In Sichtweite vor dem Nord-Süd-Schlager

Treffen sich am Samstag in München: Werders Kapitän Clemens Fritz und Luiz Gustavo vom FCB.
Donnerstag, 01.12.2011 // 16:27 Uhr

Eigentlich geizte kein Betrachter mit Superlativen, wenn sich die Thematik um die Leistungen des FC Bayern drehte. Das endgültige Absetzen von der Konkurrenz? Nur noch eine Frage der Zeit. „Vor kurzem war es noch eine langweilige Saison", rekapituliert Werders Geschäftsführer Klaus Allofs augenzwinkernd...  

Eigentlich geizte kein Betrachter mit Superlativen, wenn sich die Thematik um die Leistungen des FC Bayern drehte. Das endgültige Absetzen von der Konkurrenz? Nur noch eine Frage der Zeit. „Vor kurzem war es noch eine langweilige Saison", rekapituliert Werders Geschäftsführer Klaus Allofs augenzwinkernd die Gemütslage der jüngsten Vergangenheit bezüglich eines diesmal ausbleibenden Meisterschaftskampfes. Das ist kaum zwei Wochen her. Nun wartet der 15. Spieltag mit einem „Super-Samstag" (kicker.de) auf, an dem sich wiederholt das derzeitige Spitzenquartett der Liga auf diesmal engstem Punkteraum untereinander duelliert.

 

Schaaf: „Immer etwas Besonderes, sich gegen die Besten zu beweisen“

Der Trainer und sein Torjäger: Jupp Heynckes nach einer Auswechslung von Mario Gomez.

Mittendrin ist auch Werder Bremen. Die Grün-Weißen treten Übermorgen, am 03.12.2011, um 15.30 Uhr beim FC Bayern München an. Der Rekordmeister musste nach zwei Niederlagen in Folge sowohl den neuen Spitzenreiter Borussia Dortmund als auch Borussia Mönchengladbach passieren lassen und sieht sich augenblicklich einem nicht weniger angespornten Viertplatzierten der Tabelle gegenüber. Drei Punkte beträgt der Rückstand. „Sie sind in Sichtweite", rundet Klaus Allofs die rein statistischen Vorzeichen ab. Diese Aussage darf jedoch mitnichten mit etwaigem Bremer Übermut verwechselt werden. „Im Moment haben wir einen guten Blick. Ich hoffe, dass dieser nicht getrübt wird", sagt Cheftrainer Thomas Schaaf und bekennt vielmehr: „Es hat immer etwas Besonderes, sich gegen die beste Mannschaft Deutschlands zu beweisen."

„Der FC Bayern spielt eine Partie, die von Überzeugung getragen ist. Sie haben eine sehr gute Qualität, sind mit außergewöhnlichen Individualisten besetzt, die es auch als Mannschaft aufzeigen", beurteilt Schaaf. Und vor allem „können sie zu jeder Zeit zurückkommen." Trotz des momentanen Durchhängers im Liga-Alltag besteht daran angesichts der Bandbreite an Begabungen und Potential, die diese Mannschaft in sich vereint, keinerlei Zweifel. Das Team hat die meisten Tore geschossen (34) und die wenigsten kassiert (8), sie zogen souverän ins Champions-League-Achtelfinale ein und ihnen fehlt auch nur ein Pünktchen bis ganz oben. Trainer Jupp Heynckes leitete in seiner dritten Amtszeit an der Säbener Straße im Nu das Vergessen einer von vielen Querelen geprägten letzten Saison ein, die ohne Titel und dem vorzeitigen Rauswurf von Louis van Gaal ihr Ende fand.

Rummenigges Empfehlungen gegen Bayerns Negativ-Trend

Erinnerungen an einen Triumph: 2008 gewannen Naldo und Co. 5:2 in München.

Wie er das bewerkstelligt, lassen die Worte von Torjäger Mario Gomez im aktuellen Bayern-Magazin erahnen: „Aber nur weil man sagt, er sei sehr menschlich, heißt das ja nicht, dass er nur schulterklopfend durch die Gegend läuft. Er sieht sich als Teil des Ganzen, aber natürlich gibt er die Richtung vor. Er ist sehr, sehr fordernd in der täglichen Arbeit, er ist ein absoluter Profi. Er besitzt eine natürliche Autorität, die er nicht durch irgendwelche aufgezwungenen Dinge untermauern muss. Er genießt den Respekt eines jeden Spielers, jeder schätzt seine Arbeit." Aber, und das verdeutlichte nicht zuletzt die zurückliegende Niederlage in Mainz, von einem sportlichen Spaziergang zu neuerlichen Triumphen kann nicht die Rede sein. Der aktuelle Negativ-Trend wird keinesfalls unterschätzt, schon gar nicht von den Verantwortlichen. „Jeder einen Schritt weniger, jeder einmal bisschen langsamer, jeder einen Querpass mehr, anstatt in die Tiefe zu spielen, wo es weh tut. Wenn man das ganz genau analysiert, dann hat man eine Erklärung für dieses sehr schlimme Spiel gegen Mainz", begründete Präsident Uli Hoeneß in aller Ausführlichkeit gegenüber Sky Sport News.

Zudem schmerzen natürlich der Ausfall von Bastian Schweinsteiger (Schlüsselbeinbruch) und Arjen Robbens fehlende Spielpraxis nach auskurierter Leisten-OP. Für Samstag wackelt noch Toni Kroos (Bettruhe nach Grippesymptomen), während Gomez‘ im Training erlittene Schienbeinprellung keine Probleme mehr macht. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz-Rummenigge bemühte derweil im Zuge des anstehenden Nord-Süd-Schlagers Grundtugenden: „Laufen, kämpfen, kratzen, beißen. Das würde ich der Mannschaft dringend empfehlen. Jetzt ist es extrem wichtig, dass sie gegen Werder wieder in die richtige Spur zurückfindet." Die Grün-Weißen werden ihrerseits vorbereitet sein. „Der Schwerpunkt muss auf der eigenen Mannschaft liegen. Wenn wir stark sind und die Überzeugung haben, die eigenen Aufgaben konsequent anzugehen, dann können wir jedem das Leben sehr schwer machen. Je mehr ich meine Dinge richtig mache, umso weniger werden wir dies beim Gegner sehen", weiß Thomas Schaaf.

von Maximilian Hendel