nach langjähriger erfolgreicher Arbeit ihre Aufgaben weitergereicht haben. Dazu gehörten Peter Logemann, der 38 Jahre als Jugendreferent im Vereinsvorstand arbeitete. Aber auch viele ehrenamtliche Mitarbeiter der Abteilungen wie beispielsweise Schachtrainer-Legende Claus-Dieter Meyer, Egbert Wilzer und Olaf Kelterborn (beide Leichtathletik), Ewald Hohnhorst (Turnspiele & Gymnastik) sowie Antje Rathjen und Dirk Müller (beide Handball).

„Diese Werder-Persönlichkeiten sind starke Beispiele, wie wichtig ehrenamtliche Arbeit nicht nur für Vereine wie Werder ist. Sie ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält", leitete Dr. Hubertus Hess-Grunewald anschließend zum nächsten Thema über. Die Wertschätzung für das Ehrenamt habe auch eine wirtschaftliche Bedeutung, rechnete der Vize-Präsident vor. „Müssten wir die 300 ehrenamtlichen Mitarbeiter bei Werder bezahlen, kämen wir auf Gehaltskosten von etwa 1 bis 1,2 Millionen jährlich. Das könne sich weder Werder, noch die Vereinskultur in Deutschland leisten. Ihre organisatorische Unterstützung für den Trainings- und Spielbetrieb und unterstützende Maßnahmen für die Mannschaften des Nachwuchsleistungszentrums und der Abteilungen sind dagegen unverzichtbar."

Von der Mitgliederversammlung berichten Michael Rudolph, Dominik Kupilas und Yannik Cischinsky