Schaaf: „Wir müssen vorbereitet und stark sein“

Der aktuell bestens aufgelegte Nationalspieler Lukas Podolski klatscht mit Trainer Ståle Solbakken ab.
Donnerstag, 03.11.2011 // 17:24 Uhr

Es ist nicht so, dass Ståle Solbakken von niemandem gewarnt wurde. „Die Trainerstühle in Köln glühen", gab ihm der ehemalige FC-Coach und heutige dänische Nationaltrainer Morten Olsen mit auf den Weg...  

Es ist nicht so, dass Ståle Solbakken von niemandem gewarnt wurde. „Die Trainerstühle in Köln glühen", gab ihm der ehemalige FC-Coach und heutige dänische Nationaltrainer Morten Olsen mit auf den Weg. Auch Volker Finke, sein neuer Sportdirektor, vermittelte dem 43-jährigen Norweger damals während der Vertragsgespräche eingehend die Schwierigkeit der Aufgabe: „Er kann es nicht allein, ich kann es nicht allein, und es müssen noch viele andere helfen - so ist Köln."

Erst viel Wirbel, dann die Stabilisierung - FC mit bestem Saisonstart seit langem

Ausrufezeichen in Leverkusen! 4:1 siegte der FC im rheinischen Derby.

Jedoch muss einiges passiert sein in den Wochen und Monaten vor dem anstehenden 12. Bundesliga-Spieltag, an dem Werder Bremen am kommenden Samstag, 05.11.2011, um 15.30 Uhr den 1. FC Köln im heimischen Weser-Stadion empfängt. Insbesondere wenn selbst die stets heißblütige Boulevardzeitung ‚Kölner Express‘ dieser Tage feststellte: „Lange ist es her, dass am Geißbockheim ein Trainer im Herbst noch so fest im Sattel saß wie nun Ståle Solbakken." Fünf Meistertitel gewann Solbakken zwischen 2006 und 2011 mit dem FC Kopenhagen. Sein norwegischer Landsmann Jan Åge Fjørtoft nannte ihn „ein Trainer-Wunderkind" und lobte den FC für „eine Super-Verpflichtung". Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten, teilweise krasser Leistungsschwankungen, der gewohnt überwältigenden Erwartungshaltung im Umfeld und des unablässigen Drucks der stets brodelnden Medienlandschaft. Den Domstädtern ist mit 16 Punkten aus elf Spielen samt eines acht-Zähler-Polsters auf den Relegationsrang der beste Saisonstart seit 15 Jahren gelungen.

„Sie haben bisher unterschiedliche Gesichter, aber auch immer wieder etwas Besonderes gezeigt. Durch ihre jüngsten Erfolge haben sie an Sicherheut gewonnen. Wir müssen vorbereitet und stark sein", kalkuliert Werders Cheftrainer Thomas Schaaf. Ein neues Spielsystem überträgt der Norweger Solbakken seit seinem Dienstantritt auf die Geißböcke, in welchem der Fokus in der Defensive vor allem auf einem radikal-riskanten Ansatz von Zonen- und Raumverteidigung fußt. Das kann zuweilen fundamental in die Hose gehen, wie beispielsweise beim 1:5 in Schalke und beim 0:5 in Dortmund - oder eben Gegner zur Verzweiflung bringen, wie es auch die Spitzenteams aus Leverkusen (4:1) und Hannover (2:0) schon zu spüren bekamen. Zudem sorgte eine unpopuläre Entscheidung des 43-Jährigen gleich zu Beginn für einen Paukenschlag, der akute Unruhen nach sich zog: Die Bestimmung des Innenverteidigers Pedro Geromel zum Kapitän. Denn dadurch hatte sie der bisherige Träger Lukas Podolski verloren. Werders Geschäftsführer Klaus Allofs ist nicht entgangenen, dass sie „am Anfang wohl einige Probleme mit der Taktik und Arbeitsweise des Trainers hatten." Mittlerweile haben sowohl Mannschaft als auch der Trainer sich stabilisiert. Solbakkens offene, ehrliche und humorvolle Art kommt an, auch Selbstkritik gesteht er ein.

Lukas Podolski in herausragender Form

Keine schönen Erinnerungen: Das letzte Aufeinandertreffen mit dem FC verloren Marko Marin und Co. mit 0:3.

„Ich habe Fehler in der Anfangszeit gemacht. Für mich gab es Dinge, die selbstverständlich waren. Ich spiele viel mehr Raumdeckung als Manndeckung. Ich denke, dass es nicht so kompliziert ist. Für viele Spieler sind das neue Dinge. Das braucht Zeit. Jeden Tag wird es besser. Ich bin ein neuer Trainer in der Bundesliga. Vielleicht habe ich deshalb meine Arbeit in den ersten Wochen nicht gut gemacht", offenbarte Ståle Solbakken vor einiger Zeit in einem TV-Interview. Und Lukas Podolski? Der befindet sich seit Wochen in herausragender Form, hat bereits acht Treffer erzielt und vier Vorlagen gegeben, wodurch er an zwölf der 18 Kölner Saisontore direkt beteiligt war. Die Wogen sind also geglättet. Öffentlich wirksam machte dies nicht zuletzt Podolskis Jubelsprung in die Arme des Trainers nach seinem Doppelpack gegen Hannover. Solbakken schwärmte von seinem Leistungsträger in einem Vergleich mit ganz oben: „Messi hat vielleicht mehr Finesse im linken Fuß. Aber Poldis Power-Fuß ist einmalig auf der Welt. Barcelona ist nicht Barcelona ohne Messi, und Köln ist nicht Köln ohne Podolski."

„Lukas Podolski ist ein sehr wichtiger Spieler für sie, der auffällige Szenen hat, der vielleicht am meisten Torgefahr ausstrahlt. Er sucht den direkten Weg und profitiert dabei sehr von seinem Klasseschuss", analysiert Thomas Schaaf, ergänzt dennoch wohlwissend: „Aber allein macht er es nicht. Wenn man ihm das Zuspiel nimmt, kann er seine Stärken auch nicht aufzeigen." Aber zumindest in der Kölner Offensive ist der Nationalspieler derzeit etwas auf sich gestellt. Nicht nur Adil Chihi (Kreubandriss) fehlt noch lange, auch Milivoje Novakovic (Oberschenkelprobleme) ist verletzt. Podolski wird also wie schon beim 3:0-Erfolg zuletzt gegen Augsburg als Mittelstürmer agieren - „auch wenn er kein klassischer Box-Spieler ist", erklärte Solbakken. Mit Pedro Geromel kehrt zwar kein Torjäger, aber immerhin der Kapitän nach auskurierter Meniskus-OP in den Kader zurück. Auch wenn, dem 1. FC Köln wichtige Akteure fehlen, warnt Klaus Allofs berechtigterweise: „Man weiß nicht immer so genau, was einen erwartet. Aber wir gehen vom 'Schlimmsten' aus." Und das heißt: „Sie können sehr gut sein."

von Maximilian Hendel