Werder verliert bei effektiven Bayern

Fassungslosigkeit bei allen Bremern: Trotz guten Beginns traf der FC Bayern in Person von Ribéry zum frühen 1:0
FC Bayern München
Samstag, 03.12.2011 // 17:27 Uhr

Beim Nord-Süd-Schlager in München war für Werder Bremen dieses Mal nichts zu holen. Die Grün-Weißen unterlagen effektiv spielenden Bayern mit 1:4. Ribéry hatte den FC früh in Führung gebracht, ehe Rosenberg kurz nach dem Seitenwechsel ausglich ...

Beim Nord-Süd-Schlager in München war für Werder Bremen dieses Mal nichts zu holen. Die Grün-Weißen unterlagen effektiv spielenden Bayern mit 1:4. Ribéry hatte den FC früh in Führung gebracht, ehe Rosenberg kurz nach dem Seitenwechsel ausglich und Werder wieder hoffen ließ. Zwei durch Robben verwandelte Elfmeter und ein weiteres Ribéry-Tor sorgten aber dafür, dass Bremen ohne Punkte nach Hause fahren musste. Zu allem Überfluss sah Aaron Hunt in der Schlussphase die Rote Karte.

Aufatmen für alle Werder-Fans vor dem Spiel: Claudio Pizarro war pünktlich zum Nord-Süd-Schlager wieder fit geworden und spielte von Beginn an neben Marko Arnautovic. Auch Sokratis war nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder zurück und rückte für Lukas Schmitz ins Team. Im Tor vertrat Sebastian Mielitz Tim Wiese, dessen Vater unter der Woche verstorben war.

Werder steht sicher, aber Ribéry trifft

Umkämpftes Mittelfeld: Philipp Bargfrede sichert den Ball gegen Gustavo (links) und Alaba.

Werder stand vor 69.000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz-Arena zu Beginn ungewohnt tief und versuchte erst gar nicht, das Ballbesitzspiel der Bayern schon in der gegnerischen Hälfte zu unterbinden. Hatten sich die Roten aber erst einmal über die Mittellinie bewegt, machten die Werderaner keine Gefangenen. Kompromisslos wurde gekämpft, gedoppelt und gegrätscht. Ganz auszuschalten war der Rekordmeister naturgemäß trotzdem nicht. Nach einem weiten Abwurf von Neuer setzte sich erstmals Ribéry durch und flankte in die Mitte auf Lahm. Andreas Wolf musste in höchster Not klären (9.). Einen Klärungsversuch von Hunt nahm wenige Minuten später der aufgerückte van Buyten aus 30 Metern direkt, verfehlte den Kasten von Mielitz aber klar (15.). In der Offensive setzten die Grün-Weißen auf Konterspiel nach schnellem Umschalten. Erste Ansätze sahen vielversprechend aus, mündeten aber nicht in Torchancen.

Ganz anders die Bayern. Das Ballbesitzspiel hatte nichts Zählbares eingebracht, aber die Übernahme der Bremer Strategie brachte den Münchnern den gewünschten Erfolg. Nach einem abgewehrten Freistoß der Bremer setzte sich Alaba gegen Bargfrede durch und leitete den Konter über Franck Ribéry ein. Gomez und Müller kreuzten, zogen die zurücksprintende Bremer Abwehr so auseinander und verschafften dem Franzosen Platz. Der ließ sich nicht zweimal bitten und überwand Mielitz mit einem satten Schuss, der noch den Innenpfosten tuschierte - 1:0 (22.). Werder tat der frühe Rückstand nicht gut. Nach vorne wirkten die Bremer Aktionen nun fahrig und wenig durchdacht. Die gute Nachricht zur Pause war, dass die Defensive nach dem Rückstand dicht gehalten hatte. Naldo, Wolf und Co. ließen sich nicht entmutigen und zeigten mit klaren Aktionen, dass sie nicht gewillt waren, die Hoffnung auf einen Punktgewinn in München schon aufzugeben.

Rosi bringt Hoffnung, aber nur kurz

Schwerer Stand: Claudio Pizarro traf im Angriff auf große Bayern-Gegenwehr.

Thomas Schaaf brauchte in der zweiten Hälfte neue Impulse im Angriffsspiel seiner Mannschaft und brachte mit Markus Rosenberg für Arnautovic einen frischen Angreifer - dieser Wechsel sollte sich noch auszahlen. Die erste Bremer Chance des Spiels hatte allerdings ein Innenverteidiger. Nach einer Ecke von Marko Marin schraubte sich Naldo in die Höhe, sein Kopfball strich aber knapp am langen Pfosten vorbei (48.). Nach einem Kroos-Freistoß war auf der anderen Seite plötzlich Müller am langen Pfosten frei, stand aber im Abseits (51.). Dann kam der Auftritt des eingewechselten Rosenberg und die Rückkehr zum Joker-Riecher von Thomas Schaaf. Nach einem weiten Abstoß von Mielitz narrte erst Pizarro van Buyten und leitete per Hacke auf Rosenberg weiter. Der Schwede schlug ein paar Haken, so dass Badstuber kurzzeitig die Orientierung verlor. Von drei Roten umringt brachte sich Rosenberg in Schussposition und netzte mit links trocken zum 1:1 ein (52.). Welch eine unerwartete Wende!

Der Ausgleich ließ Mannschaft wie Fans gleichermaßen wieder Hoffnung schöpfen. Plötzlich konnten die Grün-Weißen wieder Fußball spielen, eroberten Bälle und ließen den Ball laufen. Nach einem Klasse-Pass von Hunt ließ Marin van Buyten stehen und schloss von der Strafraumgrenze mit links ab. Neuer musste sich mächtig strecken, um den Ball noch um den Pfosten zu lenken (65.) Spätestens jetzt hatte sich Werder den Ausgleich auch verdient. Die kalte Dusche gab es aber nur wenige Minuten später. Nach einer Ecke der Bayern strich die Kugel zunächst noch knapp am Pfosten vorbei (67.). Kurz darauf zappelte der Ball dann aber im Netz. Der eingewechselte Robben überwand Mielitz per Foulelfmeter mit einem platzierten Schuss ins linke untere Eck - das 2:1 (69.). Müller war zuvor von Wolf im Strafraum am Bein getroffen worden.

Die Bayern hatten nun wieder Oberwasser. Ribéry vollführte im Bremer Strafraum ein Tänzchen, sein Pass landete bei Müller, der bediente Gomez und der Stürmer zimmerte den Ball in die Maschen. Das Schiedsrichtergespann hatte aber eine Abseitsposition gesehen (75.). Wie eng Freud und Leid beieinander liegen, musste Sebastian Mielitz kurz darauf erfahren. Erst kam der Bremer Keeper wagemutig aus dem Kasten und schnappte Müller mit einer großartigen Aktion den Ball vom Fuß. Gleich beim nächsten Angriff war er dann allerdings machtlos. Gomez kam in der Mitte freistehend an den Ball, umkurvte Mielitz und ließ sich dann von Ribéry das Tor klauen. Der Franzose hatte keine Mühe, ins leere Tor zu treffen - 3:1 (77.). Es kam für die Grün-Weißen aber noch dicker: Erst sah Aaron Hunt nach einem Einsteigen gegen Kroos glatt Rot (81.). Nur zwei Minuten später kassierte Werder dann noch ein viertes Tor. Erneut traf Robben per Foulelfmeter, dieses Mal landete sein präziser Schuss im anderen Eck - Mielitz war machtlos (83.) Die Entscheidung von Schiedsrichter Florian Meyer, die zum Elfmeter geführt hatte, war allerdings sehr hart. Sokratis hatte Ribéry im Strafraum nur leicht berührt.

Der eingewechselte Sandro Wagner hatte in der Schlussphase noch einmal die Gelegenheit, auf zwei Tore zu verkürzen. Neuer war aber zur Stelle und parierte den Schuss des Bremer Stürmers (85.). Und Pizarro versuchte es kurz vor dem Schlusspfiff auch noch, sein Schuss nach feinem Dribbling rauschte aber über die Querlatte (90.+1). Es wäre ohnehin nur Ergebniskosmetik gewesen in einem am Ende klar verlorenen Spiel.

Von Benjamin Gehrs

Stimmen zum Spiel folgen im Laufe des Abends auf WERDER.DE