Prödl sei Dank: Erster Belek-Sieg nach vier Jahren

Ecke Schmitz, Kopfball Prödl, Tor für Werder: Mit 2:1 setzten sich die Grün-Weißen nach "99" Minuten gegen Alkmaar durch.
Trainingslager
Mittwoch, 11.01.2012 // 16:51 Uhr

Vier Jahre ohne einen einzigen Sieg im Trainingslager in Belek haben ein Ende! Werder Bremen gewann am Mittwochnachmittag, 11.01.2012, gegen den holländischen Spitzenklub AZ Alkmaar verdient mit ...

Vier Jahre ohne einen einzigen Sieg im Trainingslager in Belek haben ein Ende! Werder Bremen gewann am Mittwochnachmittag, 11.01.2012, gegen den holländischen Spitzenklub AZ Alkmaar verdient mit 2:1. Nach dem Rückstand durch Elm (40.) drehten die Werderaner das Spiel durch die Tore von Mehmet Ekici (45.) und Sebastian Prödl (49.).

Kurios: Für Aufregung sorgte der bulgarische Schiedsrichter mit einer sehr langen Nachspielzeit. Er pfiff erst in der 99. Minute ab. Kopfschüttelnd sagte Cheftrainer Thomas Schaaf dazu: "Ich dachte, dass er das Spiel bis zum Frühstück weiterlaufen lassen wollte." Geschäftsführer Klaus Allos: "Es ist doch gut. Wir konnten unser Team heute 100 Minuten beobachten."

Schaaf war unmittelbar nachdem Abpfiff sehr zufrieden mit dem Ergebnis: "Wir hatten einen sehr starken Gegner, der uns einiges abverlangt hat. Man muss beiden Mannschaften ein Kompliment machen, dass es hier für ein Testspiel sehr intensiv hoch und runter ging. Wir standen sehr stabil und waren über die gesamte Spielzeit konzentriert. Wir sind unseren Aufgaben sehr gut nachgekommen."

Geschäftsführer Klaus Allofs zeigte sich ebenfalls erfreut: "Alkmaar hat uns heute immer sehr früh unter Druck gesetzt. Es war ein guter Test, damit umgehen zu müssen. Die Mannschaft hat das sehr gut gemacht."

Wenige Stunden vor Spielbeginn war noch Improvisieren angesagt. Starke Regengüsse suchten über Nacht die Antalya-Küste auf, mit der Folge, dass der Platz des WOW-Sportcenters in Kundu unbespielbar war. Der Werder-Tross blieb somit in Belek und trug zehn Minuten vom eigenen Hotel entfernt auf der Trainingsanlage der Alkmaarer die Partie gegen die Nordholländer aus.

Eiskalt und unhaltbar für "Miele": Der Schwede Elm schoss per Elfmeter zur Führung der Alkmaarer ein.

Die Aufstellung der Grün-Weißen hatte sich im Vergleich zum ersten Test im Jahr 2012 gegen den belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht lediglich auf zwei Position verändert: Sebastian Mielitz hütete für Tim Wiese das Tor, Marko Arnautovic ging anstelle von Markus Rosenberg auf Torejagd. Die Anfangsphase war geprägt von gegenseitigem Respekt und Abtasten. Torchancen waren auf beiden Seiten Mangelware. Positiv für Werder war dabei das Auftreten der Hintermannschaft, die einen sicheren, kompakten Eindruck hinterließ.

Nach 20 Minuten übernahmen die Werderaner auch in der Offensive mehr und mehr die Initiative und erarbeiteten sich innerhalb von 180 Sekunden drei gute Möglichkeiten: Erst spielte Werder-Kapitän Clemens Fritz Mehmet Ekici frei. Werders Nummer 20 bediente Marko Arnautovic in der Sturmspitze allerdings nicht ganz sauber, so dass eine größere Chance im Keim erstickte. Im nächsten Angriff der Bremer dribbelte sich dann Claudio Pizarro durch die Alkmaarer Reihen, ehe er von Gäste-Keeper Esteban fair gestoppt wurde. Den abgeprallten Ball nahm Ekici auf, allerdings zeigte sich Esteban erneut wachsam und parierte sicher. Der Tabellenführer in der niederländischen Eredivisie wurde offensiv erstmals mithilfe einer Standardsituation aktiv. Maarten Martens rutsche das Leder jedoch aus guter Position ab und jagte diesen gen Beleker „Wokenhimmel" (27.).

Claudio Pizarro musste nach 73 Minuten für Füllkrug weichen, Bargfrede wurde dagegen schon nach 41 Minuten verletzungsbedingt ausgewechselt.

Werder wiederum hatte weiterhin Oberwasser, Zählbares sprang allerdings vorerst nicht dabei heraus. Im Gegenteil zu den Nordholländern, die Schiedsrichter Raicho Raitchev, Sokratis sowie den US-Amerikaner Jozy Altidore für die Führung benötigten. Werders Grieche soll den bulligen Stürmer im Strafraum zu Fall gebracht haben, Ratchev entschied auf Strafstoß - eine fragwürdige Entscheidung, die Schiedsrichter-Urgestein Hans-Joachim Osmers nach Einspielung der Zeitlupe bei WERDER.TV wie folgt bewertete: „Ich denke, dass das kein Elfmeter war. Solche Situationen gibt es häufig im Spiel." Ungeachtet dessen setzte der Schwede Rasmus Elm den Ball oben links in den Winkel zur AZ-Führung. Zu allem Überfluss musste schließlich Philipp Bargfrede kurze Zeit nach dem Gegentor wegen einer Beckenprellung ausgewechselt werden. Für ihn kam Felix Kroos in die Partie.

Als bereits alle Beteiligten dachten, AZ würde sich mit einer 1:0-Führung in die Halbzeitpause verabschieden, erzielte Ekici doch noch den verdienten Ausgleich. „Piza" zog von rechts nach innen in den Strafraum, blieb - wie auch schon in Minute 21 - an Esteban hängen. Den Abpraller versenkte Ekici eiskalt zum 1:1-Zwischenstand.

Während der SVW den zweiten Durchgang in unveränderter Formation begann, wechselten die Nordholländer gleich ihr ganzes Team aus. Nur vier Minuten später zeigte sich die Defensive der Alkmaarer bei einer Schmitz-Ecke noch unsortiert, wovon Sebastian Prödl profitierte und zum 2:1 einköpfte.

Sorgte für den 1:1-Ausgleich kurz vor Ende der ersten Halbzeit: Werders Mehmet Ekici.

In der Folge hatten die Grün-Weißen die Partie weiter im Griff, ließen Ball und Gegner laufen und besaßen in Person von Marko Arnautovic ihre nächste Chance. Doch dieses Übergewicht verlagerte sich mit zunehmender Spielzeit in Richtung des holländischen Spitzenklubs, der indes nicht imstande war, die Bremer vor größere Schwierigkeiten zu stellen. Acht Minuten vor Ende der Partie tauchte urplötzlich Ruud Boymans alleine vor Keeper Sebastian Mielitz auf. Die größte Chance für Alkmaar im zweiten Spielabschnitt vereitelte „Miele" mit einer Glanztat. Werder zeigte sich noch einmal durch eine tolle Aktion des Offensiv-Trios Ekici, Lennart Thy sowie Füllkrug, der jedoch knapp am langen Eck vorbeischoss. Wenige Minuten zuvor erlebte die 18-jährige Nachwuchshoffnung einen tollen Moment. Füllkrug, eigentlich in der U23 aktiv, kam zu seinem ersten Einsatz bei den Profis.

Thy und erneut Füllkrug hätten die Führung in der Schlussphase noch ausbauen können. Nach jeweils ungenutzten Tormöglichkeiten, war es nach neunminütiger (!) Nachspielzeit endlich soweit: Der erste Belek-Erfolg nach vierjähriger Abstinenz! Daneben durften sich alle grün-weißen Anhänger auch über das Comeback von Sebastian Boenisch freuen. Der Pole, dessen letzter Einsatz im Dress der Grün-Weißen vom ersten Bundesliga-Spieltag 2010/2011 gegen den 1. FC Köln datiert, bekleidete nach überstandener Knieverletzung die letzten 27 Minuten für Fritz auf der rechten Verteidigerposition.

aus Belek berichten Dominik Kupilas und Michael Rudolph