Von Sympathie, Selbstkritik und Spielphilosophie

Wollen die Werder-Raute wieder nach oben führen: Geschäftsführer Thomas Eichin und Cheftrainer Robin Dutt.
Profis
Dienstag, 28.05.2013 // 17:54 Uhr

Robin Dutt über ...

Sympathisch, ehrlich und selbstkritisch: Robin Dutt hat bei seiner offiziellen Präsentation am Dienstagmittag einen bemerkenswerten Auftritt hingelegt. In knapp 42 Minuten äußerte sich Werders neuer Cheftrainer vor den zahlreichen Medienvertretern im Pressekonferenzraum des Weser-Stadions zu allen relevanten Themen, die ganz Bremen und darüber hinaus bewegen.  

... seine Spielphilosophie:

„Nach 14 Jahren mit Thomas Schaaf muss man eine gewisse Sensibilität haben, wie die Themen zukünftig angegangen werden. Wir müssen uns zunächst alle untereinander kennenlernen. Wir wollen einen Fußball spielen, der den Fans Spaß macht, der aber vor allem auch den Spielern Spaß macht. Es sollte nicht nur beim Spaß bleiben, die nötigen Punkte gehören dazu. Das ist ganz klar. Die nächsten Monate müssen ausgerichtet sein, das Wir-Gefühl zum Schluss der Rückrunde weiter zu leben. Wenn jeder Spaß haben soll, darf es nicht nur reiner Ergebnisfußball sein. Wir wollen daher einen guten, attraktiven Fußball spielen, d.h. viele Tore erzielen, wenig Tore bekommen. Darüber sollten wir uns in Zukunft definieren. Es ist aber auch wichtig, dass die Spielphilosophie nicht nur auf die Profimannschaft beschränkt ist, sondern sich auf alle Mannschaften bei Werder durchgezogen wird. Ein enger Austausch mit den Nachwuchstrainern ist vonnöten, um die Talente von morgen heranzuführen. Wir haben ganz viele Teilziele. Wir wollen dabei noch nicht über die ganz großen Ziele sprechen, sondern ganz sensibel mit den einzelnen Themen umgehen."

... sein längeres Telefonat mit Thomas Schaaf:

„Er hat mich beglückwünscht und mir gesagt, dass die Aufgabe zu mir passen wird und dass ich einen guten Verein übernehme. Thomas ist bei uns Kollegen sehr beliebt. Das Telefongespräch mit ihm hat diesen Eindruck nur noch einmal bestärkt. Er ist ein unglaublich authentischer Typ. Er hat Werder geprägt. Er mag vertraglich von Werder Bremen getrennt sein, aber er wird immer ein Teil dieses Vereins bleiben. Die Stimmungen in mir wurden unter anderem durch die Arbeit von Thomas Schaaf ausgelöst."

... über Wolfgang Rolff:

„Ich habe gestern mit Wolfgang Rolff, den ich persönlich kenne, telefoniert. Er hat ein langes Interview gegeben, das außergewöhnlich war. Wenn du ein paar Tage zuvor gesagt bekommst, dass der neue Trainer sein eigenes Team mitbringt, und du nicht weiterbeschäftigt bist und das in dieser Art und Weise öffentlich begleitest, dann ist das außergewöhnlich. Das ist heutzutage selten geworden im Profibereich. Das weiß ich sehr zu schätzen, das habe ich ihm gesagt. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand das in den letzten Jahren so gemacht hat. Dafür mein größtes Kompliment. Das zeigt, welch ein toller Mensch er ist. Er ist jederzeit willkommen."

... sein Trainerteam um Damir Buric und Marco Langner:

„Co-Trainer haben heutzutage eine andere Rolle. Es ist nicht mehr wie früher, als sie nur bestimmte Übungen gemacht haben oder die Hütchen verteilt haben. Ich bringe dieses Trainerteam mit, weil sie der Teil meiner Gedanken sind. Ohne sie wäre ich nur die Hälfte oder ein Drittel."

... seine Zeit in Leverkusen:

„Das war nicht meine beste Performance. Ich habe gerade in der Anfangszeit ein paar Fehler gemacht. Ich war vielleicht zu euphorisch, zu verbissen. Diese Erkenntnis ist für mich sehr wichtig. Es hat nicht gepasst. Ich denke, das passiert mal als Trainer. Ich habe ganz sicher ein paar Dinge falsch eingeschätzt. Werder hat jetzt den Vorteil, dass ich die Sache gelassener sehen kann. Ich versuche, aus diesen Dingen zu lernen und meine Performance zu verbessern."

... die Trainertypen in der Bundesliga:

„Wir haben völlig unterschiedliche Trainertypen in der Bundesliga. Da gibt es den fast schon ‚Trainer-Weisen‘ wie Jupp Heynckes, den weltoffenen Trainer und Zweitligaspieler wie Jürgen Klopp. Mirko Slomka und ich waren nicht im Profibereich. Mit Thomas Tuchel und Christian Streich weitere völlig unterschiedliche Typen. Das tut dem deutschen Fußball auch gut. Manche Dinge in meiner Vita helfen mir, in anderen muss ich überzeugender sein und besser argumentieren. Bisher war meine Vergangenheit kein Nachteil. Ich sitze ja jetzt hier (lacht). Ich denke, das ist ganz okay."

notiert von Timo Volkmann