Werder unterliegt bei effektiven 96ern mit 2:3

Andreas Wolf im Zweikampf mit Abdellaoue: Der Norweger war heute nicht zu stoppen.
Hannover 96
Sonntag, 02.10.2011 // 17:26 Uhr

Werder Bremens Serie ist gerissen: Mit 2:3 verloren die Grün-Weißen das "kleine Nordderby" bei Hannover 96. Werder hatte die Mehrzahl an Chancen, kam aber nur zu zwei Toren durch Arnautovic ...

Werder Bremens Serie ist gerissen: Mit 2:3 verloren die Grün-Weißen das "kleine Nordderby" bei Hannover 96. Werder hatte die Mehrzahl an Chancen, kam aber nur zu zwei Toren durch Arnautovic (45.+3) und Pizarro (83.). Hannover 96 nutzte hingegen in Person von Mohammed Abdellaoue (2., 38., 59.) die wenigen Gelegenheiten, die sich boten, eiskalt aus. Werder spielte in der Schlussphase nur noch zu zehnt, nachdem Arnautovic nach einem Foulspiel die Rote Karte gesehen hatte.

Im Vergleich zur Vorwoche gab es zwei Veränderungen in der Bremer Startelf: Nach einer zweiwöchigen Verletzungspause war Sokratis wieder zurück und übernahm die Rechtsverteidigerposition. Ignjovski wechselte auf die linke Seite. Zudem brachte Cheftrainer Thomas Schaaf im offensiven Mittelfeld Marko Marin von Anfang an.

Früher Schock für Werder

Augen zu und durch: Sokratis im Kopfballduell mit Abdellaoue.

Das Spiel begann für Werder mit einem echten Schock. Die Partie in der mit 49.000 Zuschauern ausverkauften AWD-Arena war gerade erst angepfiffen, da traf Bargfrede Stindl im Bremer Strafraum - Schiedsrichter Guido Winkmann entschied auf Foulspiel. Obwohl Mielitz in die richtige Ecke flog, ließ ihm Abdellaoue beim fälligen Strafstoß mit einem platzierten Schuss keine Chance (2.). Werder musste wieder einmal einem frühen Rückstand hinterherlaufen - und das bei einer der gefährlichsten Kontermannschaften der Liga.

Die Grün-Weißen zeigten sich nur kurz beeindruckt und fanden nach wenigen Minuten ihren Rhythmus. Nach einer Flanke von Bargfrede auf den langen Pfosten brachte Pizarro den Ball per Kopf aufs Tor. Zieler stand aber gut und hatte keine Mühe die Kugel zu fangen (8.). Kurz darauf schloss der Peruaner aus 16 Metern ab, verfehlte das Hannoveraner Tor aber knapp (10.). Die Slomka-Elf, die unter der Woche noch ein Europa League-Spiel in der Ukraine absolviert hatte, zog sich jetzt bei Bremer Ballbesitz weit zurück und wartete auf Fehler.

Werder war zwar klar am Drücker, verpasste es aber sich zwingende Torchancen herauszuspielen. Ein feiner Steilpass von Hunt fand Arnautovic, aber der Österreicher traf den Ball nicht richtig (21.). Eine scharfe Hereingabe von Marin konnte Pogatetz kurz darauf gerade noch klären (28.). In der 31. Minute jubelten die mitgereisten Bremer Fans - allerdings setzte ein Abseitspfiff von Schiedsrichter Winkmann der Freude ein jähes Ende. Eine Flanke von Hunt hatte der eingelaufene Arnautovic klasse angenommen und den Ball im Eck versenkt. Allerdings hatte der Österreicher beim Pass wohl im Abseits gestanden (31.).

Ein reguläres Tor fiel wenige Minuten später auf der anderen Seite. Nach einem der seltenen, aber effektiven Hannoveraner Konter stand es urplötzlich 2:0. Abdellaoue konnte eine perfekte Hereingabe von Schlaudraff aus kurzer Distanz verwerten (38.). Kurz darauf hätte es für die Grün-Weißen sogar noch dicker kommen können. Aber Wolf spitzelte Abdellaoue in höchster Not den Ball vom Fuß. Schlaudraffs Nachschuss landete zum Glück nur auf und nicht im Bremer Tornetz (42.).

Die erste Hälfte wäre damit richtig schlecht gelaufen für Werder. Aber anstatt eines vorentscheidenden 3:0 stand es kurz vor der Pause plötzlich nur noch 2:1! Sokratis flankte in die Mitte, wo Pizarro den Ball verarbeitete und auf Arnautovic ablegte. Der Österreicher nahm technisch versiert mit rechts an und schloss platziert und flach mit links ab - der Anschlusstreffer (45.+3).

Werder drückt, Hannover kontert

Mielitz ohne Chance: Hannover war im Abschluss unheimlich effektiv.

Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag: Hunt spielte perfekt durch die Schnittstelle der Viererkette und fand Pizarro. Der Peruaner ließ Zieler gekonnt aussteigen, traf aus spitzem Winkel aber nur den Außenpfosten (47.). Auf der anderen Seite trafen auch die Hannoveraner Aluminium: Nach einem weiteren Konter über Schlaudraff und Abdellaoue stand Pander im Bremer Strafraum plötzlich völlig frei. Sein Schuss wurde noch von Schlaudraff abgefälscht und klatschte an den Bremer Pfosten (50.).

Werder brannte nun ein richtiges Feuerwerk ab: Pizarro verfehlte mit einem Schuss aus kurzer Distanz das Hannoveraner Tor nur knapp (52.). Drei Minuten später schoss Sokratis aus ähnlicher Position über den Kasten. Eine Hereingabe von Pizarro verarbeitete Arnautovic artistisch. Sein Schuss mit der Hacke ging aber ebenfalls über die Querlatte (57.).

Was Bremen fehlte, hatte Hannover heute im Überfluss: Effektivität. Just in der Drangperiode der Bremer schlug erneut Abdellaoue zu. Stindl flankte auf Pinto, der auf den Norweger ablegte. Abdellaoue ließ sich nicht zweimal bitten und erzielte sein drittes Tor (59.). Die gesamte Bremer Hintermannschaft reklamierte Abseits, aber Bargfrede hatte es aufgehoben.

Schaaf reagierte und brachte Rosenberg und Ekici. Zunächst aber mussten sich die Grün-Weißen weiterer Konter erwehren. Prödl hielt im Laufduell gegen den eingewechselten Ya Konan dagegen und konnte den Schuss des Ivorers abblocken (64.). Auf der anderen Seite wurden die Chancen nun wieder weniger. Gefahr brachten vor allem Standardsituationen: Einen direkt aufs Tor gezirkelten Freistoß von Ekici konnte Zieler wegfausten (75.). Nur eine Minute später wäre der Hannoveraner Torhüter machtlos gewesen: Erneut Ekici brachte einen Freistoß gefühlvoll aufs Tor, aber von der Latte sprang der Ball ins Aus.

Zum Pech im Abschluss kam nun auch noch der Umstand, dass Werder ab der 78. Minute mit einem Mann weniger spielen musste. Arnautovic traf Pinto am Knöchel - Schiedsrichter Winkmann entschied auf grobes Foulspiel und damit "Rot". Aber noch waren mehr als zehn Minuten zu spielen, und Werder hatte nicht aufgesteckt. Eine maßgenaue Flanke von Fritz aus dem Halbfeld senkte sich genau aufs Pizarros Fuß. Der Bremer Stürmer nahm den Ball aus vollem Lauf direkt und verwandelte humorlos ins rechte untere Eck (83.). 3:2, der erneute Anschlusstreffer!

Werder warf noch einmal alles nach vorne, Hannover versuchte die Zeit herunterzuspielen. Die Grün-Weißen kamen nicht mehr gefährlich vors Tor, dafür bekam Mielitz nach einem Ballverlust noch einmal etwas zu tun. Den Schuss von Rausch konnte der Bremer Keeper zwar festhalten (90.+2), die erste Bremer Niederlage seit dem 2. Spieltag war aber kurz darauf mit dem Schlusspfiff trotzdem besiegelt.

Von Benjamin Gehrs

Stimmen zum Spiel folgen im Laufe des Abends auf WERDER.DE