Die 5 außergewöhnlichsten Fan-Aktionen 2012

Auch in diesem Jahr haben sich die Werder-Fans allerlei besondere Aktionen ausgedacht. Ein Highlight: die von der Ultra-Gruppierung "Wanderers Bremen" organisierte Choreo zum 20-jährigen Jubiläum des Siegs im Europapokal der Pokalsieger.
Profis
Montag, 24.12.2012 // 11:02 Uhr

Zwölf Monate sind wie im Flug vergangen. Höhen und Tiefen, Jubel und Enttäuschung, Abschiede und einige neue Gesichter. 2012 war ein Jahr des Umbruchs mit vielen Veränderungen. Nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten. Daher zeigt WERDER.DE im großen Rückblick noch einmal die schönsten und kuriosesten grün-weißen Momente des Jahres. Heute im dritten Teil: die fünf außergewöhnlichsten Fan-Aktionen.

5. Besuch in Belek

Knapp 100 Werder-Fans begleiteten die Profis in ihr erstes Trainingslager des Kalenderjahres ins türkische Belek und feuerten die Spieler nicht nur während der Testspiele, sondern auch beim Training an. Seit 2011 unterstützt der Verein die Trainingslager-Reisepläne der Anhänger durch ein Kooperationsangebot mit einer Marketing-Agentur.

Auch in diesem Jahr dankte der Klub den Fans ihre Leidenschaft und Begleitung des Teams in der bundesligafreien Zeit und ermöglichte ihnen die Anreise im Mannschaftsflieger. Im offiziellen Programm enthalten war auch eine exklusive Hotelführung durch den damaligen Geschäftsführer Klaus Allofs und ein gemeinsamer Abend mit Kapitän Clemens Fritz, Co-Trainer Wolfgang Rolff und Frank Baumann. Abseits des Protokolls blieben ebenfalls kaum Fan-Wünsche unerfüllt, von persönlichen Gesprächen über gemeinsame "Mannschaftsfotos" bis hin zur unbürokratischen Öffnung des Trainingsplatz-Innenraums aufgrund sichtbehinderter Tribünenplätze.

4. Fan-Clubs mit vorbildlichem sozialen Engagement

Im Rahmen der offiziellen Werder-Fan-Club-Weihnachtsfeier im Weser-Stadion wurden im Dezember erstmals zwei Gruppen mit dem Titel "Werder-Fan-Club des Jahres" ausgezeichnet. Den Preis teilen sich die untereinander befreundeten "Green Hot Spots" und die "Grün-Weißen Trolle". Gewürdigt wurden die beiden Fan-Clubs für ihren ausdauernden Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung sowie ihre vielfältigen Aktivitäten zur Förderung von Integration. So kooperieren die Hot Spots zum Beispiel aktiv mit dem Bremer "Rat & Tat Zentrum für Schwule und Lesben", während die Trolle den Bremer "Martinshof" nicht nur als Mitglied aufgenommen haben, sondern auch regelmäßig Fußball-Turniere mit den dort arbeitenden behinderten Menschen veranstalten.

3. Choreographie "20 Jahre Europapokalsieger"

Zum Heimspielauftakt der 50. Bundesligasaison gegen den Hamburger SV haben sich die Werder-Fans etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie würdigten das 20-jährige Jubiläum des größten Erfolgs der Vereinsgeschichte mit einer gigantischen Choreographie, die sich über die komplette Ostkurve erstreckte. Zu sehen war zunächst nur ein Werder-Bremen-Schriftzug, bevor das Banner "20 Jahre Europapokalsieger" enthüllt und eine riesige Illustration des 1992er Euro-Helden Uli Borowka mit der Trophäe aufgezogen wurde. Organisiert wurde das Ganze von der Ultragruppierung "Wanderers Bremen", die sich einen kleinen Seitenhieb auf den Nordrivalen nicht verkneifen konnte: Nachdem Borowka wieder eingerollt worden war, erschien ein Banner mit dem Schriftzug "25 Jahre keinen Titel HSV"...

2. Zwölf Minuten Totenstille

Eine fast gespenstische Atmosphäre machte sich am 14. Spieltag im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen im Weser-Stadion breit. In Bremen und in allen anderen Bundesliga-Stadien verweigerten die Fans vom Anpfiff bis die Spieluhr zwölf Minuten und zwölf Sekunden anzeigte jegliche Unterstützung. Im Rahmen der Aktion "12:12 - Ohne Stimme keine Stimmung" protestierten die Anhänger damit gegen das von der DFL geplante Sicherheitskonzept "Stadionerlebnis", das zwei Wochen später am 12. Dezember nach einer Abstimmung aller Profi-Klubs verabschiedet wurde. Die Proteste hielten in den Folgepartien an und gingen auch an den Werder-Spielern nicht spurlos vorbei. "Das war komisch. Ich hätte nicht gedacht, dass es in einem Fußballstadion so ruhig sein kann. Die Stimmung ist das, was den Fußball ausmacht und natürlich ist es auch ein Vorteil, wenn dich die Fans pushen", sagte Kapitän Clemens Fritz stellvertretend für seine Kollegen.

Werder Bremen suchte frühzeitig den Dialog mit dem Fan-Beirat und brachte darauf basierend einige Verbesserungsvorschläge bei der DFL ein, die sich im finalen Sicherheitspapier wiederfinden. Doch auch nach der Abstimmung, für dessen Verschiebung sich Werder vergeblich eingesetzt hatte, bleibt der Verein am Ball und lud Fan-Vertreter zum Workshop "Fankultur" im Januar 2013 ein (weitere Informationen zum Thema im Interview mit Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer).

1. Der "Gang Auf Schalke“

Die ungewöhnlichste Fan-Aktion des Jahres lieferte zweifelsohne Stefan "Schmolle" Schmonsees. Der Vollblut-Werderaner hatte sich bei einer Wette mit einem befreundeten Schalke-Fan etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt und war sich sicher, dass sein SV Werder in der vorigen Saison noch auf dem Champions-League-Qualifikationsplatz landen würde. Für die Grün-Weißen reichte es am Ende aber nur für Rang neun, weshalb "Schmolle" den Weg zum nächsten Spiel "Auf Schalke" zu Fuß antreten musste. Wettschulden sind Ehrenschulden.

Der insgesamt 265 Kilometer lange Marsch von seinem Heimatort Hollen bei Cuxhaven ins Ruhrgebiet war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Zu den Highlights gehörte sein Abstecher in Bremen am dritten Tag, wo ihm Cheftrainer Thomas Schaaf Mut zusprach und offizielles "Werder-Fangepäck" (Handschuhe und Blasenpflaster inklusive) mit auf den Weg gab. Neben der Unterstützung zahlreicher Werder- und auch Schalke-Fans, die Schmonsees unterwegs aufpäppelten, war die Teilnahme an einem Schalker Fan-Club-Bezirkstreffen mit Ex-Profi Youri Mulder ein weiterer Höhepunkt.

Leider war die Belastung insgesamt doch etwas zu groß: Zwischendurch musste Schmonsees wegen einer Knochenhautentzündung am Knöchel ein paar Tage pausieren und einige Kilometer mit der Bahn zurücklegen. Die letzten drei Etappen war der 41-Jährige jedoch wieder zu Fuß unterwegs und kam schließlich zwei Wochen nach dem Start, pünktlich zum Spiel gegen Schalke 04 am 10. November, am Zielort an. Die Wanderung stieß auf großes Medieninteresse, das Schmonsees für einen guten Zweck nutzte. Der an Migräne leidende Werder-Fan sammelte auf seiner Reise über 1.000 Euro, die er Einrichtungen zu Gute kommen ließ, die sich dem Kampf gegen die neurologische Erkrankung verschrieben haben.