"Monster-Comebacker" Andreasen - das Interview

Über zwei Jahre von der Fußballbühne verschwunden: Leon Andreasen feierte eine unglaubliche Rückkehr zu den "Roten".
Profis
Donnerstag, 13.09.2012 // 16:22 Uhr

Einer der Gewinner der noch jungen Bundesliga-Saison ist zweifelsohne Leon Andreasen. Nach 28-monatiger Verletzungspause legte der Däne in Diensten von Hannover 96 ein „Monster-Comeback" hin und feierte seine persönliche fußballerische Wiedergeburt. Immer und immer wieder fiel der Ex-Werderaner zuvor wegen Leistenbeschwerden aus. Die Gedanken an ein frühzeitiges Karriere-Ende waren größer denn je. 

Beim Europa-League-Quali-Spiel bei St. Patrick's Athletic kam Andreasen dann zurück - und wie! Nach sechs Minuten klingelte es im Netz der Iren. Der Torschütze? Leon Andreasen! „Es ist bemerkenswert nach so langer Zeit zurückzukehren, dazu kann man ihm nur gratulieren. Er war über Jahre hinweg raus, das ist eine großartige Leistung. Ich freue mich riesig, ihn in der Bundesliga wieder zu sehen", zeigte sich Thomas Schaaf angetan von dem 29-Jährigen. WERDER.DE kontaktierte den sympathischen Dänen, der bereits auch wieder in der Nationalmannschaft aktiv war, vor dem „kleinen" Nordderby und sprach über die Leidenszeit, seine Erinnerungen an den SV Werder und das Spiel am Samstag in der AWD-Arena.

 

Hallo Leon, auch bei 96 hat sich in dieser Saison das Spielerkarussell wieder wie üblich gedreht. Fühlst du dich eigentlich ebenfalls als Neuzugang?

Leon Andreasen: „Nein, eigentlich nicht. Ich war in meiner Verletztenzeit oft in Hannover und hatte Kontakt zu meinen Teamkollegen. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Trainer das so sieht. Ich habe die ganze Zeit nur versucht, mich wieder heranzukämpfen."

Dieser Kampf dauerte 28 Monate. Ein wahnsinnig langer Zeitraum! Wie schlimm war die Leidenszeit für dich?

Leon Andreasen: „Ich hatte noch nie eine schwere Verletzung. Und dann gleich so was. Das war schon heftig. Es war für den Kopf unglaublich schwer. Immer wieder diese Rückschläge. Ich habe mich zwei, drei Monate im Aufbau befunden, tagtäglich an meiner Rückkehr ins Training gearbeitet. Als ich dann zehn Minuten auf dem Platz stand, habe ich gemerkt, dass es doch nicht geht. Da war ich sofort wieder bei null. Das waren die schwierigsten Momente für mich. Ich habe das fünf- oder sechsmal in der ganzen Zeit erlebt."

Die insgesamt fünfte Operation hat dann die Wende gebracht. Ein Arzt in Kopenhagen konnte dir helfen. Was wurde genau diagnostiziert?

Leon Andreasen: „Es gab keine richtige Diagnose. Ich wurde Ende Oktober 2011 operiert, der Doc hat Narbengewebe entfernt, das auf einen Muskel gedrückt hat. Danach ging es bergauf, ich war über einen längeren Zeitraum schmerzfrei und konnte mich Stück für Stück wieder heranarbeiten."

Wer hat dir in dieser Zeit am meisten Halt gegeben?

Leon Andreasen: „Meine Familie, also meine Verlobte und mein Sohn. Sie haben alles miterlebt. Sie haben mir Kraft gegeben."

In Hannovers U 23 hast du schließlich wieder die erste Spielpraxis bekommen. Wie war das für dich? Immerhin mussten neun Kilogramm Übergewicht wieder runter...

Leon Andreasen: „Die Spiele in der U 23 taten mir gut. Ich habe dort anfangs in der Innenverteidigung gespielt. Die Dosierung war genau richtig. Das war nicht zu viel und nicht zu wenig. Natürlich war es am Anfang sehr anstrengend. Ich musste im Ausdauerbereich einiges nachholen. Ich konnte die Zeit davor nur im Kraftraum arbeiten. Das war das Einzige, was ich machen konnte."

Mittlerweile bist du wieder im Profi-Team gelandet und aus diesem gar nicht mehr wegzudenken. In acht Pflichtspielen hast du fünf Tore erzielt. Damit bist du zu Hannovers Goalgetter Nummer eins aufgestiegen. Sehen wir zurzeit den Leon Andreasen 2.0?

Leon Andreasen: „Es läuft bei mir besser durch die Tore. Darüber freue ich mich natürlich, weil ich auch gar nicht damit gerechnet habe. Ob es ich jetzt besser bin, als vor meiner langen Verletzungspause, das kann ich nicht beurteilen. Es waren erst acht Spiele. Die Saison ist noch lang, wir haben noch einen weiten Weg vor uns."

Am Samstag kommt es zum Aufeinandertreffen gegen deinen Ex-Verein Werder Bremen! Als du nach Bremen kamst, warst du noch sehr jung. Es war deine erste Station im Ausland, speziell in Deutschland. Wie würdest du deine Zeit an der Weser rückblickend beschreiben?

Leon Andreasen: „Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Bremen. Ich habe Thomas Schaaf viel zu verdanken, das äußere ich in Interviews auch immer wieder. Ich glaube, er kann bestätigen, dass ich nach meinem Wechsel von Aarhus zu Werder ein bisschen Arbeit vor mir hatte. Das Niveau war doch ein anderes. Ich habe mich aber unter ihm so entwickelt, dass ich in der Bundesliga mithalten konnte."

Deine ersten Spiele im Werder-Trikot hast du in der Innenverteidigung bestritten und bist erst später auf deine Wunschposition im Mittelfeld gewechselt. Die Konkurrenz dort war riesig. Immerhin hattest du Torsten Frings und Tim Borowski vor dir...

Leon Andreasen: „In der damaligen Mannschaft war es schwer für mich. Es waren nicht nur die beiden, sondern dazu auch noch Johan Micoud in der Zentrale. Der Schritt war damals trotzdem der richtige. Ich konnte erste Erfahrungen sammeln und mich gut entwickeln."

Welche Erinnerungen hast du an die Stadt und an deine ehemaligen Teamkollegen?

Leon Andreasen: „Ich habe in der Schwachhauser Heerstraße gewohnt. Direkt vor der Haustür hatte ich viele Möglichkeit, etwas Gutes zu essen. Ich kann mich noch an diesen Sandwich-Laden erinnern, der mir gut gefallen hat. Dort habe ich fast täglich gemeinsam mit Daniel Jensen gegessen. Ich war aber auch oft direkt in der Innenstadt oder bei Daniel in Oberneuland. Darüber hinaus habe ich viel mit Kasper Jensen unternommen. Mit Markus Rosenberg kam ich auch gut klar, obwohl wir nicht viel gemeinsam gespielt haben. Dadurch, dass ich mit Per Mertesacker gut befreundet bin und er sich auch mit Clemens Fritz gut versteht, kenne ich Clemens auch ein bisschen näher. Er ist auch ein guter Typ."

Einer deiner Wegbegleiter war auch Aaron Hunt. Auf eure gemeinsame Zeit angesprochen, sagte er, dass du ihm positiv in Erinnerung geblieben bist. Er hat dich als einen offenen, lebensfrohen Menschen kennen gelernt und deinen Werdegang auch nach deiner Zeit in Bremen verfolgt. Er freut sich unheimlich, dass du wieder auf dem Platz stehst. Wie reagierst du auf diese Worte?

Leon Andreasen: „Oh, das freut mich natürlich. Aaron ist ein super Typ, mit ihm habe ich mich auch richtig gut verstanden. Wir hatten in Bremen viel Spaß zusammen. Ich freue mich auf das Wiedersehen am Samstag. Da hab ich auch noch was mit ihm zu besprechen." (lacht)

Um was geht es da genau?

Leon Andreasen: „Nein, nein, das verrate ich jetzt nicht. Das bleibt unter uns."

Vielleicht hat er dir dann ja auch zu sagen, dass er die Punkte mit nach Bremen nehmen muss...

Leon Andreasen: (lacht) „Nein, da muss ich ihn enttäuschen. Wir werden 2:1 gewinnen."

Was macht dich so optimistisch?

Leon Andreasen: „Wir haben seit einem Jahr nicht mehr vor heimischer Kulisse verloren. Dazu ist unser Kader auch richtig gut. Früher waren wir nicht auf jeder Position so gut doppelt besetzt. Das ist in dieser Saison anders. Das spürt man im Training, das merkt man aber auch in den Spielen. Wir hatten einen guten Saisonstart in der Liga, im Pokal und auch in Europa. Wir wissen aber auch, dass Bremen eine starke Mannschaft hat. Werder kann stark attackieren und ist zudem gut im Konterspiel. Die Bremer haben sowohl hinten als auch vorne schnelle Spieler. Das wird nicht einfach, dennoch wollen wir die drei Punkte in Hannover behalten."

Danke für das Gespräch, Leon. Wir wünschen dir viel Gesundheit und bleib der Bundesliga noch lange erhalten!

 

Das Interview führte Timo Volkmann