(B)Logbuch 9: Das Ende war nah

Links ging es hunderte Meter steil die Alm hinunter, direkt vor der Hand war der dichte Nebel. Im WERDER.TV-Bus (mit Kapitän Clemens Fritz als Beifahrer) wurde das Problem so gelöst: Ein Mitarbeiter stieg aus und rannte ein paar Meter voraus, um Abhänge und Kurven anzuzeigen..
Profis
Freitag, 20.07.2012 // 13:22 Uhr

Servus! Das zweite Trainingslager der Sommervorbereitung verschlägt den SV Werder in die Alpenregion Zillertal - zum ersten Mal. Zwischen Berg und Tal ist auch Werders Mediendirektor Tino Polster wieder dabei und hautnah bei der Mannschaft. In seinem (B)Logbuch bietet er Hintergründiges, bunte Storys aus ungewöhnlichen Perspektiven und die eine oder andere Anekdote abseits der sportlichen Entscheidungen.

Samstag, 21.07.2012, 8.30 Uhr

Es gab einen Moment am gestrigen Freitagabend, da blickte ich plötzlich auf zwei krampfig gefaltete Hände und es waren meine eigenen. Eine unbewusste Handlung auf mehr als 1.800 Meter Höhe war das, ich hatte zuvor aus dem Fenster des Reisebusses geschaut, der uns aus Zell am Ziller hinauf zur "Kreuzwiesenalm" und nun wieder zurück bringen sollte. Ein wunderbarer Hüttenabend zum Abschluss des zweiten Trainingslagers war gerade zu Ende gegangen. Tatsächlich dem Ende nah fühlten sich knapp 30 Insassen des Busses nur wenig später. Regen hatte den unasphaltierten Bergweg seifig gemacht und rund um die Alm sah man fast die Hand vor Augen nicht - Bergnebel! Fast wären wir beim Rückwärtsfahren abgeschmiert. Zum Glück nur fast. Nachdem der routinierte Busfahrer uns aussteigen ließ und die Sache schnell in den Griff bekommen hatte, nahmen meine Hände irgendwann auch wieder normale Farbe an. Die Spieler hatten Glück, sie saßen in fünf Fahrzeugen unseres Partners Volkswagen. In so einem „Passat Alltrack" rollt es ja wie von selbst.

Das mit dem Wetter hatten wir an dieser Stelle schon öfter. Es soll in Bremen ja auch nicht besser gewesen sein. Der Dank nach sechs Tagen gilt unseren Gastgebern, die sich für uns ins Zeug gelegt haben. Das „Sporthotel Theresa" bot eine ideale Unterkunft, nur wenige hundert Meter vom Trainingsgelände entfernt mit tollem Wellnessbereich. Im „Posthotel", wo unsere Sponsoren seit zwei Tagen wohnten, trugen alle Angestellten Werder-Shirts, sogar der freundlich behäbige (schlief immer) Hund wurde mit einem Werder Hundehalstuch ausgestattet. Und die Journalisten schwärmten von ihrem „Ferienhotel Sonnenhof" - da soll es sehr lecker schmecken. Es wurden schon diverse Abschiedsfotos geknipst - vor dem „Theresa" mit Gastgeberfamilie Egger natürlich, und auch die Fans kamen bis zu unserem letzten Tag hier stets zu ihrem Recht. Sie haben dafür viel zurückgegeben. Beifall für gelungene Aktionen beim Training, aber auch eine für Testspiele eher ungewohnt lautstarke Unterstützung.

Ein wenig Schaden ist auch entstanden: Am Freitag im Abschlusstraining vor der Partie gegen Cottbus wurden Spielzüge geübt. Natürlich mit Abschluss. Aaron Hunt funktionierte diese Übung unfreiwillig zum „Scheibenschießen um. Seit dem 5. Juli arbeiten unsere Profis wirklich hart, die Konzentration kann nicht mehr in jeder Sekunde voll da sein, wohl deshalb geschah es. Sein Torschuss flog im hohen Bogen über das Tor und den Fangzaun und schlug dann in einem auf „Kipp" gestellten Fenster der benachbarten Tourismusschule ein. Klirrfaktor hoch, die Irritation beim Hausmeister weniger. Das hatte er zwei Wochen zuvor schon einmal erlebt, ein Stockwerk höher nur.  

Und auch Peter Detjen, der Lenker unseres Werderbusses, hatte Schwund zu beklagen. Das hintere Nummernschild seines MAN war entwendet worden. HB - WB .... - ein wirklich schönes Souvenir. Da selbiges in der vergangenen Saison schon einmal in Mainz passiert war, hatte er nun die Faxen dicke, schraubte das Schild vorne auch gleich ab und ließ es fotokopieren. Zwei laminierte Kopien zieren als Nummernschilder nun unseren Bus. Aber natürlich nur Übergangsweise.

Servus Zillertal sagt Werder Bremen und hat zum Abschied etwas hinterlassen. 5.000 Euro nämlich für die Jugendförderung. Als Ausgleich für die entgangenen Einnahmen des einheimischen SK Zell. Denn - zur Erinnerung - das erste Testspiel gegen eine Tirolauswahl hatten wir ja kurzerhand nach Hippach verlegt. Jetzt freuen wir uns alle auf die Rückreise und einen freien Sonntag.