Petersen: "Nur 5 Tore? Dann kann ich München aus dem Navi löschen"

Nils Petersen blickt zufrieden auf die ersten beiden Wochen der Vorbereitung zurück: "Ich habe meine Entscheidung nicht bereut."
Profis
Donnerstag, 19.07.2012 // 00:02 Uhr

Nils, von München nach Bremen - Wie sind die ersten Tage verlaufen?

Nils Petersen hat die ersten Wochen bei den Grün-Weißen gut überstanden. Einen Tag vor dem Spiel gegen seinen ehemaligen Klub Energie Cottbus, nutzte er die Gelegenheit für eine erste Standortbeschreibung. Auch WERDER.DE ging mit ihm die wichtigsten Fragen durch.

NILS PETERSEN: Der Start war sehr gut. Es ist auch schon in diesen ersten Testspielen wichtig, zu zeigen, dass man Tore schießen will, Tore schießen kann. Die Kollegen sollen gleich sehen, dass man sich auf mich verlassen kann. Das habe ich gezeigt, mehr aber nicht.

Aber du gehörst nach den ersten Trainingstagen schon zu den gesetzten Spielern?

NILS PETERSEN: Ich genieße das Gefühl, dass man gebraucht wird, dass ich vielleicht wichtiger bin als in München. Aber als gesetzten Spieler würde ich mich nicht bezeichnen. Ich glaube, es gibt momentan überhaupt keinen gesetzten Spieler im ganzen Team. Mein Ziel ist es jedoch, zu spielen. Dafür bin ich hierher gekommen.

Wies sieht deine Rolle aus?

NILS PETERSEN: Momentan ist das 4-3-3-System im Kommen, dazu werden wir sicher noch das eine oder andere System anlernen, damit wir flexibel sind. Aber in allen Systemen ist eigentlich meine Aufgabe, in vorderster Front, als erster Verteidiger das Spiel zu lenken, Torchancen zu kreieren, Torchance zu nutzen. Da bin ich auch abhängig von den Kollegen, aber ich habe da ein sehr gutes Gefühl.

Ein besseres als beim FC Bayern?

NILS PETERSEN: Ich habe das Gefühl, dass wir hier ein starkes Kollektiv sind. Wir können auch nur als Team bestehen. Ich habe letztes Jahr erlebt, wie es ist, wenn du viele Individualisten dabei hast, wo du dann immer hoffen musstest, dass einer von ihnen einen guten Tag hat. Hier im Trainingslager haben alle sehr gut mitgezogen. Normalerweise legt nach so einer Zeit, der Erste seine Pausen ein, aber davon kann ich hier nichts erkennen.

Welche anderen Unterschiede gibt es denn zum FC Bayern?

NILS PETERSEN: Das ist nicht so viel. Sie sind am Gardasee statt im Zillertal. Aber sie dürfen bis 9 Uhr schlafen, während es für uns um 7 Uhr losgeht. (lacht) Aber ich habe ja noch mit einigen von ihnen Kontakt und ich schicke dann immer meine SMS direkt nach dem Aufstehen.

Morgen geht es gegen den FC Energie Cottbus, Anspannung oder Vorfreude?

NILS PETERSEN: Ganz klar Vorfreude. Es ist ja kein Spiel in der Liga, deswegen ist die Anspannung nicht so groß. Ich habe nach Cottbus noch viele positive Kontakte, viele Freunde. Wie es eben so ist, wenn man irgendwo erfolgreich war. Vor allem freue ich mich auf Julian Börner, Alexander Bitroff und den Physiotherapeuten Oliver Krautz. Ich bin aber jetzt schon fleißig am Tippen mit den verschiedensten Menschen, wie das Spiel ausgeht. Natürlich will ich auf jeden Fall treffen.

Aber das ist das kleinste Problem, bisher hast du in jedem Spiel geknipst.

NILS PETERSEN: Ja, aber mal ganz langsam, Cottbus wird ein anderes Kaliber. Das wird unser erster richtiger Test. Bisher hatten wir drei dankbare Gegner, gegen die man viel in Ballbesitz war, nicht dem Ball hinterherlaufen musste. Die Zeiten sind vorbei. Jetzt kommen die Gradmesser, wo es weh tut, das Tor zu verteidigen, wo man auch mal alles abrufen muss, um zu gewinnen. Und ein Sieg muss unser Ziel sein, um mit einem guten Gefühl aus dem Trainingslager abreisen zu können.

Wie sieht dein erstes Urteil über die Werder-Kollegen aus?

NILS PETERSEN: Es ist eine sehr junge, sehr sympathische Mannschaft. Ich habe vorhin sehr gestaunt, als die beiden Ältesten die Mannschaften für das Fußball-Tennismatch wählen mussten und einer davon war Lukimya mit seinen 26 Jahren als zweitältester. Das ist schon sehr selten, aber das zeichnet uns eben momentan auch aus. Jeder hat Spaß, Freude, will etwas erreichen. Wir nehmen uns gegenseitig mit.

Hast du dich inzwischen mit der Situation auseinandergesetzt, dass du nach einer gute Saison wieder nach München gehen musst?

NILS PETERSEN: Diese Konstellation war nie ein Problem für mich. Das sagen die Verträge halt aus. Ich will die Zeit nutzen, der Mannschaft helfen und selbst gut spielen. Das wäre für alle das Beste. Dass es mir dann vielleicht auch schwer fallen würde, Bremen zu verlassen, muss ich einkalkulieren.

Glaubst du, dass es so kommen wird?

NILS PETERSEN: Im Fußball ist alles möglich. Auf dem Papier steht, dass ich am 30.06. wieder zurückwechsle. Aber wo ich in einem Jahr spiele, ist von so vielen Faktoren abhängig. Bei den Bayern wird es wahrscheinlich einen neuen Trainer geben. Nach meinem Wechsel hierher ist mit Matthias Sammer ein neuer Sportvorstand gekommen, es wird sicher einige Strukturänderungen geben. Die Frage ist auch, ob Bayern ein weiteres Jahr ohne Titel bleibt und unter welchem Druck sie dann agieren müssen. Deswegen denke ich noch gar nicht an nächstes Jahr. Mein Wunsch ist es so viele Tore wie möglich zu schießen. Denn auch das ist ein Faktor, der großen Einfluss hat. Wenn ich in dieser Saison nur fünf Tore schieße, dann brauche ich nicht zurück zu den Bayern zu fahren, dann kann ich München auch aus meinem Navi löschen.

Konntest du schon Kontakt zu den Werder-Fans aufnehmen?

NILS PETERSEN: Also ich bin schon beeindruckt, wie viele hier in Österreich sind. Das ist ja mehr als auf Norderney, obwohl wir deutlich weiter von Bremen entfernt sind. Beim Training ist immer etwas los und das Spiel gegen die Tirol-Auswahl war voll. Wenn du dann Tore machst und deinen Namen hörst, ist das ein gutes Gefühl. Ich glaube, ich werde gut mit ihnen auskommen. Ich bin ein offener Typ.

notiert von Michael Rudolph