Reaktionen: Enttäuschung, Einsicht, Entschlossenheit

Es ist zum Haare raufen: Claudio Pizarro "gelang" gegen Nürnberg der 15. Bremer Alu-Treffer der Saison.
Profis
Samstag, 25.02.2012 // 22:49 Uhr

Als Schiedsrichter Felix Zwayer die Begegnung gegen den 1. FC Nürnberg abpfiff, sanken kollektiv die Köpfe der Werderaner. Die 0:1-Niederlage gegen den Club war für den SV Werder die erste Niederlage im Jahr 2012 ...

Als Schiedsrichter Felix Zwayer die Begegnung gegen den 1. FC Nürnberg nach 93 Minuten abpfiff, sanken kollektiv die Köpfe der Werderaner. Die 0:1-Niederlage gegen den Club war für den SV Werder die erste Niederlage im Jahr 2012 und erst das zweite Mal in der laufenden Spielzeit, dass die Grün-Weißen den Rasen im Weser-Stadion mit leeren Händen verließen. Entsprechend fielen die Reaktionen aus.

„Das ist eine Riesenenttäuschung. Wir haben uns gegen Nürnberg mehr erhofft, haben gefühlt die gesamte Spielzeit das Spiel bestimmt. Deshalb ist diese Niederlage sehr, sehr bitter", zeigte sich Kapitän Clemens Fritz betrübt, richtete den Blick aber schnell wieder nach vorne: „Es wird uns nicht schwer fallen, wieder aufzustehen. Wir wissen, dass es bis zum Ende ein harter Kampf um die internationalen Plätze wird, aber darauf sind wir eingestellt. Wir müssen versuchen Woche für Woche Punkte zu sammeln. Ich sehe in unsere Mannschaft das Potential, die gesteckten Ziele gemeinsam mit unseren Fans erreichen zu können."

Neben der Enttäuschung über die Niederlage, gab es auch andere Themen in der Mixed-Zone:

Der Spielverlauf:

Klaus Allofs:
"Wir haben gut angefangen, aber nicht mit der Konsequenz, dass daraus Tore entstanden sind. Gegen Nürnberg kann man sich dann immer mal so einen Konter einfangen. Da sind sie gefährlich."

Dieter Hecking:
"Wir haben in der Halbzeit gewusst, dass Werder alles daran setzt, hier Punkte zu holen. Und ich habe hier schon oft genug mit Mannschaften gespielt, um zu wissen, dass Werder bis zum Schluss in der Lage ist, einen Lucky Punch zu setzen. Wir hatten dann zu Beginn des zweiten Durchgangs Glück bei Marins Chance. Wenn er den Ball reinmacht, hätte das Spiel einen anderen Ausgang gehabt. Ich bin heute ein glücklicher Nürnberg-Trainer."

Clemens Fritz
„In der ersten Halbzeit haben wir bis zum Strafraum vieles richtig gemacht. In der zweiten Halbzeit fehlte uns in den entscheidenden Momenten oft die passende Lösung."

Die fehlende Chancenverwertung:

Tom Trybull:
„Wir haben das heute ordentlich gemacht, aber nur bis zum Strafraum. Leider hat dann der entscheidende Pass, die zündende Idee gefehlt. Die Nürnberger haben heute aus zwei Chancen ein Tor gemacht. Die Effektivität, die uns in der letzten Woche ausgezeichnet hat, haben sie uns heute vorgelebt."

Claudio Pizarro:
„Die Nürnberger haben das heute gut gemacht. Wir hatten zwar auch einige gute Szenen, aber unsere Chancen nicht genutzt. Das hat uns heute die Punkte gekostet. Manchmal will der Ball einfach nicht rein. Heute war so ein Tag, wo er dann eben an den Pfosten geht. Im nächsten Spiel klappt es dann aber wieder."

Marko Marin:
„Wir haben es heute verpasst, die letzten 20 Meter auszuspielen und konsequent vor dem Tor zu sein. Das ist sehr ärgerlich. Auch meine eigene Chance in der zweiten Halbzeit, als Claudio den Ball mit dem Kopf verlängert. Da habe ich nicht schnell genug reagiert."

Tom Trybull:
"Wir haben bis zum Sechzehner gut gespielt, dann hat uns aber die zündende Idee gefehlt."

Die fehlende Cleverness in der Schlussphase:

Sokratis:
„Eigentlich haben wir nicht schlecht gespielt, nur das Tor hat gefehlt. Und dafür haben wir teuer bezahlen müssen. Das Spiel heute war eine sehr gute Lektion für uns, dass wir weiter hart an uns arbeiten müssen. Nach dem Gegentor waren wir nicht mehr konzentriert genug und haben viel Energie verloren."

Clemens Fritz:
„Wir haben nie den Glauben verloren, in der Vergangenheit häufig noch in letzter Sekunde den Ausgleich oder Siegtreffer erzielt. Das war heute auch zu sehen, wir haben versucht, gemacht, getan. Aber wir sind noch keine fertige Mannschaft, haben viele junge, talentierte Spieler. Da steckt viel Potenzial hinter."

Das Gegentor der Nürnberger:

Clemens Fritz:
„Sie spielen von links den Ball rein, der dann unglücklich abgefälscht wird. Ich muss mich dann für einen Spieler entscheiden, der andere geht mir in den Rücken und muss nur noch den Fuß hinhalten. Das darf nicht passieren, ganz klar."

Der Unterschied zum HSV-Spiel:

Clemens Fritz:
„In Hamburg war es ein ganz anderes Spiel, das kann man nicht vergleichen, da haben wir auch schon lange einen Haken dran. Die Nürnberger haben die Räume eng gemacht, haben sich vor dem eigenen Strafraum aufgereiht."

Tim Wiese:
„Leider haben wir einige Dinge, die wir letzte Woche richtig gemacht haben, dieses Mal vermissen lassen. Die Nürnberger standen tief und haben ihr Tor sehr gut verteidigt. Aber so ist Fußball."

Tom Trybull:
"Kompliment an die Nürnberger. Sie haben heute das gezeigt, wodurch wir letzte Woche beim HSV geglänzt haben: Effektivität."

Der Ausblick auf die kommenden Spiele:

Marko Marin:
„Ich habe aber keine Angst, dass wir die internationalen Plätze nicht erreichen. Wir wissen, dass es dort sehr eng zugeht. Das war vor dem Spiel so und das ist auch danach noch so, aber natürlich wäre ein Dreier sehr wichtig gewesen. Die Punkte holen wir uns nächste Woche wieder. Wir können trotz der Niederlage auch positive Aspekte aus dem Spiel ziehen. Wir hatten gute Passagen drin, müssen nur die Tore machen, dann gewinnen wir nächste Woche in Berlin auch."

Tim Wiese:
„Wir müssen jetzt zusehen, dass wir den Kopf schnell wieder hochbekommen, die Fehler aufarbeiten und dann nächste Woche in Berlin gewinnen."

Sokratis:
„Wir haben heute eine sehr wichtige Partie verloren, dadurch sind die Champions League Plätze für uns Geschichte. Wir müssen noch mehr an uns arbeiten und jederzeit im Spiel das machen, was der Trainer von uns verlangt. Jetzt kämpfen wir mit drei weiteren Teams um die Europa-League-Plätze, aber das schaffen wir sicher."

Die junge Mannschaft:

Klaus Allofs:
"Wir sollten das jetzt nicht jede Woche thematisieren. Dann schieben wir es bei einem Sieg immer auf den jugendlichen Sturm und Drang und bei Niederlagen auf die Unerfahrenheit. So einfach machen wir uns das nicht. Fakt ist, die Mannschaft, die spielt, hat unser Vertrauen. Sie hat das Zeug dazu, erfolgreich zu sein. Das Alter spielt kein Thema.

Marko Marin:
"Auch erfahrene Spieler können nicht jede Woche funktionieren. Wir haben heute ja insgesamt ordentlich gespielt, aber am Ende waren wir zu hektisch und haben es nicht mehr spielerisch gelöst."

aus dem Weser-Stadion berichten Dominik Kupilas, Michael Rudolph und Timo Volkmann