1:2 - Werder verliert gegen Anderlecht

Mehmet Ekici stand in Werders Startformation und bereite den Führungstreffer mustergültig vor.
Profis
Montag, 09.01.2012 // 15:24 Uhr

Das erste Testspiel im Winter-Trainingslager 2012 in der Türkei endete für Werder Bremen mit einer 1:2-Niederlage. Vor 400 Zuschauern im Emirhan Sportkomplex Side war die Mannschaft von ...

Das erste Testspiel im Winter-Trainingslager 2012 in der Türkei endete für Werder Bremen mit einer 1:2-Niederlage. Vor 400 Zuschauern im Emirhan Sportkomplex Side war die Mannschaft von Cheftrainer Thomas Schaaf im ersten Abschnitt tonangebend, ehe der belgische Tabellenführer in den zweiten 45 Minuten zurückschlug.

„Wir haben das in der ersten Halbzeit sehr, sehr ordentlich gemacht. Da haben wir sehr diszipliniert gespielt und hinten keinen Torschuss zugelassen. Nach vorne haben wir uns die eine oder andere Chance erspielt, das war wirklich gut anzusehen", zeigte sich Schaaf mit dem ersten Durchgang zufrieden. Gar nicht glücklich war der Cheftrainer über die zweite Hälfte: „Nach der Halbzeit haben wir dann Passivität einkehren lassen, uns nicht mehr bewegt und bei eigenem Ballbesitz zu einfache Fehler gemacht."

Die Grün-Weißen starteten bei bestem Fußballwetter - das vorgesehene erste Testspiel gegen Tashkent musste aufgrund eines Orkans bekanntlich abgesagt werden - gut, nach einer Ecke von Mehmet Ekici setzte Aleksandar Ignjovski die zu kurz geratene Kopfballabwehr des RSC nur knapp am Tor vorbei. Kurz darauf hätte Werder in der 13. Minute eine gefährliche Chance kreieren können, doch Ekici wurde unsanft von den Beinen geholt. Anderlecht agierte während der gesamten Partie robust, Werder hielt nach Kräften dagegen.

Gegen die Laufrichtung zur Führung: Markus Rosenberg.

Nach rund 20 gespielten Minuten nahmen die Werderaner das Heft immer mehr in die Hand, auch weil sich Claudio Pizarro häufig als hängende Spitze zurückfallen ließ und die Bälle mit guter Übersicht verteilte. Einziges Manko im Spiel der Bremer: Es war (noch) nicht zwingend genug. Das sollte sich in der 34. Minute jedoch ändern, denn Mehmet Ekici spielte einen herrlichen langen Ball auf Markus Rosenberg, der zuerst Anderlechts Keeper Proto ausspielte, auch einen Abwehrspieler ins Leere laufen ließ und locker zur Führung einschieben konnte. „Das war ein guter Start für mich in das Jahr 2012", kommentierte der Schwede nach dem Spiel.

Der sechsfache türkische Nationalspieler Ekici erhielt umgehend Lob von dem Co-Trainer der Türkei, Tayfun Korkut: „Ekici hat ein gutes Spiel gemacht, die Vorarbeit zum Tor war einer von mehreren guten Zuspielen." Doch damit noch nicht genug mit der starken Vorstellung des zentralen Mittelfeldspielers. Fünf Zeigerumdrehungen vor dem Halbzeitpfiff hätte „Piza" im Zusammenspiel mit „Memo" beinahe für das 2:0 gesorgt. Bei einer Freistoßvariante lief der Peruaner über den Ball, Ekici legte den Ball an der Mauer vorbei genau in den Laufweg, doch Pizarro scheiterte aus spitzem Winkel an Anderlechts Schlussmann Proto. Kurz darauf war Pause, Werder führte dank einer engagierten Leistung sowie dem kaltschnäuzigen Abschluss von „Rosi" mit 1:0.

Für den zweiten Abschnitt nahm Trainer Thomas Schaaf vorerst lediglich zwei Wechsel vor (Marko Marin für Ignjovski und Wesley für Ekici), während sein Gegenüber Ariel Jacobs seine Mannschaft ordentlich rotieren ließ. Gleich acht neue Akteure kamen für den RSC Anderlecht ins Spiel. Darunter auch Stürmer Mbokani - in der letzten Saison noch beim VfL Wolfsburg aktiv - sowie der erst 17-jährige Dennis Praet, der noch für eine Menge Wirbel sorgen sollte. Diese beiden Spieler waren auch an der ersten erwähnenswerten Möglichkeit des belgischen Rekordmeisters beteiligt. Mbokani flankte nach feinem Spielzug auf Praet (56.), der mit seiner Volley-Abnahme Tim Wiese allerdings nicht vor größere Probleme stellen konnte. Dennoch sollte es eine Art Initialzündung für den RSC Anderlecht ein, denn nur fünf Minuten später wurde es brandgefährlich.

Claudio Pizarro zeigte ein gutes Spiel, machte in der 70. Minute aber Platz für Sandro Wagner.

Wieder war es der Kongolese Dieumerci Mbokani, der gleich doppelt für den Ausgleich hätte sorgen können. Erst scheiterte er mit einem Kopfball am aufmerksamen Wiese, ehe der Mittelstürmer einen Hammer aus 22 Metern auspackte, der knapp am Bremer Gehäuse vorbeistrich. Kurz darauf brachte Schaaf noch einmal ein frisches Trio, Andi Wolf ersetzte Sokratis in der Innenverteidigung, Florian Trinks rückte für Trybull ins Team und Sandro Wagner ersetzte Pizarro.

Werder hatte dennoch kaum noch etwas entgegenzusetzen, sodass nach 74. Minuten folgerichtig der Ausgleich fiel. Der quirlige Praet setzte sich auf der rechten Außenbahn durch, brachte den Ball scharf vorher und Yakovenko vollstreckte unhaltbar zum 1:1. Nach einem Latten-Kopfball von Mbokani (78.) drehte Anderlecht im Anschluss sogar noch die Begegnung. Praet traf aus halbrechter Position zum nicht unverdienten Erfolg des RSC Anderlecht (86.).

Geschäftsführer Klaus Allofs resümierte nach den ersten 90 Minuten im Jahr 2012 treffend: „Natürlich gewinne ich lieber, aber auch das Siegen muss man lernen. In der ersten Halbzeit haben wir das gut gemacht, im zweiten Durchgang waren wir dann nicht mehr so diszipliniert."

Trotz der Niederlage gab es noch eine äußerst positive Nachricht im Lager der Grün-Weißen zu vermelden. Mikaël Silvestre feierte nach siebenmonatiger Verletzungspause sein Comeback im Werder-Dress, wurde in der Schlussviertelstunde für Lukas Schmitz eingewechselt.

Am Mittwoch trifft der SV Werder um 14 Uhr Bremer Zeit (15 Uhr in Kundu) dann auf den holländischen Klub AZ Alkmaar.

Aus Belek berichten Michael Rudolph und Dominik Kupilas