Team ging für Tim in die Abwehrschlacht

Die Stutzen dreckig, das Trikot noch nicht ganz trocken: Auch "Iggy" stellte sich komplett in den Dienst der Mannschaft.
Profis
Samstag, 17.09.2011 // 20:13 Uhr

Er hält seit Wochen überragend und entschärfte auch am Samstagnachmittag im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg die ersten Großchancen für die Gastgeber. Doch in der 17. Minute traf Tim Wiese eine falsche Entscheidung und wurde dafür gleich knallhart bestraft.

Rot! Ausschluss für die laufende Partie und mindestens ein weiteres Spiel Sperre. Kopfschüttelnd trottete er in die Katakomben des easy-Credit Stadion. „Ich bin rausgelaufen, wollte klären, doch als ich den Ball mitnehmen wollte, ist er mir drunter her geschlittert. Was danach kam, ist dumm gelaufen, das war klar rot. Keine Diskussion. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich hätte da wohl einfach wegbleiben müssen." Den ehrlichen und selbstkritischen Worten des Keepers folgte eine Danksagung an die Teamkollegen für den großartigen Kampf. „Kompliment an alle, dass wir hier noch etwas mitnehmen. Das war alles andere als leicht."

Mannschaftskapitän Clemens Fritz stimmte zu. In Unterzahl lieferten sich die Gün-Weißen eine verbissene Abwehrschlacht gegen starke Nürnberger. „Da musste jeder für den anderen rennen. Wir mussten uns gegen die Niederlage stemmen. Wir sind ja sonst für unser Offensivspiel bekannt, aber heute war das mal ganz anders. Dafür, dass wir so lange in Unterzahl spielen mussten, können wir mit dem Unentschieden sehr gut leben."

Andreas Wolf sagte dazu: „Wir brauchen Tim nicht zu trösten, so etwas passiert im Sport. Gerade wenn du in der Defensive spielst, werden Fehler oft auch grausam bestraft. Böse ist ihm deswegen niemand. Entscheidend ist dann doch, wie die Mannschaft auf so eine Situation reagiert. Wir haben das als Team gut angenommen, sind weite Wege gegangen. In der zweiten Halbzeit hatten wir dann nach vorn kaum noch Entlastung gehabt und mussten alles geben. Die Nürnberger hatten das aber auch sehr gut gemacht, sie haben uns immer unter Druck gesetzt, kaum Luft holen lassen. Schade dass dann der Gegentreffer nach einer Standardsituation fiel, denn aus dem Spiel heraus standen hatten wir das wirklich sehr gut im Griff."

Ein Grund dafür war in der zweiten Halbzeit auch Hereinnahme von Naldo, der die Defensive zu einer Fünferkette ergänzte und zusätzliche Sicherheit gab. „Ich sollte die Innenverteidigung unterstützen und wollte natürlich zeigen, dass ich wieder voll da bin. Ich will den Trainer unbedingt überzeugen, dass ich wieder voll zur Verfügung stehe", sagte der Brasilianer. Teamkollege Sebastian Prödl bestätigte die ungewöhnliche taktische Variante: „Ja, wir haben dann mit einer Fünferkette agiert. Der Trainer hatte in der Halbzeit schon angekündigt, dass er so wechseln wird, wenn wir noch mehr unter Druck kommen."


Im Griff hatte auch Torhüter Sebastian Mielitz die Kugel. Er vertrat wieder einmal Tim Wiese mit einer starken Leistung. „Ich habe versucht, der Mannschaft zu helfen. Kalt hat es mich ja nicht erwischt, ich war noch ganz gut warm. Das Spiel lief ja noch nicht so lang. Beim Gegentor war ich leider chancenlos, der Nürnberger kommt frei zum Kopfball und vor mir stand Philipp (Bargfrede) auf der Linie, der breit gebaut ist, sodass ich gar keinen Zugriff bekam."

Nachgekartet wurde am Samstagabend nach dem Spiel auch von der sportlichen Leitung nicht. Werders sportliche Leitung sprach zwar den Fehler an, wollte der Szene aber auch nicht riesige Bedeutung beimessen. „Ich bin sicher, dass Tim schon beim Gang in die Kabine wusste, wo der Fehler lag. Er durfte nicht den Abstand zum Verteidiger so stark verkürzen, nur so kam der Druck in diese Szene. Wenn er im Tor bleibt, dann spielt Sebastian Prödl den Rückpass und es kommt keine Gefahr auf. Aber so war klar, dass er foulen mussten und die Rote Karte abholen musste", analysierte Klaus Allofs, der auch ein positives Signal in dieser Abwehrschlacht erkannte. „Dieses Spiel hat das Team wieder enger zusammengeführt. Es hat gekämpft, obwohl die Kräfte am Ende auch deutlich nachließen."

Trotz eines mäßigen Starts bekam die Mannschaft im kämpferischen Bereich ebenfalls ein Lob von Cheftrainer Thomas Schaaf: „Sie hat versucht mit zehn Mann dagegenzuhalten, sich zu wehren und das ist ihr gelungen. Bei den Bodenverhältnissen hat sich dieser schweren Aufgabe gestellt und sich den Punkt verdient."

Aus Nürnberg berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas