Arnautovic und die Scorer-Punkte des Herzens

Die Szene des Spiels: Marko Arnautovic "fliegt" nach seinem zweiten Treffer Cheftrainer Thomas Schaaf in die Arme.
Profis
Sonntag, 02.12.2012 // 19:06 Uhr

Auf dieses Spiel hat der Held des Nachmittags buchstäblich hingefiebert. Mit einer Grippe fiel Marko Arnautovic unter der Woche aus, wurde gegen Leverkusen vermisst und zündete am Adventssonntag deutlich mehr als eine Kerze. Mit seinem ersten Bundesliga-Dreierpack brachte er Werder im wichtigen Spiel gegen Hoffenheim auf die Siegerstraße. „Ich musste einige Tage der letzten Woche im Bett verbringen. Beim Laufen hat mir heute auch die Luft gefehlt, aber beim Toreschießen habe ich das nicht gemerkt“, grinste der Österreicher, der heilfroh war, dass der Cheftrainer ihn überhaupt für die Startelf berücksichtigt hatte. „Das ist nach einer solchen Woche nicht selbstverständlich, aber er hat mir das Vertrauen geschenkt.“

Beim Jubel nach seinem zweiten Tor wollte er der ganzen Welt dieses Dankeschön auch zeigen. Sein Sprung in die Arme des Trainers nach dem gefühlvollen Freistoß erklärte der 23-Jährige so: „Das hatte er einfach mal verdient. Er arbeitet genau so hart wie die Mannschaft. Das war ein Zeichen an das ganze Trainerteam, das es auch nicht einfach mit uns hat. Die Trainer haben uns in dieser Saison schon so oft gut eingestellt und wir haben sie und uns trotzdem nicht mit Punkten belohnt.“

Cheftrainer Thomas Schaaf war auch einer der Geburtshelfer des wunderschönen Freistoßes zum 3:1. „Er sagt uns immer, dass wir mit mehr Überzeugung die Standards schießen sollen und dass der Ball mindestens auf das Tor kommen muss. Das hat ja heute ganz gut geklappt", so der Offensiv-Spezialist, der seinen Teamkollegen Kevin De Bruyne für die Szene einen „Scorer-Punkt des Herzens" überreichte. „'Kev' und ich standen beim Freistoß und haben uns beraten. Er hat dann gesagt, schau hin, das ist eine ganz kleine Mauer, lupf das Ding einfach drüber", erklärt Arnautovic. Cheftrainer Thomas Schaaf dazu: „Das kann er eben auch. Er muss nicht immer die Kugel volle Kanne auf's Tor jagen. Wenn er genau zielt, dann kann so etwas Schönes herauskommen."

Einen richtigen Scorer-Punkt erhielt De Bruyne für seine Vorarbeit zum ersten Arnautovic-Treffer. Der Torschütze schwärmte: „Das war ein sensationeller Pass von 'Kev'. Elli hätte den auch nehmen können, aber er lässt ihn durch und ich habe freie Schussbahn. Das war klasse herausgespielt", so Arnautovic.

„Scorer-Punkte des Herzens" bekamen auch die Werder-Fans vom Dreifach-Torschützen gutgeschrieben.: „Heute haben sie wieder so einen weiten Weg auf sich genommen. Das war super! Ich musste einige Interviews nach Abpfiff geben und bin dann extra noch mal in die Kurve. Das war mir ein Bedürfnis." Er fügte hinzu: „Welche Wirkung die Fans haben, sieht man ja am Hoffenheimer Publikum. Wie schnell die ihr Team ausgepfiffen haben, hat sicher zur Verunsicherung beigetragen.

Die Teamkollegen freuten sich mit dem Österreicher, forderten ihn aber auch auf, öfter mal solch einen Dreierpack auszupacken. Clemens Fritz lächelnd: „Das erwarte ich auch in den kommenden Wochen und Monaten von ihm. Er hat sich gefestigt in dieser Saison, ist einen großen Schritt weiter. Er hat das Zeug dazu. Die Partie heute wird ihn auch wieder weiterbringen. Mehr will ich jetzt nicht loben. Das hebe ich mal für nächste Woche auf. Da brauchen wir ihn auch wieder in dieser Verfassung." Ins selbe Horn stieß auch Torhüter Sebastian Mielitz: „Marko hat sich in dieser Woche lange genug ausgeruht. Jetzt muss er um so mehr durchstarten." Torschütze Sebastian Prödl, der für das vierte österreichische Werder-Tor des Nachmittags sorgte, ergänzte: „Marko musste heute einiges für die Mannschaft nachholen, was er am Mittwoch verpasst hat. Er hatte heute einen sehr großen Anteil am Erfolg. Marko hat es heute auch der Defensive leicht gemacht zu verteidigen. Er weiß aber selbst, dass er das noch viel öfter abrufen kann."

Übrigens, dass der Tag der Österreicher mit vier Treffern in Hoffenheim ausgerechnet bei Schneefall stattfand, ist für Arnautovic keine Begründung. „Das Wetter spielte heute keine Rolle. Ich mag den Schnee gar nicht. Und wer jetzt drauf anspielt, dass ich als Österreicher doch glatte Pisten lieben müsste, dem muss ich sagen, dass ich gar kein Ski fahre. Ich bin zwar Österreicher, aber ich komme anders als Basti Prödl aus der Stadt." Wieder grinste der Torschütze und verdrückte sich genau so schnell von den Medienvetreteren, wie zuvor von den Abwehrspielern der Hoffenheimer.

Aus Hoffenheim berichtet Michael Rudolph