Nach Aufholjagd 4:5 gegen FC Midtjylland

Der Anschlusstreffer von Andreas Wolf hauchte den Werderanern neues Leben ein.
Testspiel
Freitag, 08.07.2011 // 21:22 Uhr

Zwei Tage nach dem 13:1-Sieg gegen den Regionalligisten SV Meppen hat Werder Bremen sein zweites Testspiel gegen den FC Midtjylland mit 4:5 verloren. Am Freitagabend wurde von Beginn an ...

Zwei Tage nach dem 13:1-Sieg gegen den Regionalligisten SV Meppen hat Werder Bremen sein zweites Testspiel gegen den FC Midtjylland mit 4:5 verloren. Am Freitagabend wurde von Beginn an deutlich, dass vor 5.913 Zuschauern auf dem Sportplatz in Leer-Loga ein ganz anderes Kaliber auf den SVW wartete.

Der dänische Spitzenklub, der in neun Tagen in der SAS-Liga startet, kristallisierte sich als der gewünschte Härtetest für das Team von der Weser heraus. Philipp Bargfrede mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel sowie Lennart Thy schossen in Halbzeit eins die Tore für grün-weiß. In den zweiten 45 Minuten lag Werder mit 2:4 beinahe aussichtslos im Hintertreffen, doch Neuzugang Andreas Wolf und Clemens Fritz sorgten zehn Minuten vor dem Ende für den zwischenzeitlichen Ausgleich, ehe Dreifachschütze Sly den 5:4-Endstand herstellte.

Führte den SVW als Kapitän auf den Platz und schoss den 4:4-Ausgleich: Clemens Fritz.

Niedergeschlagen waren die Bremer jedoch nicht allzu sehr. Torschütze Fritz sagte nach dem Schlusspfiff: "Man hat gesehen dass wir kräftemäßig nachgelassen haben. In der ersten Halbzeit haben wir uns zwei Tore selbst eingeschenkt. Da fehlte es an der Abstimmung. Es war ein guter Test, aber die Vorgabe ist es auch, sicher zu stehen, daran müssen wir in den nächsten Wochen noch arbeiten." Cheftrainer Thomas Schaaf pflichtete bei: "Das war ein sehr, sehr intensives Spiel, das wir in der ersten Halbzeit sehr gut angenommen haben. Wir haben heute viele Fehler gesehen, die auf beiden Seiten zu Toren geführt haben. Es waren Ansätze des Fußballs da, den wir sehen wollen. In der zweiten Halbzeit waren wir sehr müde, sind nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen."

Das Spiel begann aus Sicht der Grün-Weißen mit einer Duplizität der Ereignisse: Wie auch im ersten Test gegen den SV Meppen gab es in diesem Match ein frühes Tor. Erneut stand dabei ausgerechnet Werders junger Innenverteidiger Clemens Schoppenhauer, der kurzfristig für den angeschlagenen Leon Balogun (Hüftprobleme) in die Startelf berufen wurde, im Mittelpunkt. Während Schoppenhauer auf Norderney noch die Führung für das Team von Thomas Schaaf markieren konnte, unterlief ihm gegen die Dänen einen unglückliche Aktion. Die Nummer 38 der Grün-Weißen verlor am eigenen Strafraum neben dem Gleichgewicht auch den Ball, wovon Midtjyllands nigerianischer Stürmer Sly profitierte und mühelos zur Führung einschob.

Werder brauchte zwölf Minuten, um die erste eigene Chance herauszuspielen. So landete ein Drehschuss von Markus Rosenberg aus halbrechter Position nur knapp neben dem Pfosten.
Lediglich 120 Sekunden später erzielte Philipp Bargfrede den Ausgleich für den SVW. Der sonst weniger als Torschütze bekannte Mittelfeldarbeiter fasste sich mit dem schwächeren linken Fuß aus rund 20 Metern ein Herz und traf ins linke obere Dreieck - ein Treffer der Marke „Tor des Monats".

Mit fortlaufender Spielzeit fand Werder spürbar besser ins Spiel und stellte sich auf das körperbetonte Spiel der dänischen „Wölfe" ein. Nach einer halben Stunde war Markus Rosenberg der gegnerischen Abwehr enteilt und lief auf den Kasten von Torwart Kasper Jensen zu. Zwar konnte der ehemalige U 23-Keeper den Schuss des Schweden parieren, doch gegen den Nachschuss von Lennart Thy war er chancenlos - 2:1 für den SVW. Kurz vor Ende des ersten Durchgangs fand Midtjylland zurück ins Spiel - und wie! Wieder gab es eine Unkonzentriertheit in Werders Defensive, die der dänische U 21-Juniorennationalspieler Mads Albaek in der 38. Minute zum 2:2-Ausgleich nutzte. Der sehr agile Nigerianer Sly enteilte wenige Minuten später seinem Bewacher und traf mit einem trockenen Schuss ins rechte untere Eck.

Midtjyllands Nigerianer "Sly" war heute nicht zu stoppen und erzielte einen Dreierpack.

Der FC Midtjylland war in der Anfangsphase des zweiten Durchgangs das bessere und engagiertere Team und hatte schon zwei gute Gelegenheiten, die Führung weiter auszubauen. Folgerichtig erhöhte der eingewechselte Nworuh in der 66. Spielminute auf 4:2. Werder zeigte sich zunächst unbeeindruckt in Person des eingewechselten Marko Marin. Der quirlige Mittelfeldakteur scheiterte allerdings knapp. Im Anschluss wurden die Beine der Bremer immer schwerer, sodass die Gegenwehr immer geringer wurde. Midtjylland eröffneten sich mehrere Möglichkeiten, doch entweder parierte Tim Wiese oder Aaron Hunt war auf der Torlinie zur Stelle. In der 78. Minute dann der Anschlusstreffer für den SVW. Neuzugang Andreas Wolf kam nach einer Ecke ungedeckt an den Ball und drosch diesen in seinem ersten Spiel eiskalt zum 3:4 unter die Latte.

Ein leidenschaftlicher Torjubel des ehemaligen Nürnbergers blieb jedoch aus. Trotz der persönlichen Freude hatte der 29-Jährige das große Ganze im Blick: "Ich spiele lieber zu Null und gewinne die Partie. Das Toreschießen können dann gerne andere übernehmen. Man hat gesehen, dass der Gegner schon weiter ist und wir erst am Anfang stehen. Wir haben zu viele Tore kassiert. Da müssen wir uns im Defensivverbund besser verhalten."
Fast hätte Clemens Fritz mit seinem Treffer zum 4:4 nach schöner Vorarbeit von Markus Rosenberg noch ein richtiges Happyend verpasst, doch die tolle Moral der Grün-Weißen durchbrach letztlich erneut Sly, der das fünfte Tor für den FCM erzielte. Werder war nach einem sehr intensiven ersten Trainingslager auf Norderney endgültig geschlagen.

Aus Leer-Loga berichtet Dominik Kupilas