Eigengewächs Trinks "nutzt seine Chance"

Florian Trinks feierte sein Startelf-Debüt in dieser Saison und zeigte eine ansprechende Leistung.
Profis
Samstag, 10.12.2011 // 19:31 Uhr

So viel Zuspruch vom Coach hätte der 19-Jährige gar nicht nötig gehabt, denn seiner Selbsteinschätzung war realistisch genug, um glücklich den Medienmarathon nach dem Spiel zu absolvieren. "Die Schlagzeilen vor dem Spiel haben mich nervöser dargestellt, als ich war. Es war doch klar, dass ich nicht Werder retten musste. Ich wollte hier nur antreten, um zu beweisen, dass ich auf diesem Niveau meine Chance nutzen kann und ich glaube, das ist mir gelungen. Ich bin sehr glücklich."

In der Mixed-Zone nach dem Spiel wuschelte Thomas Schaaf dem 19-Jährigen Florian Trinks fast väterlich durch die Haare und schubste ihn leicht vor die WERDER.TV-Kamera. "Dein Wort zum Spiel ist gefragt! Du kannst ruhig etwas Positives erzählen", flüsterte der Bremer Coach ihm zu. Der Trainer hatte zuvor schon seine Einschätzung zum diesjährigen Startelf-Debüt des gebürtigen Thüringers gegeben. "Er hat sich heute belohnt. Er kann jedem sagen, dass er ein gutes Spiel gezeigt hat", hatte Schaaf resümiert und sich öffentlich für den Youngster gefreut. "Florian hatte zu Beginn der Saison große Probleme, den Rhythmus zu finden, dann ist die Saison bisher nicht so gelaufen, wie er sich das vorgestellt hat, aber er ist immer dran geblieben und hat sich heute mit dieser Leistung belohnt."

Daran ändert auch die Szene in der 39. Minute nichts, die ihn sicher noch ein paar Tage begleiten wird. Gemeinsam mit Markus Rosenberg war er auf das Wolfsburger Tor zugestürmt, doch den Querpass des Schweden versemmelte er Richtung Westribüne Oberrang. Seine Reaktion war keineswegs die eines verunsicherten Youngsters. "Ganz klar, das Ding muss ich machen. Ich habe mich wahrscheinlich zu sehr darauf konzentriert nicht ins Abseits zu laufen, deswegen war ich etwas ins Stocken geraten. Aber diese Szene wird mich nicht traumatisieren. Ich war danach selbst überrascht, dass ich mich gar nicht so geärgert habe, obwohl ich gern mein erstes Bundesligator gemacht hätte." Mit einem Grinsen im Gesicht fügte er an: "Dann muss ich das Tor eben gegen Schalke nachlegen. Auf jeden Fall werde ich noch ein paar für Werder machen."

Vielleicht half dem U 17-Europameister von 2009 auch der große Rückhalt, den er von den Teamkollegen spürte. "Sie geben mir immer wieder Tipps. Claudio und Markus haben mich nach der vergebenen Chance aufgemuntert. Clemens hat auf dem Feld viel mit mir gesprochen. Auch beim Gegentor hat er mir klar gemacht, dass ich da vielleicht zu weit eingerückt bin. Für solche Hinweise bin ich dankbar. So etwas möchte man immer verbessern." Der Kapitän zu Trinks: "Er hat auch ohne das Tor ein gutes Spiel gemacht, aber ich hätte ihm den Torerfolg schon sehr gegönnt. Beim Gegentor war er ja nicht schuld, sondern alle zusammen. Dieser Gegentreffer hat mich mehr geärgert als die vergebnenen Chancen. Wir alle waren nach dem 3:0 in der Defensive wieder zu nachlässig."

Lob gab es für das Werder-Eigengewächs, das sich aus der U 17 in den Profi-Kader kämpfte, auch von Geschäftsführer Klaus Allofs: "So ist es im Fußball, manchmal entstehen Gelegenheiten, wenn die Konkurrenten verletzt sind, dann muss man aber sofort da sein. Das hat Florian heute geschafft. Wir hatten aber sowieso den Eindruck, dass bei ihm in den letzten Wochen vieles besser lief. Er hat sich mit dieser Partie heute in eine sehr gute Position gebracht. Er hat seine Chance genutzt. Ab Mitte der zweiten Hälfte fehlte ihm etwas die Kraft, aber er hatte bis dahin ein hohes Laufpensum absolviert."

Es gilt für Trinks: Energie aufladen und weiterarbeiten, dann kann er sich auch auf Schalke berechtigte Hoffnungen machen, sein drittes Bundesligaspiel über 90 Minuten zu bestreiten.

Aus dem Weser-Stadion berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas