BVB: Warum lange ärgern, wenn daheim das Double winkt?

Sokratis im Duell mit BVB-Innverteidiger Mats Hummels. Am Samstag gastiert Werder in Dortmund.
Donnerstag, 15.03.2012 // 16:13 Uhr

Unter der Woche stand die Königsklasse wieder im Mittelpunkt. Die verbliebenen Rückspiele des Achtelfinales wurden ausgetragen. Trainer Jürgen Klopp, dessen Mannschaft Borussia Dortmund...

Unter der Woche stand die Königsklasse wieder im Mittelpunkt. Die verbliebenen Rückspiele des Achtelfinales wurden ausgetragen. Trainer Jürgen Klopp, dessen Mannschaft Borussia Dortmund im kommenden Bundesliga-Spiel Werder Bremen erwartet (Sa., 17.03.2011, 15.30 Uhr), wird am Bildschirm wohl auch mindestens ein interessiertes Auge nach Mailand geworfen haben.

Eine famose Saison des Meisters - auf nationaler Ebene

Robert Lewandowski und Co. wurden in Augsburg auf Schritt und Tritt bewacht.

Er sah, wie „durch beinhartes Mittelfeld-Catenaccio und einen gut aufgelegten Torwart" die „gallischen Brachialfußballer" ('Süddeutsche Zeitung') von Olympique Marseille schwerfällige Gastgeber von Inter erfolgreich entnervten. Vermutlich weckte das dortige Geschehen ein paar Erinnerungen an die bisher einzigen geflossenen Dortmunder Wermutstropfen ihrer ansonsten auf nationaler Ebene erneut famosen Spielzeit. Unter anderem die Franzosen aus Marseille entschlüsselten in der zurückliegenden Vorrunde der Champions League schonungslos die Mängel der Schwarz-Gelben, jener jüngsten deutschen Meistermannschaft aller Zeiten, bei deren Debüt auf der ganz großen Bühne: Die jugendliche Ausgelassenheit. „Erfahrung kann man sich nicht einreden, die muss man machen", konstatierte Jürgen Klopp vor wenigen Tagen im Nachrichtenmagazin 'DER SPIEGEL', „wir haben nicht das gemacht, was notwendig war, sondern das, was wir geil fanden. Dann hat es wumm gemacht. Das haben wir so nicht erwartet. Etwa in Marseille. Die Spieler sind mit allen Abwassern gewaschen, die haben ihren Körper voll reingehauen. Dabei wollten wir doch nur spielen."

Im Bundesliga-Alltag dagegen wirkt die Borussia seit Monaten nahezu immun gegenüber derartiger Blauäugigkeit. Warum lange über die Champions League ärgern, wenn daheim sogar das Double winkt? Denn hier fällt die Elf des Spitzenreiters so auf, als sei sie mit allen Abwassern gewaschen, mit präzisen Spielzug-Automatismen bestückt, mit schier ungebändigter, nimmermüder Physis versehen, wodurch der Großteil ihrer Gegner in Grund und Boden gerannt wird. Am 18. September 2011 verlor der Meister sein letztes Punktspiel. Es war ein 1:2 in Hannover. Seitdem sind 19 weitere Bundesliga-Partien (15 Siege, vier Unentschieden) vergangenen. Außerdem wartet nächste Woche noch das DFB-Pokalhalbfinale in Fürth. „Wir wissen, dass sie sehr gut spielen, dass sie sehr schnell umschalten und immer wieder sehr präsent vor dem gegnerischen Tor sind", sagt Werders Cheftrainer Thomas Schaaf. Ein Fixpunkt dieser gefestigten Elf bildet Sven Bender im defensiven Mittelfeld. Jürgen Klopp wird nicht müde, dessen nahezu Unverzichtbarkeit zu betonen: „Für uns ist er der Wind, der jede Tür zuschlägt. Er schließt jedes Loch und hat sogar Riesenspaß daran" ('Goal.com').

Schaaf: „Wir wollen das Geschehen nicht auf uns zukommen lassen“

Im Hinspiel verlor Werder mit 0:2. Hier bejubelt der BVB das Tor von Patrick Owomoyela.

Auch die langwierige Verletzung von Nationalspieler Mario Götze (Schambein) wurde bestens kompensiert durch den wiedererstarkten Flügel-Antreiber Jakub Blaszczykowski. Im Angriffszentrum hat ein bärenstarker Robert Lewandowski (16 Treffer) den letztjährigen Torjäger Lucas Barrios verdrängt. Am vergangenen Wochenende allerdings hat kein Dortmunder Glanzlichter gesetzt. Der unermüdliche Aufsteiger FC Augsburg trotzte dem BVB ein achtbares 0:0 ab. „Für das Spiel haben wir nicht mehr als einen Punkt verdient. Man muss auch die Leistung der Augsburger respektieren, die leidenschaftlich verteidigt haben", gestand Jürgen Klopp und führte am nächsten Tag gegenüber dem ‚Sportinformationsdienst‘ weiter aus: „Man merkt, wie schwierig es ist, über einen so langen Zeitraum konstant zu spielen. Das war sicherlich kein Highlight in unserer Geschichte. Aber wir haben richtig um den Punkt gekämpft, die Jungs waren ganz konzentriert und haben ihre eigenen Fehler durch ganz, ganz hohen Laufaufwand dann wieder wett gemacht." Als „außergewöhnliche Herangehensweise" empfanden die Gäste vor allem die körpernahe Allzeitbeschattung der in den 90 Minuten fast wirkungslos gebliebenen offensiven Schlüsselspieler wie Shinji Kagawa. Deren Manndeckung sorgte für die dauerhafte Entschleunigung der Angriffsbemühungen.

Fünf Punkte liegt Borussia Dortmund derzeit vor dem FC Bayern. „Es hängt auch von uns ab", erwähnte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, wie viel Fahrt der Meisterkampf nach den eindrucksvollen Ausrufezeichen der Münchner noch aufnimmt. Dabei steht den Bremern verständlicherweise vordergründig der Ausbau des eigenen Punktkontos im Sinn. Es komme am Samstag entscheiden darauf an, betonte Thomas Schaaf, „was wir machen, wenn wir in Ballbesitz sind. Unsere Handlungen sind wichtig. Wir wollen das Geschehen nicht auf uns zukommen lassen, sondern unsere Philosophie immer mehr prägen. Ich hoffe, dass wir Stärke und Sicherheit aus der Hannover-Partie mitnehmen und mutig gegnug sind, ein offenes Spiel zu zeigen."

von Maximilian Hendel